Wer ist verantwortlich für die Niederlage der CSU bei der Landratswahl im Landkreis Ansbach? Zwei mittelfränkische Vorstands-Beisitzer der Arbeitnehmer-Union (CSA) sehen die Hauptschuld beim Dinkelsbühler Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer. Dieser hält die Angriffe für unbegründet.
Das Wahlergebnis bei der Stichwahl sei vorrangig eine Folge der „aggressiv ausgelegten öffentlichen Artikulation” von Hammer zu den Umstrukturierungsplänen des Klinikverbunds ANregiomed, schreibt CSA-Vorstands-Beisitzer Georg Haas aus Dinkelsbühl auch im Namen seines Kollegen Heinz-Wolfgang Malessa (Windelsbach).
Der Dinkelsbühler OB nutze seit Januar 2025 jede Möglichkeit, „sich als alleiniger Retter des Dinkelsbühler Krankenhauses” zu präsentieren, heißt es in einer Wahlanalyse, die an zahlreiche CSU-Mitglieder in der Region verschickt wurde. Landrat Dr. Jürgen Ludwig sei nicht selten als „Sündenbock” für eine Schließung des Dinkelsbühler Hauses dargestellt worden.
Daraufhin habe, so Haas, die Bevölkerung eine Abneigung gegen Ludwig entwickelt. Es sei zu Beleidigungen und Morddrohungen gegen seine Person und öffentliche Unterstützende gekommen. „Parteiinterne Differenzen haben potenziell Wählerstimmen gekostet”, meinen die CSA-Vertreter.
Eine Mitverantwortung sehen sie bei den CSU-Kreisvorstandsmitgliedern Valentin Huber und Manfred Scholl, die „immer alleinig die Interessen von Christoph Hammer” bedient hätten. Auf Anfrage der FLZ wies Huber diese Vorwürfe entschieden zurück. Er ziehe nach anwaltlicher Beratung eine strafbewehrte Unterlassungserklärung gegen Haas in Erwägung.
Manfred Scholl will nach eigenen Worten zunächst die Sachlage aufklären und dann Stellung nehmen. Bei Scholl bat Haas inzwischen öffentlich um Entschuldigung, nachdem ihm der Landrat mitgeteilt habe, Scholl habe ihn stets mit seinen Möglichkeiten unterstützt.
Die Analyse der beiden CSA-Vertreter mündet in die Hoffnung, dass Hammer nicht zum Fraktionsvorsitzenden im Kreistag gewählt und nicht mehr im Verwaltungsrat von ANregiomed vertreten sein werde. Außerdem hoffen sie, dass der CSU-Kreisverband Ansbach-Land die aus ihrer Sicht „aufgezeigten Schwachstellen” in seiner Zukunftsausrichtung berücksichtigt.
Das CSU-Motto „gemeinsam und miteinander – näher am Menschen” sei nicht in Hammers „klientelbezogener Politik” enthalten. Dies habe dazu geführt, dass sich in Dinkelsbühl ein Verein gegründet habe, der auf Anhieb fünf Stadtratssitze erhalten habe.
Oberbürgermeister Hammer wies die Vorwürfe auf FLZ-Anfrage zurück: „Es ging nie darum zu sagen, ich bin gegen Jürgen Ludwig”, betonte er. Er habe sich nie auf Kosten anderer profilieren wollen. Der Blickwinkel des Oberbürgermeisters beim Sachthema Krankenhaus sei eben ein anderer als der des Landrats. Sein Auftrag sei es seit seiner ersten Wahl im Jahr 2003, das Krankenhaus zu erhalten. Das aktuelle Wählervotum habe ihm dabei erneut recht gegeben.
In der Sache habe er sich gegen die Umwandlung des Krankenhauses in einen sektorübergreifenden Versorger (SÜV) ausgesprochen. Mit dem im September 2025 gefundenen Kompromiss habe man einen gemeinsamen Weg gefunden. Er sei außerdem nicht der alleinige Retter des Krankenhauses. Vielmehr habe es eine große Bewegung in der Bevölkerung gegeben, zu der unter anderem auch die beiden Fördervereine in Rothenburg und Dinkelsbühl gehört hätten.
Die Kritik vonseiten der CSA-Leute geht darüber hinaus ins Grundsätzliche: Als Mitglieder des CSA-Bezirksvorstands würden sie als „Störfaktor im CSU-Ortsverband” gesehen. Dies zeige sich daran, wie sich die CSU-Basis in den Ortsverbänden von der Arbeitnehmerschaft distanziert habe. In der Wählerschaft der Jugend werde die CSU als „Vertreter der Hochnäsigen” gesehen. Wenn man sich nicht den „Gegebenheiten einer neu geordneten Meinungsbildung unserer Mitbürger” anpasse, werde es der CSU wie der SPD ergehen. Die alten Wählerinnen und Wähler würden langsam versterben, die Jungen würden sich von der CSU abwenden. Dem müsse entgegengesteuert werden.