Es ist mitten in Europa, nur gut zwei Flugstunden entfernt. Seit über drei Jahren tobt in der Ukraine Russlands Angriffskrieg – und in Ansbach hallt er nach. 824 Ukrainerinnen und Ukrainer leben hier. Die meisten kamen als Geflüchtete. Oberbürgermeister Thomas Deffner äußerte sich jetzt auch zum Verhalten Donald Trumps.
Vor dem kriegerischen Überfall vor Deutschlands Haustür wohnten 54 Ukrainerinnen und Ukrainer in Ansbach. Dies erklärte der Sozialreferent der Stadt, Holger Nießlein, im Gespräch mit der FLZ. „Das ist seitdem rapide hochgegangen.“ Alle leben in eigenen Wohnungen, wie die Integrationsbeauftragte der Stadt, Iryna Savchenko, erklärt, die selbst aus der Ukraine stammt. Viele hätten Sprachkurse absolviert.
Der Referent wies auf eine hohe Integrationsquote des Jobcenters hin. Das ist der Prozentsatz ukrainischer erwerbsfähiger Leistungsberechtigter, die man in Arbeit integrierte. Es sind die Menschen im entsprechenden Alter, die grundsätzlich arbeiten können. Die Quote liegt laut Nießleins Worten 2025 bislang bei 42 Prozent. Im Jahr 2024 noch habe sie nur 16 Prozent betragen.
„Wir führen das darauf zurück, dass erstens die Sprachkurse sich auszahlen.“ Die Ukrainerinnen und Ukrainer aber seien jetzt zweitens bereit, zumindest vorübergehend eine Arbeitsstelle unter dem Niveau ihrer Qualifikation anzunehmen, wenn sie hier keine angemessene Stelle gefunden hätten.
Nataliia Koziaretska arbeitet in der Familienkasse der Agentur für Arbeit Nürnberg. „Ich bin vor drei Jahren nach Deutschland gekommen“, erzählte die 47-Jährige, „ich habe alle Möglichkeiten genutzt, die mir das Jobcenter angeboten hat.“ Die zweifache Mutter erwähnte Sprachkurse – und dass sie sich als Sachbearbeiterin im Büro mit Buchhaltungskenntnissen weiterbildete.
In der Ukraine war die studierte Ökonomin im sozialen Bereich 22 Jahre Beamtin in der Rentenkasse. Ihr Mann musste in der Ukraine bleiben, ist jedoch nicht Soldat, wie Nataliia Koziaretska erklärte. „Das ist eine schwierige Situation für uns, aber Sicherheit für meine Familie ist am wichtigsten.“
Anton Korol arbeitet als Pflegehelfer im Haus Heimweg in Ansbach. Er flüchtete ebenfalls vor drei Jahren nach Ansbach. Der 34-Jährige kam mit seiner Nichte, die seine Pflegetochter ist, und absolvierte auch Sprachkurse. Ab September lässt er sich zum Pflegefachmann ausbilden, wie er deutlich machte.
Das läuft dual, wie die Integrationsbeauftragte Iryna Savchenko erläuterte. Anton Korol, der in der Ukraine als Projektmanager tätig war, könne also in dieser Zeit weiter arbeiten und Deutsch lernen. In dem Heim „ist er hochgeschätzt“.
Der Einsatz zugunsten von Geflüchteten aus der Ukraine ist in der Stadt nach wie vor groß, wie die städtische Integrationsbeauftragte unterstrich. Mehrere Ehrenamtliche engagierten sich für sie.
„Wir stehen natürlich weiterhin fest an der Seite der Ukraine“, legte Oberbürgermeister Thomas Deffner im Gespräch mit der Fränkischen Landeszeitung dar. Der Rathauschef wies darauf hin, dass am Rathaus nach wie vor die ukrainische Fahne gehisst ist. Ein stabiler Frieden in dem kriegsbelasteten Land sei nur in einer gesamteuropäischen Lösung möglich.
Thomas Deffner kritisierte, wie US-Präsident Donald Trump jüngst mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyi im Weißen Haus umgegangen war. Wie der Präsident der Ukraine „vorgeführt wurde, ist schon schlimm“.
Hinzu komme, dass die USA Deutschlands Partner seien – und das zuverlässig 75 Jahre gewesen seien. Immerhin ist Ansbach ein bedeutender Standort für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten. Wie Thomas Deffner aus Donald Trumps Verhalten schloss, gibt es die Sicherheitsgarantien der USA für Europa und gerade für Deutschland in der Form nicht mehr verlässlich.