Jede und jeder kennt mindestens eine Person, die an Krebs erkrankt und vielleicht sogar gestorben ist. Ein wichtiges Mittel dagegen ist die Vorsorge. Doch dazu muss man sich erstmal durchringen. Und wenn man dann einen Termin hat, wird man vielleicht nicht ernst genommen. Nico Schürrle ist es eine Herzensangelegenheit, dagegen vorzugehen.
Der 30-Jährige stammt aus Haslach, einem Ortsteil von Dürrwangen im Landkreis Ansbach. Dort ist auch der Firmensitz von Oncosia, dem Start-up, das er gemeinsam mit seiner Frau Dr. Seval Beykan Schürrle gegründet hat.
Nico Schürrle ist eigentlich gar kein Arzt. Er kommt aus der Automobil-Industrie. Dass ihm das Thema trotzdem so am Herzen liegt, hat gleich mehrere Gründe. „Vor ein paar Jahren hat mein Opa die Diagnose Krebs bekommen. Da habe ich ihn gefragt, warst du denn mal bei der Vorsorge?” Zwar war sein Großvater mal zu einer Untersuchung gegangen, aber so ganz klar wurde das dabei nicht.
Dazu kommt, dass Schürrles Frau Ärztin ist und schon lange an der Uni Würzburg geforscht hat. Seval Beykan Schürrle hat den Großvater ihres Mannes viel unterstützt und ihm gezeigt, welche Schritte jetzt nötig sind. Denn „bei Ärzten hat man oft nur ein kurzes Gespräch”, so Nico Schürrle.
Nico Schürrles Opa lebt übrigens noch, erzählt er mit einem Strahlen. Während dieser Phase wurde den beiden aber etwas klar: „Diese Leute brauchen Betreuung.” Sie wollten etwas verändern. „Uns kam der Gedanke, dass wir die Möglichkeiten haben”, erzählt Schürrle. Also haben sie ihre Firma gegründet. Seit Oktober 2024 ist sie als GmbH eingetragen und hat derzeit fünf Mitarbeitende und einige externe Partner.
Aber worum genau geht es? „Die Früherkennung ist in Deutschland sehr standardisiert”, so Schürrle. Zwar gibt es im Vergleich zu anderen Ländern gute Möglichkeiten, jedoch reichen sie trotzdem oft nicht aus, um eine Krebserkrankung rechtzeitig zu erkennen und dagegen anzukämpfen.
Schürrles Firma hat deshalb eine Software entwickelt, mithilfe der man herausfinden kann, ob vielleicht ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen vorliegt. Bei Frauen geht es hierbei vor allem um Brust-, Haut-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs. Der Fokus bei Männern liegt auf Prostata-, Darm-, Lungen- und Hautkrebs.
Seit zwei Monaten hat Oncosia gemeinsam mit der Uni Würzburg eine Forschung am Laufen, die „diMARIE-Studie” (in Anlehnung an die berühmte polnische Wissenschaftlerin Marie Curie). Die Teilnehmenden nutzen hierbei die Software, füllen einen Fragebogen zu Vorbelastungen und Vorerkrankungen (etwa zehn Minuten) aus und führen noch ein etwa 30-minütiges Arztgespräch – personalisiert, wie Schürrle betont. „Das Persönliche ist wichtig, denn es bringt den Mehrwert”, betont Schürrle.
Aus allen Ergebnissen erhält man dann einen Bogen mit genauen Informationen – basierend auf Vorbelastungen und Vorerkrankungen. Dazu gehört zum Beispiel, wie hoch das Risiko für die Krebserkrankungen sein könnte und genaue Handlungsempfehlungen, zu welchem Zeitpunkt man welche Vorsorgeuntersuchungen machen sollte. Auch Anregungen für beispielsweise eine Ernährungsumstellung kann es geben. Wer den Zettel mit zum Arzt oder der Ärztin bringt, bietet damit auch direkt eine Palette an Infos an, auf die man aufbauen kann.
Nach der Teilnahme wird man aber auch nicht im Stich gelassen. So findet etwa vier Wochen später erneut ein Gespräch statt. „Hat sich etwas geändert? Zum Beispiel an den Emotionen?”, so Nico Schürrle. Denn natürlich können solche Ergebnisse auch Sorgen bereiten. Damit soll niemand allein bleiben. Besonders interessant ist die Teilnahme für Menschen mit erhöhtem Risiko. Aber natürlich können auch kerngesunde Menschen teilnehmen.
Sehr großen Wert legt Oncosia auch auf Datenschutz. Alle eingespeisten Informationen werden zum Beispiel den Mitarbeitenden nur verschlüsselt angezeigt und sind pseudonymisiert. Auch arbeitet die Firma nur mit Evidenzbasiertem, nicht etwa alternativer Medizin.
Nico Schürrle sieht in der Verbesserung der Krebsvorsorge eine „Mammutaufgabe” – und er hat sie angenommen.
Für die Studie werden noch etwa 130 Teilnehmende gesucht. Mitmachen geht ab 18 Jahren und ist kostenlos. Voraussetzung ist, dass man deutschsprachig ist und keine psychischen Vorerkrankungen hat. Die Teilnahme an der Studie ist digital, also von überall aus, möglich. Weitere Informationen: www.oncosia.de/for-patients/dimarie/