Fünf Jahre nach „Rettet die Bienen“, dem erfolgreichsten Volksbegehren in der bayerischen Geschichte, stellt Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Kerwagen auf dem öffentlichen Podium Grüne Couch die Frage: Wo stehen wir? – aus dem Blickwinkel von Bauernverband, Bund Naturschutz, Landschaftspflege und Europapolitik.
Die Veranstaltung am Dienstag, 19. November, um 19.30 Uhr im Saal des Gasthofs Bergwirt in Schernberg, einem Gemeindeteil von Herrieden, ist die letzte große Veranstaltung des Amtschefs. Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ansbach geht zum Jahresende in die Freistellungsphase der Altersteilzeit und scheidet aus dem aktiven Dienst aus. Die Entscheidung über seine Nachfolge könnte in Kürze durch die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) fallen.
Das Dialog-Format Grüne Couch trägt die Handschrift Kerwagens. Damit richtete der Behördenleiter die Aufmerksamkeit bewusst auf gesellschaftsrelevante Themen aus den Bereichen Land-, Forst- und Hauswirtschaft. Das Volksbegehren für mehr Natur- und Artenschutz war seinerzeit eine Angelegenheit von großer politischer Bedeutung und wurde vom Landtag dann noch um ein Gesetz ergänzt.
Einhergehend mit der Diskussion zum Artensterben fühlten sich viele Landwirte und Bäuerinnen an den Pranger gestellt. Es gab aber auch Landwirte, konventionell wie bio, die sich 2019 hinter das Volksbegehren gestellt und mit den insgesamt 1,7 Millionen Menschen in Bayern für mehr Artenvielfalt gestimmt haben.
Wie sieht die Bilanz nach fünf Jahren aus? Diese Frage stellt Kerwagen seinen Gästen, die auf der Grünen Couch Platz nehmen werden: Günther Felßner (Präsident des Bayerischen Bauernverbandes), Richard Mergner (Vorsitzender Bund Naturschutz in Bayern), und Maria Noichl (Vorsitzende des Deutschen Verbands für Landschaftspflege und Bayerische SPD-Europaabgeordnete).
Der Behördenleiter wird den Abend moderieren, aber auch deutlich machen, dass Klimaschutz und Artenvielfalt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sind. Eine stärkere Anreizregulierung könnte dazu bewegen, klimafreundliches Verhalten zu belohnen und klimaschädliches zu verteuern.
Der Klimaschutz dürfe nicht an Bedeutung verlieren, so Kerwagen, auch wenn die Menschen Sorge vor Krieg, Inflation und wirtschaftlichen Belastungen hätten. In Sachen Artenvielfalt sei im Rahmen des Volksbegehrens viel passiert und vorangegangen. „Es wurden aber auch ein paar Regelungen getroffen, die überzogen waren“, findet er. Manches sollte mit Blick auf den Bürokratieabbau noch einmal beleuchtet werden.
Bei der Veranstaltung soll es um Fortschritte und Defizite gehen. Zum Einstieg in das Thema wird die 25-minütige Natur-Dokumentation von Maria Furtwängler gezeigt. Die aus dem Fernsehen bekannte Tatort-Kommissarin, studierte Medizinerin und Hobby-Imkerin mit eigenen Bienenstöcken im Garten, engagiert sich in einer neuen Rolle als Anwältin der Insekten und als Kämpferin gegen das Insektensterben.
Sie hat sich auf eine Reise begeben und Landwirte, Ökobauern, Wissenschaftler und Vertreter der Chemieindustrie getroffen, um mit ihnen über Ursachen und Lösungen zu sprechen. „Eine Darstellung ohne Anklage“, findet Kerwagen. Im Anschluss an den Film beginnt die Fragerunde.
Das Podium Grüne Couch endet nicht mit dem Ausscheiden Kerwagens aus dem Dienst. In ehrenamtlicher Tätigkeit will er im Februar 2025 und auf dem Kirchentag am Hesselberg den Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft fortsetzen.