Ein Konzert zu Anfang des Frühlings, das hat beim Stadt- und Jugendblasorchester Ansbach Tradition. Wenn Mark Sirok am Samstag ans Dirigentenpult tritt, wird es sein erstes Ansbacher Frühjahrskonzert sein. Der junge Musiker hat sich dafür eine besonderes Programm einfallen lassen. Er holt seine Heimat musikalisch nach Ansbach.
Seit vergangenen September leitet Mark Sirok das Stadt- und Jugendblasorchester Ansbach. Er hat es von Ernst Berendes übernommen, als der in Ruhestand ging. Der Kontakt ist nicht abgerissen: „Herr Berendes hat mir sehr viel geholfen mit dem Notenarchiv“, erzählt Sirok. „Wir haben viel digitalisiert.“ Dabei ist ihm aufgefallen, dass sich nur ein einziges ungarisches Werk im Archiv findet – das eines Franzosen, den Ungarischen Marsch von Hector Berlioz.
Weil es doch aber so viel schöne ungarische Musik gebe, brachte die Beobachtung Mark Sirok auf eine Idee: „Ich habe gedacht, dass wäre ein guter Anlass, mich ein bisschen vorzustellen.“ Also hat er Musik von ungarischen Komponisten und ungarisch gefärbte Stücke von Komponisten anderer Länder herausgesucht, lauter Stücke, die mit seinem Heimatland und ihm zu tun haben, lauter Herzensstücke.
Der 29-jährige Trompeter ist in Ungarn aufgewachsen – „in einem ziemlich deutschen Kontext“, wie er sagt. In seiner Familie kreuzen sich ungarische und deutsche Linien. Bei Ahnenforschungen mit seinem Zwillingsbruder, erzählt er, sei er mütterlicherseits bis ins 17. Jahrhundert zurückgekommen und auf einen Georg Krebs gestoßen, der aus Deutschland eingewandert ist.
Mark Sirok stammt aus Bátaszék, auf Deutsch Badeseck. Seine Heimatstadt liegt in einem ehemaligen Ungarndeutschen-Gebiet. Seit dem Kindergarten spricht er deutsch.
Zur Trompete kam er durch einen günstigen Zufall. In Bátaszék wurde ein Jugendblasorchester aufgebaut. Mitspieler mussten gefunden werden. Mark Sirok wurde einer. Sieben Jahre war er damals. Eines der Stücke des Frühjahrskonzerts, das „Wiener Glockenspiel“ aus Zoltan Kodalys Háry-János-Suite, kennt er seit damals. Ein bisschen schmunzeln muss er, wenn er zurückdenkt. Das junge Ensemble besaß nicht die Röhrenglocken dafür. Der Orchesterchef, ein Tausendsassa, fackelte nicht lange. Er baute sie selbst – aus Heizungsrohren.
Mark Sirok zeigte Talent als Trompeter. Direkt in die Wiege gelegt wurde ihm das nicht. Zumindest sind seine Eltern keine Musiker. Sein Vater ermunterte ihn aber, Musik als Beruf zu ergreifen. „Als Handwerker musste er ja immer im Sommer im Heißen arbeiten und im Winter in der Kälte“, erzählt sein Sohn. „Er hat gesagt: Es ist schön, wenn du im klimatisierten Konzertsaal arbeiten kannst.“ Mit 14 Jahren wechselte Mark Sirok als Internatsschüler ans Musikgymnasium in Pécs.
Pécs, der frühere deutsche Name ist Fünfkirchen, war damals eine der Kulturhauptstädte Europas. István Győrffy, der Kompositionslehrer der Schule, bekam den Auftrag, ein Werk für symphonisches Blasorchester zu schreiben. Es heißt Ungaresca und verlangt großes Können vom Orchester. 2010 bei der Uraufführung spielte Mark Sirok mit; jetzt wird er es in Ansbach dirigieren.
„Das ist unser Hauptwerk, mehr oder weniger. Es ist super“, freut sich Sirok und spricht voller Hochachtung von seinem alten Lehrer, dem Komponisten: „Herr Győrffy ist ein Genie. Er hat uns sehr beeinflusst mit seiner Art. Wir alle haben ihn Meister genannt.“ Auf Ungarisch natürlich, was ähnlich klingt: meschtär, mester geschrieben.
Die Jahre im Musikgymnasium haben Mark Sirok geprägt. „Das war eigentlich eine harte Schule, weil alle geübt haben, aber es war schwer, einen Raum zu finden.“ Was tun? Die Halbwüchsigen sind früh aufgestanden. „Wir waren sehr oft schon um sechs Uhr morgens in der Schule, damit wir vor dem Unterricht noch üben konnten. Und dann sind wir um 8 Uhr abends raus. Wir haben es wirklich durchgezogen und viel gelernt.“ Wie er haben viele seiner Freunde danach Musik zu ihrem Beruf gemacht.
Mark Sirok zog es nach dem Abitur nach Weimar. Er studierte Trompete bei Uwe Komischke, spielte als Aushilfe in den Thüringer Orchestern, war Mitglied der Jenaer Brassband „BlechKLANG“, unterrichtete Trompete und Horn.
Die Ansbacher Stellenanzeige kam für ihn gerade zur richtigen Zeit. Seine Frau, die aus Heroldsberg kommt, war schwanger. „Wir überlegten, nach Franken zurückzuziehen, in die Metropolregion Nürnberg.“ Die Stelle selbst fand er sehr einladend und sehr attraktiv, „weil man die Orchesterleitung dabei hat, was man als Trompetenlehrer nicht oft findet. Das ist natürlich ein Haufen extra Arbeit, aber da wird es nie langweilig – und das hat mich gereizt.“
Das Konzert am Samstag, 5. April, findet im Onoldiasaal statt und beginnt um 19 Uhr. Mitwirkende sind das Stadt- und Jugendblasorchester Ansbach, das Nachwuchsorchester der Städtischen Musikschule, die Sopranistin Julia Hinger und Christian Laubert, der durch das Programm führt.