Tod und Trauer sind für Angelika Stegmayer aus Burgbernheim nichts Fremdes und schon gar keine Tabu-Themen. Als Vorsitzende des Bad Windsheimer Hospizvereins kommt sie immer wieder damit in Kontakt. Für ihr Engagement wurde die 68-Jährige nun mit dem Weißen Engel ausgezeichnet.
Angefangen hat für Angelika Stegmayer alles mit ihrer Tätigkeit als Krankenschwester. Mit 17 Jahren begann sie die Ausbildung bei Ordensschwestern im Saarland – genauer bei den Waldbreitbacher Franziskanerinnen. „Ich war als Kind oft krank und lernte sowohl gute als auch grausliche Krankenschwestern kennen.” Sie dachte sich: „Das geht besser.” 1977 absolvierte sie ihr Examen. „Das war meine Leidenschaft. Ich habe den Beruf immer gerne gemacht.”
Schon mit 17 Jahren begleitete sie Sterbende, übernahm als Auszubildende beispielsweise die „Sitzwache”, wenn klar war, dass jemand stirbt. Ziel war, diesen Menschen nicht alleine zu lassen. Ganz normal war das für sie. „Das gibt es heute eigentlich gar nicht mehr. Weil die Zeit nicht da ist.” Sterben war für Stegmayer nichts, „wovor ich mich gefürchtet habe”.
Der Liebe wegen kam sie 1983 nach Franken. Lange wohnte sie in Obernzenn-Egenhausen, jetzt in Burgbernheim. Beruflich war Stegmayer, die mittlerweile in Rente ist, in verschiedenen Bereichen tätig, etwa in der Psychiatrie, in der Chirurgie, im OP oder auch als Leitung in einem Altenheim. „Ich bin sehr neugierig”, weshalb es ihr wichtig war, Erfahrungen zu sammeln.
Der Bad Windsheimer Hospizverein wurde im Jahr 2001 gegründet und ist komplett ehrenamtlich aufgestellt. Angelika Stegmayer ist Gründungsmitglied und war seit jeher in verschiedenen Funktionen im Vorstand aktiv. Seit über zehn Jahren kümmert sie sich um den Bereich Trauerbegleitung, absolvierte dafür eine Ausbildung. Auch Fachkraft für Palliative Care darf sie sich nennen, hat sich damit auf die Begleitung schwerkranker Menschen und von deren Angehörigen spezialisiert. Besuche im Hospiz sind ihr ebenso nicht fremd.
Ein weiteres Steckenpferd des Vereins: Der Besuchsdienst, bei dem Seniorinnen und Senioren im Pflegeheim regelmäßig Gesellschaft bekommen. Die Verantwortlichen werben kaum aktiv für ihre Angebote. Die Anfragen, die kommen, werden gerne bedient. Viel mehr könnten die Ehrenamtlichen aber nicht bewerkstelligen.
Ein Satz, der Angelika Stegmayer immer wieder unterkommt, ist: „Also ich könnte das nicht.” So pauschal kann das kein Mensch wissen, sagt sie. „Wie wertvoll es ist, einfach nur da zu sein, muss man erlebt haben”, betont die 68-Jährige, die auch in ihrer eigenen Familie zahlreiche Verwandte bis zum Tod begleitet hat. Oft hätten Menschen Angst davor, irgendetwas machen zu müssen, sagt Stegmayer. Aber das ist nicht der Fall: „Einfach da sein, das reicht aus.”
Dass eine gewisse Scheu besteht, merkt sie auch bei der Hospizbegleiter-Ausbildung, die der Verein gemeinsam mit Uffenheim und Ansbach organisiert. Die Anmeldungen seien überschaubar. Müde, weiterzumachen, wird die Vorsitzende trotzdem nicht. „Lieber sind es drei Leute, denen man beisteht, als niemand.”
Wer Interesse an der Ausbildung hat, kann sich telefonisch unter 0176/54270721 melden. Auch mit dem „Letzte-Hilfe-Kurs” will man aufklären. Das „kleine 1x1 der Sterbebegleitung” wird dort gelehrt. Informationen dazu und zu allen anderen Angeboten gibt es online unter www.hospizverein-bad-windsheim.de. Denn klar ist: „Es braucht nicht erst den Bedarfsfall, um sich zu informieren”, sagt Stegmayer.
Unerlässlich in der Trauerarbeit ist derweil eine gewisse Distanz. „Ich kann besser da sein, wenn ich nicht mitleide, sondern mitgehe”, erläutert Angelika Stegmayer. „Trauernde brauchen jemanden, der ihnen zuhört. Und zwar lange. Über Jahre gibt es immer wieder Momente, in denen einen die Trauer übermannt.” So manches Umfeld wiederum könne nach einer gewissen Zeit nicht mehr nachvollziehen, dass sie immer noch Thema ist.
Deshalb gilt der Grundsatz: „Meine Trauer, meine Regeln.” Und für die Menschen drumherum: „Anerkennen, was ist.” Zuhören und das Gesagte ernst nehmen, sei gefragt. „Mehr braucht es gar nicht.” Denn eins betont die Expertin ausdrücklich: „Trauer vergeht nur, wenn man sie lebt.”
Wenn Stegmayer übrigens einen Menschen im Hospiz besucht, geht sie mit einem freudigen Gefühl dorthin. Das Heimgehen fällt schwerer. „Beim Abschied schwingt der Gedanke immer mit, dass es vielleicht der letzte Besuch war.” An besondere Fälle erinnert sich die 68-Jährige noch immer. Eine junge Frau, die an ALS, eine nicht heilbare Erkankung des Nervensystems, erkrankt war, begleitete sie zwei Jahre lang. In diesem Sommer ist sie gestorben. Eine intensive Begegnung war das, die bleiben wird. „Ich bin dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte. Weil sie so ein toller Mensch war.”
Weil sich die 68-Jährige ständig mit der Endlichkeit beschäftigt, schätzt sie das Leben anders wert. „Als Hospizler kann man es nicht in Arbeits- oder Privat-Situationen verbringen, die einem nicht taugen. Ich will nicht irgendwann auf dem Sterbebett liegen und denken, dass ich mein Leben vergeudet habe. Das darf man nicht. Man trifft als Hospizbegleiter mutigere Entscheidungen für ein gutes Leben”, findet Stegmayer.
Dass ihr Engagement nun mit dem „Weißen Engel” gewürdigt wurde, hat sie sehr gefreut, wenngleich sie auch etwas perplex über die Nachricht war. Stegmayer ist eine von mehreren Frauen und Männern, die sich ehrenamtlich in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Prävention engagieren, und im bayerischen Finanz- und Heimatministerium von Regierungspräsidentin Dr. Kerstin Engelhardt-Blum ausgezeichnet wurden.