Beim Umweltschutz hat der Landkreis Ansbach ambitionierte Ziele vor sich. Wie Klimaschutzmanagerin Lena Navarro Ortiz im Umweltausschuss des Kreistags vorstellte, gibt es dafür eine ganze Reihe geplanter Maßnahmen.
Ein Säulendiagramm, das die Klimaschutzmanagerin den Ausschussmitgliedern zeigte, verdeutlicht den Handlungsbedarf, der beim Klimaschutz im Landkreis herrscht: Demnach müsse der Treibhausgasausstoß von 2018 bis 2030 etwa halbiert werden, um die Klimaziele zu erreichen. Der Fortschritt im Zeitraum von 2018 bis 2022 ist sichtbar, jedoch viel zu gering für die angestrebten Ziele. Auch der Energieverbrauch müsste noch ein gutes Stück zurückgehen.
Deshalb wurden in Expertenworkshops weitere Maßnahmen erarbeitet, die im Klimaschutzkonzept festgehalten sind. Diese fußen auf vier Themenfeldern, erklärte Navarro Ortiz: Mobilität, Gebäude/Wärme, Strom/erneuerbare Energien sowie Öffentlichkeitsarbeit/Organisation/Beteiligung. Ferner gab sie einen Überblick über zuletzt im Landkreis umgesetzte Projekte wie das jährliche Stadtradeln, das interaktive Solarportal oder der digitale Energienutzungsplan.
Beim Thema Mobilität führte die Klimaschutzmanagerin aus, dass der CO₂-Ausstoß pro Kopf im Landkreis Ansbach mehr als doppelt so groß ist wie der Durchschnittswert in Deutschland. Immerhin sei er seit 2018 leicht gesunken. Die hohen Zahlen ließen sich einerseits auf die Autobahnen zurückführen, die im Landkreis liegen und in die Berechnung einfließen. Aber auch die lokal ansässigen Bürgerinnen und Bürger seien stark an das Auto gebunden. 90 Prozent der Mobilität im Landkreis mache das Auto aus, der Schienenverkehr drei Prozent, Linienbusse zwei Prozent. Der Rest entfällt auf den Verkehr per Fahrrad und zu Fuß.
Daher betonte Friedrich Zinnecker (Freie Wähler), beim Ausbau des ÖPNV sollte kritisch geprüft werden, wo es nötig ist. Es mache „keinen Sinn, zusätzlich zu den 90 Prozent, die im Auto unterwegs sind, leere Busse durch den Landkreis fahren zu lassen”. Gabriele Müllender (Bündnis 90/Die Grünen) plädierte für einen Ausbau der E-Mobilität. Mehr Ladestationen und Busse mit Elektroantrieb seien notwendig.
Johannes Schneider (CSU) warf ein, dass im Flächenlandkreis Ansbach „die Leute immer mit dem Auto fahren” werden. Zugleich führte er als Beispiel an, dass er ein Bürgerbus-System einführen möchte, das auch auf ein elektrisches Fahrzeug zurückgreifen soll.
Dass man im Landkreis vom Individualverkehr nicht wegkommen werde, betonte auch Rainer Erdel (FDP). Der ÖPNV sei nahe am Defizit von ANregiomed. „Ist der Umwelt mehr geholfen, wenn wir den Anteil des Busverkehrs von zwei Prozent verdoppeln?“, fragte er. Der Umstieg auf E-Mobilität sei oft eine wirtschaftliche Entscheidung. „Die Leute kaufen das E-Auto nicht auf Befehl, sondern wenn es sich finanziell lohnt.”
Uwe Reißmann (SPD) versuchte, die Diskussion auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Es brauche einen ganzen „Blumenstrauß” an Verboten, Geboten und weiteren Instrumenten. Das Thema sei zu ernst, um ideologisch zu handeln. Reißmann sei „sehr skeptisch”, ob der Landkreis die Klimaziele erreicht. „Wir müssen uns ehrlich machen, was wir tun können und wo unsere Grenzen liegen.”
Ins Themenfeld Landwirtschaft bogen Jürgen Schilling (ÖDP) und Alfons Brandl (CSU) ein. Schilling sprach sich dafür aus, dass die Beweidung schwer zugänglicher oder schwer bewirtschaftbarer Flächen beibehalten werden sollte. Brandl führte aus, dass im Bereich des Humusaufbaus „im Landkreis im Moment Gewaltiges passiert”. In diesem Sektor sei Ansbach vergleichsweise sehr weit.
Zum Thema Nahverkehr führte Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU) zusammenfassend aus, dass der Landkreis die Leistungen um 29 Prozent ausgebaut habe. „Die Menschen fahren aber zu wenig mit.” Daher schlug er vor, die Formulierung „Aufbau eines nachfrageorientierten ÖPNV” ins Klimaschutzkonzept aufzunehmen. Außerdem müsse die Nachfrage des Nahverkehrs analysiert werden.
Der Umweltausschuss stimmte einstimmig für die Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts und leitete es zur Beschlussfassung über den Kreisausschuss an den Kreistag weiter.