Mächtige Baumaschinen sind auf der Hochwasserschutz-Baustelle in Herrieden-Stegbruck aufgefahren. Der zweite Bauabschnitt wird in Angriff genommen: Neben der Altmühlbrücke wird nun das Schöpfwerkgebäude, das Herzstück der Anlage, errichtet.
Zur Gründung des Bauwerks wurde bereits im Vorfeld eine Schablone für die Führung des Bohrers betoniert. Die Arbeiten werden mit einem – im betriebsbereiten Zustand – 65 Tonnen schweren Spezial-Tiefbohrgerät ausgeführt. Insgesamt 41 Pfähle mit einem Durchmesser von 88 Zentimetern gründen in neun Meter Tiefe in einer Keuper-Schicht. Um eine gute Stabilität zu erreichen, wird jeder zweite Betonpfahl mittels Eisenstahl bewehrt, erklärte Abteilungsleiter Jürgen Scharvogel vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach (WWA). Das Schöpfwerkgebäude wird anschließend von einem Unternehmen mit Sitz in Arberg errichtet.
Im Hochwasserfall und bei gleichzeitig starken Regenfällen im Einzugsgebiet sammelt sich den weiteren Ausführungen Scharvogels zufolge das entstandene Oberflächenwasser im eingedeichten Gebiet in Einläufen und wird in den Sammelschacht geleitet. Über eine Rohrleitung gelangt es dann in das Schöpfwerkgebäude und wird dort von zwei Pumpen, die rund 900 Liter Wasser in der Sekunde befördern, in die Altmühl transportiert.
Für die Stromversorgung wurden bereits im Herbst vergangenen Jahres drei Versorgungsleitungen vom Trafohaus in Stegbruck an Ort und Stelle verlegt. Sollte es wegen eines Unwetters einen Stromausfall geben, steht laut Scharvogel eine mobile Drehkolbenpumpe bereit, die an einem Traktor angeschlossen werden und circa 250 Liter Wasser in der Sekunde fördern kann. Diese Pumpe habe sich beim letzten Hochwasser zu Beginn des Jahres bereits bestens bewährt, teilte der Abteilungsleiter weiter mit.
Nach der Errichtung des Schopfwerkgebäudes soll in einem dritten Bauabschnitt die technische Ausstattung des Betriebsgebäudes erfolgen. Die Überwachung der gesamten Anlage ist nach Fertigstellung im Technikraum der Kläranlage Herrieden vorgesehen.
Bereits im vergangenen Jahr wurden zwischen der Altmühl und dem Ortsteil Stegbruck zwei Schutzdeiche mit einer Gesamtlänge von rund 430 Metern sowie eine etwa 60 Meter lange Schutzwand errichtet. Zudem wurde in Nähe des Feuerwehrhauses eine befestigte Überfahrt über den Damm geschaffen, damit die Feuerwehr weiterhin Löschwasser aus der Altmühl entnehmen kann. Außerdem wurde eine Flutmulde ausgehoben sowie in den Außeneinzugsgebieten die Gräben ertüchtigt und die Straßenkanäle erneuert, um bei Starkregenfällen das örtliche Kanalsystem zu entlasten.
Das Bauvorhaben findet unter Leitung des Wasserwirtschaftsamtes statt. Vorhabensträger ist der Freistaat Bayern. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 3,4 Millionen Euro. Seitens der Europäischen Union wird ein Zuschuss von 40 Prozent gewährt. Ein Drittel der Kosten trägt die Stadt Herrieden. Wenn alles klappt und das Wetter mitspielt, wird das Hochwasserschutz-Projekt Stegbruck bis Ende dieses Jahres voll funktionsfähig sein und könne somit abgeschlossen werden, kündigte Scharvogel an.