Nach fast zwei Jahren Wartezeit ist das langersehnte Zebu-Gutachten für das Bad Windsheimer Katzenloch endlich da. Fest steht: Die Rinder bleiben, aber der Bestand wird reduziert. Ihre Weidefläche könnte zudem erweitert werden. Stadt und Landratsamt informierten am Montagabend die Anwohner – es wurde teils emotional.
Seit Mitte 2019 leben rund zehn – mal mehr, mal weniger – dieser Rinder im Landschaftsbiotop Katzenloch. Sie sollen dort den Bewuchs kleinhalten. Das Angebot hatte damals der Landschaftspflegeverband gemacht. Der Stadt spare es einiges an Arbeitszeit, da man das Gelände mit schwerem Gerät nicht bearbeiten kann. Mit dem Freischneider dauere ein Schnitt wohl schon mehrere Wochen, schätzt Gerrit Lorrmann, der bei der Stadt für die Landschaftspflege zuständig ist.
Mit den Zwerg-Zebus kam allerdings auch die für einige Anwohner unerträgliche Fliegenplage. Immer wieder gab es Gespräche. Lösungen, die für alle zufriedenstellend waren, gab es aber nicht. Um einen Konsens zwischen Stadt und Anwohnern zu finden, hat die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt in Absprache mit der Stadt im Sommer 2022 einen Gutachter bestellt, der ein unabhängiges Bild abgeben sollte.
33 Anwohner und Vertreter fast aller Stadtratsfraktionen waren zur Präsentation der Ergebnisse des Gutachtens in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen. Es sei „bedauerlich“, dass das Gutachten trotz mehrere Anmahnungen so lange gebraucht habe – aber nun sei es da und nun gelte es, eine für alle verträgliche Lösung zu finden, sagte Bürgermeister Jürgen Heckel.
Er war noch nicht mit seiner Begrüßung durch, in der er auch darauf hinwies, dass man bereits Maßnahmen wie das Aufstellen eines Elektrozauns mit acht Metern Abstand zu bebauten Grundstücken veranlasst habe, da wurde er schon von Jürgen Felbinger unterbrochen. „Die Muggn fliegen nicht übern Zaun, ja alles gut.“ Helga Walther wollte wissen, ob die Anwohner das Gutachten sehen dürfen, was Heckel bejahte.
Alexander Wust, Jurist und Leiter der Bau- und Umweltabteilung am Landratsamt, bat daraufhin darum, dass Sabrina Daxböck, die stellvertretende Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, das Gutachten erst einmal vorstellen dürfe. Immer wieder musste er an diesem Abend darum bitten, die Referentin doch erst einmal ausreden zu lassen. Immer wieder fielen Felbinger und Walther den Landratsamtsvertretern ins Wort, griffen Ausführungen vor.
Daxböck erläuterte, wie es zur Häufung von Fliegenplagen zu bestimmten Zeiten komme. Sieben Fliegenarten seien festgestellt worden. Die Insekten benötigen feuchtes Substrat. Seien die Kuhfladen trocken, bestünde das Problem mit den Fliegen nicht. Nach anhaltender Trockenheit, so die Empfehlung des Gutachters, könne man vor Niederschlag die Kuhfladen aufsammeln.
Jürgen Felbinger äußerte immer wieder den Wunsch, die Rinder gegen eine Schafherde auszutauschen, mit dem dazugehörigen Schäfer habe er bereits gesprochen. Auch diesen Vorschlag warf er immer wieder ein, ohne Daxböck ausreden zu lassen. „Herr Nachbar, das ist nicht gut, wenn Sie da andauernd reinreden“, warf nun auch Anwohner Ernst Botzenhardt ein. Das vorangegangene „Bschd“ einiger anderer hatte Felbinger ignoriert.
„Schafe fressen zu selektiv“, erklärte Daxböck. Das im Katzloch „magere Wachstum“ sei ökologisch wertvoll und müsse erhalten werden. Zwerg-Zebus seien dafür optimal, da sie einer Verbuschung durch Abknabbern des Gehölzes entgegenwirken und auf unwegsamem Gelände sicher unterwegs seien, so Daxböck.
„Ziegen sind das auch“, erklärte Felbinger. Der Schäfer, mit dem er gesprochen habe, hätte auch Ziegen dabei. Die seien aber wahre „Ausbüxkünstler und sehr geruchsintensiv“, dann hätte man wiederum andere Probleme. Eine Abstimmung, ob Ziegen oder Rinder dort weiden sollen, wollte Helga Walther haben – dieser wurde aber nicht stattgegeben.
Sabrina Daxböck erläuterte, dass die Reduktion der Zebu-Herde als Empfehlung aus dem Gutachten hervorgehe. Derzeit stünden dort ein Bulle, vier Kühe und drei Kälber auf einer Fläche von rund 5,2 Hektar. Vorgeschlagen ist ein sukzessiver Rückgang auf einen Bullen, zwei Kühe und zwei Kälber auf derselben Fläche.
Erweitere man das Areal auf 7,67 Hektar, das ist nördlich und südlich laut Heckel möglich, würden ein Bulle und drei Kühe mit drei Kälbern gut Platz finden und die Kuhfladen würden sich verteilen. Erweitere man die Fläche, so seien aber noch mehr Anwohner betroffen, betonte einer der Anwesenden. Das könne er nicht befürworten.
Ebenfalls im Gutachten steht, dass sich die Fliegenpopulation auch in Komposthaufen und Biomüll wohlfühle und Anwohner das bedenken sollten – freilich der weit kleinere Anteil, sagte Daxböck vorgreifend. „Wir haben alle Biotonnen“, sagte Walther.
Heckel wies zudem darauf hin, dass die Dezimierung der Zebus wohl über ein „Überbrückungsjahr“ erfolgen müsse. Zebu-Kühe seien stetig tragend, eine tragende Kuh könne man aufgrund der Rangordnung aber nicht in eine fremde Herde packen, „die wird zermetzelt“. Ein Tier sei derzeit nicht tragend und werde bis zum Herbst bereits umziehen.
„Wenn die Sauerei ein bisschen kleiner gemacht wird, bleibt es immer noch eine Sauerei“, sagte Anwohner Roland Wagner, der zuvor sachlich die Situation schilderte. Problem seien nicht die Rinder, sondern die Fliegen, ihr Dreck und die damit einhergehenden Krankheitserreger.
Sebastian Göttfert (Grüne), Umweltreferent im Stadtrat, schlug vor, die Zahl der natürlichen Fressfeinde von Fliegen deutlich zu erhöhen. Nistkästen seien bereits aufgehängt worden, allerdings an den Hecken zum Golfplatz, wo es laut Anwohnern nicht viel bringe. Göttfert schlug beispielsweise einen Schwalbenturm sowie Mehl- und Grauschwalbennester vor. Eine Schwalbe fresse täglich um die 2000 Fliegen. Für den Vorschlag erhielt er von einigen Anwohnern Applaus.
Gefragt wurde nach einem Zeitplan zum weiteren Vorgehen. Heckel betonte, dass der Stadtrat sich am 11. April mit dem Thema in öffentlicher Sitzung befassen wird. Zuvor werden die Fraktionen informiert, Anwohner können auf Stadträte zugehen. Denn in der Sitzung hätten die Anwohner kein Rederecht, so Heckel. Sollte es trotzdem laut werden, behalte er sich vor, Gäste des Saales zu verweisen.