„Hingucker” trotz weniger Karpfen: Fischerntewoche in Dinkelsbühl | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 29.10.2023 19:29

„Hingucker” trotz weniger Karpfen: Fischerntewoche in Dinkelsbühl

Die Fischerntewoche startete unter einem Regenbogen mit der Karpfenernte am Rothenburger Weiher. (Foto: Martina Haas)
Die Fischerntewoche startete unter einem Regenbogen mit der Karpfenernte am Rothenburger Weiher. (Foto: Martina Haas)
Die Fischerntewoche startete unter einem Regenbogen mit der Karpfenernte am Rothenburger Weiher. (Foto: Martina Haas)

Wasser prägt das Dinkelsbühler Umland seit Jahrhunderten. Die Fischzucht war da zunächst ein Beiwerk, denn die Teiche dienten auch als Viehtränke, Verteidigungswall und als Löschwasserreservoir. Daran erinnerte Christian Baur, Vorsitzender der Weihergemeinschaft Dinkelsbühl, bei der Eröffnung der Fischerntewoche.

Am Rothenburger Weiher findet traditionell der Auftakt der Fischerntewoche statt. Unter einem Regenbogen zeigten am Samstag Teichwirt Ralf Scheuermann und sein Team, wie Karpfen, Zander und andere Wassertiere geerntet werden.

Bis ein Karpfen verzehrfertig auf dem Teller landet, dauert es drei Jahre. Christian Baur erläuterte diesen „Umtrieb“, der mit der schwimmfähigen Brut im Mai beginnt. Die Fische wachsen in drei Jahren vom Ei bis zum Fisch mit einem Gewicht von zwei bis drei Kilogramm heran. Dabei werden sie mehrfach umgesetzt.


Die Wasserverfügbarkeit schwindet.

Christian Baur

Zu Beginn der Saison 2023 hatten Scheuermann und seine Leute 540 zweisömmrige Karpfen in den Rothenburger Weiher eingesetzt. Die Ernte, die sie jetzt aus dem rund ein Hektar großen Gewässer holten, war geringer als erwartet. „Durch die Klimaerwärmung ist es gar nicht mehr so einfach, die Fische durch das Jahr zu bringen“, erklärte Baur dem Publikum, die vom Spazierweg oberhalb des Weihers zuschauten. Die Wasserverfügbarkeit schwinde, erklärte er weiter. Aber auch der negative Einfluss der Blaubandbärblinge auf die heimische Flora und Fauna sei in diesem Zusammenhang zu nennen.

Blaubandbärblinge werden in der Karpfenteichwirtschaft als Futterfisch für Hecht und Zander eingesetzt. Allerdings gibt es Hinweise, dass sich große Blaubandbärblinge bei hoher Besatzdichte und entsprechendem Hunger parasitisch am Muskelfleisch von Karpfen ernähren. Durch Veränderung der Wasserbeschaffenheit und als Nahrungs- und Lebensraumkonkurrent für Fische mit ähnlichen Ansprüchen könnten sie heimischen Arten gefährlich werden, hieß es.

Ein Teich als echter Hingucker

Jedenfalls, so der erste Anschein, konnten Scheuermann und sein Team die erwartete Ernte von rund 750 Kilogramm K2-Karpfen nicht aus dem Weiher holen.

Am Altrathausplatz gibt es während der Fischerntewoche ebenfalls einen Teich. Den haben wie in den vielen Jahren zuvor die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs aufgebaut, bepflanzt und mit Fischen besetzt. Dass dies ein echter Hingucker ist, stellte Bürgermeisterin Nora Engelhard fest. Überhaupt hätten alle Beteiligten wieder ihr Bestes gegeben, um die Veranstaltungswoche zu einem Besuchermagneten werden zu lassen. Schließlich habe sich die Veranstaltung in fast vier Jahrzehnten zu einem bei Gästen äußert beliebten Format entwickelt.

Weihergemeinschafts-Vorsitzender Baur dankte bei dieser Gelegenheit der Stadt Dinkelsbühl, die sich trotz weggebrochener EU-Förderung weiterhin für die Fischerntewoche engagiere. Schließlich zähle diese zu den teuersten Veranstaltungen im Dinkelsbühler Jahreslauf. Das die Stadt diese Bereitschaft zeige, sei erfreulich, denn die Teichwirtschaft spiele eine wesentliche Rolle in der Region. Die Gewässer seien „Trittbrettbiotope“, die Artenvielfalt ermöglichten.

Aquarien erlauben Blick in die Unterwasserwelt

Die Blaskapelle Eigner spielte zur Eröffnung am Altrathausplatz auf, ebenfalls ein fester Bestandteil, freute sich Bürgermeisterin Engelhard. Der Fischereiverein Dinkelsbühl stattete den Innenhof des Alten Rathauses mit Aquarien aus, die ebenfalls einen Blick in die Unterwasserwelt erlauben. Ein Kunsthandwerkermarkt sowie der Bauern- und Fischmarkt auf dem Altrathausplatz ergänzen das Programm.

Die Fischerntewoche läuft noch bis Sonntag, 12. November. Am kommenden Wochenende sind zudem die Regionaltage mit vielfältigem Programm eingebunden.

north