Geschimpft wird viel über das Ansbacher Krankenhaus. Das hohe Defizit und mögliche Leistungseinschränkungen bewegen Politik und Bevölkerung. Doch damit wird man der Arbeit der Menschen dort nicht gerecht, findet Dr. Thomas Altrock. Er hat in schweren Zeiten beste Erfahrungen mit dem Haus gemacht.
Seine Frau Uta ist im Sommer auf der Palliativstation im Ansbacher Krankenhaus verstorben. Es war das traurige Ende einer kurzen, aber intensiven Krebserkrankung. Wie gut sich seine Frau, die nur 65 Jahre alt wurde, in der Klinik aufgehoben fühlte, zeigt sich daran, dass sie es am Ende abgelehnt hat, wieder nach Hause zu kommen. „Dabei wollte sie nie in ein Krankenhaus“, erzählen Dr. Thomas Altrock und seine Tochter Stephanie Hall.
Die Krebsdiagnose im März war ein Schock. „Bis dahin ging es ihr sehr gut“, blickt Altrock zurück. Er ist selbst Mediziner, führte bis zu seinem Ruhestand fast 30 Jahre eine Praxis als Allgemeinarzt in Lichtenau. Seine Frau arbeitete dort mit. Beiden waren die Folgen der Diagnose klar. Aber Verstand und Herz gehen mit solchen Informationen naturgemäß ganz anders um.
Es ging ihr noch einige Zeit gut. Wenn es erforderlich war, versorgte Thomas Altrock seine Frau zu Hause. Über die Gemeinschaftspraxis Dr. Kröckel und Dr. Hahn in Ansbach ließ er die SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung) einschalten. Ein kluger Schritt, wie sich zeigen sollte. Denn es war an einem Sonntag, als Altrock die professionelle Hilfe des Pflegeteams benötigte. Weil vorher alles in die Wege geleitet war, lief das unbürokratisch, zeigt sich der Lich-tenauer dankbar. „Es war sofort jemand da.“
Doch es wurde klar: Eine – zumindest vorübergehende – Behandlung im Krankenhaus war unvermeidlich. Die Einweisung erfolgte am Montag. „Ich habe meiner Frau versprochen, dass sie nach ein paar Tagen wieder nach Hause kann.“
Was Thomas Altrock bei der Ankunft auf der Palliativstation sofort wahrgenommen hat, war die Ruhe dort. „Da war keine Hektik, keine Betriebsamkeit, kein Zeitdruck“, erinnert sich der 71-Jährige. „Das hat mich sehr beeindruckt.“
Es gab ein klares Gespräch mit Chefarzt Dr. Ralph Fricke. „Er hat mir gesagt: Es wird nichts gemacht, was für sie keinen Nutzen hat.“ Unter dieser Prämisse lief die Behandlung. Und es stand immer ein Arzt für Fragen zur Verfügung.
Das Pflegepersonal war zugewandt, empathisch und „absolut professionell“, lobt Dr. Altrock. Ein „liebe- und würdevoller Umgang“ sei das gewesen. Und zwar sowohl mit seiner Frau als auch mit ihm und den anderen Angehörigen. „Die Pflegekräfte haben mir ein Bett eingerichtet, damit ich über Nacht bleiben konnte.“
Die Psychoonkologin meldete sich und bot Hilfe an. „Das lief alles genau so, wie es in so einer Situation sein sollte“, beschreibt es der Lichtenauer. Die Pflegeüberleitung wurde eingeschaltet und bereitete im Hintergrund alle erforderlichen Maßnahmen vor, damit Uta Altrock nach ein paar Tagen wieder heimgehen konnte.
Thomas Altrock, wollte seine Frau am Freitag, also nach einer knappen Woche in der Klinik, wieder abholen. Doch sie sagte nur: „Ich gehe nicht mehr heim. Hier habe ich alles, was ich brauche und ich habe meine Ruhe.“ Für die Familie kam das völlig unerwartet, erinnert sich die Tochter Stephanie Hall.
Doch nachdem sich die Überraschung gelegt hatte, kamen Thomas Altrock und seine beiden Kinder zum Schluss: „Sie hat einfach gemerkt: Es geht ihr dort besser als wir es zu Hause leisten könnten.“ Professionelle Pflege gepaart mit Ruhe, wie sie Angehörige kaum vermitteln können. Der diensthabende Arzt habe sofort signalisiert, dass sie bleiben könne, wenn sie das will, erinnert sich Thomas Altrock dankbar.
Zwei Tage später, am Sonntagabend, bekam er den Anruf des Pflegepersonals. Er solle sich auf den Weg machen. Die Atmung seiner Frau habe sich verändert. Die Familie nahm Abschied. Thomas Altrock ließ sich ein Bett richten, um bei seiner Frau sein zu können. Er sollte es nicht mehr brauchen. Zwei Stunden nach dem Anruf hörte ihr Herz auf zu schlagen.
Die Trauer im Haus der Familie ist noch immer spürbar. Aber sie ist unterlegt mit ganz viel Liebe und Zuneigung. Und es ist spürbar, dass den Angehörigen der Abschied leichter gefallen ist, weil sie überzeugt sind, dass Uta Altrock auf der Palliativstation des Ansbacher Krankenhauses bestmöglich versorgt worden ist.
Die Tatsache, dass die Familie bei der Beisetzung darum bat, für die Palliativstation zu spenden statt Blumenschmuck zu kaufen, spricht hier Bände. „Auch so etwas muss bei allen Diskussionen zum Thema Krankenhaus einmal gesagt werden“, findet Dr. Thomas Altrock.
Palliativmedizin behandelt Patienten mit weit fortgeschrittenen Erkrankungen, bei denen es nicht mehr um die Heilung geht. Vielmehr steht das Beherrschen von Schmerzen und anderen Krankheitsbeschwerden im Vordergrund. Es geht darum, die Lebensqualität zu verbessern.