Heckenstreit in Hemmersheim: Schneiden oder nicht? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.02.2023 13:55

Heckenstreit in Hemmersheim: Schneiden oder nicht?

Die orangenen Stickel in der Hecke (links) zeigen die Grundstücksgrenze an. Nach vorne – zur Pfahlenheimer Straße hin – kündigt Karl Ballmann einen Heckenschnitt für nächstes Jahr an. (Foto: Ulli Ganter)
Die orangenen Stickel in der Hecke (links) zeigen die Grundstücksgrenze an. Nach vorne – zur Pfahlenheimer Straße hin – kündigt Karl Ballmann einen Heckenschnitt für nächstes Jahr an. (Foto: Ulli Ganter)
Die orangenen Stickel in der Hecke (links) zeigen die Grundstücksgrenze an. Nach vorne – zur Pfahlenheimer Straße hin – kündigt Karl Ballmann einen Heckenschnitt für nächstes Jahr an. (Foto: Ulli Ganter)

Fast jede Gemeinde kann ein Lied davon singen, dass es unterschiedliche Auffassungen über den richtigen Heckenschnitt gibt. Eskaliert ist ein solcher Streit jetzt in Hemmersheim – bis zur Dienstaufsichtsbeschwerde gegen das Landratsamt und die Ankettung eines Bulldogs an eine Eiche.

„Wir sind auch schuld“, sagt Bürgermeister Karl Ballmann an der fraglichen Hecke. „Wir haben zu lange gewartet.“

Diese Auffassung wird Christine Primbs nicht trösten: Sie wohnt zwar in Aub, besitzt in Hemmersheim aber Grundstücke, auf denen sie Hecken und Bäume pflanzte. Seither sind 40 Jahren vergangen, die Hecken wuchsen und gediehen – bis weit über die Grundstücksgrenze hinaus auf Wege der Gemeinde.

Als letztere nun ankündigte, bis Ende Februar eine davon zurückzuschneiden, war die Grundstücksbesitzerin alarmiert.


Für den Teil der Hecke, der auf unserem Grund wuchert, sind wir zuständig. Richtig finde ich das nicht.

Karl Ballmann

„Für den Teil der Hecke, der auf unserem Grund wuchert, sind anscheinend wir zuständig. Richtig finde ich das nicht“, urteilt Karl Ballmann. Zum Ortstermin hat er neben seinem Meterstab den Auber Jagdpächter Elmar Meinzinger mitgebracht.

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Sowohl der Jagdpächter als auch die Grundstücksbesitzerin argumentieren mit der Natur: Für Primbs – immerhin Diplomingenieurin der Landespflege – ist das Pflanzen von Hecken eine der wenigen wirksamen Maßnahmen gegen den Klimawandel. Sie bremsen den Wind ab, halten Wasser zurück und sorgen für Schatten. Meinzinger dagegen findet es gar nicht gut, dass die Hecke an der Pfahlenheimer Straße direkt bis an die Fahrbahn reicht: Für die Fahrzeuge, die dort unterwegs seien, sei ein Reh nicht zu erkennen. Noch schlimmer: Er fand dort sogar schon Federn und Hinterlassenschaften, die ihn auf mindestens zehn tote Rebhühner schließen ließen, Tiere, die inzwischen selten geworden sind: Er schätzt, dass eine ganze Kette dieser Vögel zum Beispiel durch einen Schulbus aufgeschreckt wurde.

Hecke als Rückzugsraum für Tiere

Klar, eine Hecke sei ein wertvoller Rückzugsraum für Tiere. Er selbst habe als Vorstand der Flurbereinigung unzählige Hecken gepflanzt. Aber an Straßen müsse ein ausreichender Sichtraum frei bleiben. Ballmann kündigt für das kommende Jahr den Rückschnitt an dieser Seite der Hecke an.

Um die Ecke, an dem Teil, der senkrecht zur Pfahlenheimer Straße entlang eines Betonwegs verläuft, soll noch in diesem Monat etwas passieren. Im Oktober sei diese Hecke bereits auf etwa einem Meter Breite auf Stock gesetzt worden, weil die Zuckerrübenlaster sie nicht mehr passieren konnten. „Dieses Jahr würde es so gehen“, räumt Ballmann zwar ein. Doch die Gemeinde hat einen Landschaftspflegebetrieb mit einem „sanften Rückschnitt – nicht bis zur Grundstücksgrenze“ betraut, damit das Problem längerfristig gelöst ist. Schließlich erlaube die Naturschutzbehörde im Landratsamt nur eine abschnittsweise Heckenpflege.

Ballmann zeigt auf die Grenzsteine mitten in der Hecke, etwa zwei Meter sei der Gemeindegrund bereits bewachsen gewesen. Die meist dünneren Gehölze mit einem Durchmesser von maximal fünf Zentimetern würden auf einer Höhe von etwa 15 oder 20 Zentimetern abgeschnitten. Ein Baum, der sehr nahe an der Straße steht, soll ebenfalls abgesägt werden. Die meisten Stämme bleiben allerdings laut Ballmann unberührt.

„Wenn ein Baum auf Privatgrund steht und seine Äste zu uns herüberreichen, müssen wir die Grundstückseigentümerin anschreiben und sie auffordern, sie zu beseitigen. Tut sie das nicht, dann können wir ein Unternehmen beauftragen und ihr die Leistung in Rechnung stellen“, erläutert er.


Wir haben noch zehn Jahre, in denen wir etwas pflanzen können.

Christine Primbs

Ballmann hat gehört, dass der Sohn der Grundstücksbesitzerin in der Vorwoche sogar seinen Bulldog an einer Eiche festgekettet haben soll – samt Plakat. Da er selbst da im Urlaub war, hat er das aber nicht persönlich gesehen. „Die Eiche bleibt stehen“, bekräftigt er vor Ort.

Der frühere Graben ist an dieser Seite der Hecke nicht mehr zu erkennen. Entlang der Pfahlenheimer Straße ist er zugewachsen. Primbs ist allerdings der Überzeugung, dass die Gräben angesichts der zunehmenden Starkregenereignisse ohnehin nicht mehr tauglich seien: „Bei Starkregen sucht das Wasser sich den Weg des geringsten Widerstands und läuft sowieso die Straße herunter“, meint sie. Eine Auffassung, die der Bürgermeister nicht teilt: Auf der Kuppe, wo das Wasser nicht ablaufen könne, habe es bereits Straßenschäden verursacht.

Die Grundstückseignerin pflanzt nach eigenen Angaben jedes Jahr 50 Bäume – „ich würde mir wünschen, dass die Gemeinde das macht.“ Aus ihrer Sicht tickt die Uhr: „Wir haben noch zehn Jahre, in denen wir etwas pflanzen können“, sagt sie.

Dienstaufsichtsbeschwerde an die Regierung

Primbs macht einen Unterschied zwischen einer Strauch- und einer Baumhecke. Das gängige, abschnittsweise Auf-Stock-Setzen sei im Falle einer Baumhecke nicht fachgerecht. Das Landratsamt macht diese Unterscheidung nicht. Mit den Auskünften, die sie aus dieser Behörde erhielt, war Primbs offenkundig unzufrieden. Jedenfalls sandte sie postwendend eine Dienstaufsichtsbeschwerde an die Regierung von Mittelfranken.

Der Streit hat eine Vorgeschichte: Im vergangenen Jahr seien zwischen Hemmersheim und Gülchsheim bereits zehn Ahornbäume bis auf Bodenhöhe gerodet worden, beklagt Primbs. Die Naturschutzbehörde sei darüber nicht informiert gewesen. Ballmann dagegen sagt, die Behörde habe nichts an der damaligen Pflege auszusetzen gehabt.

Eine Verständigung zwischen beiden Seiten scheint nicht in Sicht. Es ist nicht das einzige Grundstück, wegen dem der Bürgermeister Kontakt mit der Grundstückseignerin aufnehmen muss. Bei einem Waldstück am Brückleinsberg „In den Hohlgärten“ habe sich ein Nachbar beschwert, dass er nicht mehr mit dem Mähdrescher auf seinen Grund komme. Der Wald, so Ballmann, habe den vier Meter breiten Grasweg der Gemeinde bereits überwuchert. „Die Beschwerden landen immer bei uns“, klagt der Bürgermeister.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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