Wer den prachtvollen Kirchenraum von St. Georg betritt, ahnt nichts davon. Der Schaden liegt im Verborgenen. Genauer: über dem gotischen Gewölbe. Der Dachstuhl des Münsters ist marode. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sascha Müller hat sich vor Ort ein Bild gemacht. Kommt nun die Münstersanierung voran?
Das Thema liegt schon seit Jahren in der Luft. Dass die stadtbildprägende Kirche, die vor 525 Jahren fertiggestellt wurde,saniert werden muss, hat sich in Dinkelsbühl längst herumgesprochen. Immer wieder werde er von Gottesdienstbesuchern gefragt, wann denn die Gerüste aufgestellt werden, sagt Pfarrer Joachim Pollithy im Gespräch mit der FLZ.
Jedoch: Solange die Finanzierung nicht steht, erfolgt keine Sanierung. Der katholische Pfarrer legt einen Plan vor: Demnach sind mehr als elf Millionen Euro für das Projekt veranschlagt. Der größte Teil – sechs Millionen Euro – soll mit Kirchensteuermitteln bestritten werden. Überdies tauchen im Finanzierungsplan Stadt, Landkreis, Bezirk und der Freistaat Bayern auf. Der Eigenanteil, den die Dinkelsbühler Kirchengemeinde St. Georg beisteuern müsste, ist mit rund 1,2 Millionen Euro veranschlagt.
In einem weiteren Posten sind 900.000 Euro des Denkmalschutz-Sonderprogramms der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vorgesehen. Darum ging es bei dem Besuch von Sascha Müller in Dinkelsbühl. Er ist Grünen-Bundestagsabgeordneter für Nürnberg-Süd und Schwabach und Obmann des Finanzausschusses im Bundestag.
Wie Joachim Pollithy sagt, habe die Kirchengemeinde bereits mehrfach einen Antrag an das Denkmalschutz-Sonderprogramm gestellt, sei aber jedes Mal abgelehnt worden. Umso mehr hofft man, dass es jetzt klappt.
In dem Schreiben heißt es, dass das Münster durch statische Probleme stark gefährdet ist. Laut einem beauftragten Statik-Büro ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Auch eine Dachneueindeckung sei erforderlich.
Unter den geplanten Maßnahmen werden im Antrag aufgelistet: zimmermannsmäßige Instandsetzung des bedeutenden Dachwerks aus dem 15. Jahrhundert, Instandsetzung des Turmgebälks und der kupfernen Turmhaube am Westturm sowie die Restaurierung der historischen Werksteinfassaden, der sandsteinernen Kirchenportale und der Skulpturen in der Chorkapelle. Überdies die Instandsetzung der instabilen gotischen Kirchengewölbe.
Wer den Schaden begutachten will, muss die steinernen Stufen hinauf zum Dachstuhl steigen. Dort sticht unverzüglich ins Auge, wie stark sich die Balken biegen. Mesner Matthias Schreiber zeigt auf einen Querbalken aus dem 15. Jahrhundert, der 23 bis 28 Zentimeter durchhängt. Das Problem: „Die Querbalken halten alles zusammen.“ Nicht auszudenken, wenn einer brechen würde.
Wie schlimm es teilweise um das jahrhundertealte Holz bestellt ist, zeigt der Mesner anhand von Fotos des Ingenieurbüros Roland Burger + Günter Döhring. Auf einem der Bilder ist ein vollkommen zerstörtes Balkenlager auf der Südseite zu sehen.
Ein anderes Foto zeigt den ausgerissenen oberen Anschlusspunkt einer Hängesäule. In der Beschreibung des Ingenieurbüros heißt es dazu: „Der für Zugbeanspruchung konzipierte historische Anschluss wurde auf Druck beansprucht und konnte die auftretenden Kräfte nicht aufnehmen. Einzelne Bauteile sind gerissen und haben das Dachwerk destabilisiert.“
Der Mesner sagt es so: „Wenn der Dachstuhl nicht mehr seine Funktion übernimmt, droht irgendwann die Schließung der Kirche.“
So weit soll es nicht kommen. Umso mehr kommt es nun auf das „Denkmalschutz-Sonderprogramm XIII“ an, um das es in wenigen Wochen im Deutschen Bundestag geht. Es wird finanziert aus dem Etat der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Claudia Roth, und umfasst 47,5 Millionen Euro.
In den Genuss einer Förderung können Denkmaleigentümer kommen, die ein „Baudenkmal mit nationaler Bedeutung“ besitzen und die einen Sanierungs- und Finanzierungsplan vorlegen können. Das Geld wird vom Haushaltsausschuss des Bundestags verteilt.
Nach seinem Besuch im Dinkelsbühler Münster zeigt sich Sascha Müller beeindruckt: „Der Besuch hat tatsächlich Augen geöffnet. Der reale Blick zeigt die geforderte nationale Bedeutung des Münsters viel eindrucksvoller, als Fotos oder Pläne das je könnten. Besonders faszinierend ist für mich, dass es gelungen ist, den gotischen Charakter der Kirche über die Jahrhunderte und den Wechsel von Stilepochen zu erhalten. Die Gefährdungssituation für die Kirche ist uns gut erklärt worden. Ich hoffe sehr, dass der Bundeszuschuss gewährt wird.“
Mit dabei in St. Georg war auch Dr. Sabine Weigand, Sprecherin für Denkmalschutz in der Grünen-Landtagsfraktion. Nach ihrem Besuch im Münster teilt sie mit: „Ich bin ja seit fünf Jahren in ganz Bayern in Sachen Denkmalschutz unterwegs, aber einen solchen Dachstuhl wie hier in Dinkelsbühl habe ich noch nirgends gesehen. Das ist eine Zimmermannsarbeit, die ohne Metallverbindungen mehr als fünf Jahrhunderte überdauert hat. Das hat auch der Freistaat erkannt und ebenfalls Mittel aus dem Entschädigungsfonds in Aussicht gestellt. In der Regel werden diese Mittel freigegeben, wenn die Förderzusage des Bundes kommt. Ich drücke die Daumen.“