Dass es nicht die eine Blockflöte gibt, sondern ganz viele, mit sehr unterschiedlichen Klangmöglichkeiten, haben die vier Flötistinnen von Flautando Köln sowie ihr Kollege am Schlagwerk in der Orangerie sehr eindrücklich vorgeführt. Überschrieben hatten sie ihr Bachwochenprogramm „Groove, Sound and Silence“.
Klar, dass Johann Sebastian Bach diese Begriffe noch nicht kannte, was damit umschrieben war, fand sich in seiner Musik allemal. Flautando Köln, das waren Susanne Hochscheid, Susanna Borsch, Ursula Thelen und Kerstin de Witt sowie Rhythmusspezialist Torsten Müller an Percussion, Rahmentrommel und Marimba. Ein schier unerschöpfliches Spektrum an Tönen, Rhythmen, Effekten und Klangfarben holten die vier aus ihren Instrumenten, an die vierzig verschiedenen Flöten hatten sie dabei, heraus. Ganz kleine bis hin zu einer riesigen Blockflöten-Variante, die im Stehen gespielt wurde.
Die musikalische Reise, zu der das Ensemble einlud, führte nach England, Irland, Brasilien, Deutschland, Amerika, Italien oder in die Türkei. Mal klang das Spiel, etwa bei John Playford nach mittelalterlichem Spielmannszug, führte mit Kurt Weills „Les filles de Bordeaux“ in den Hafen der gleichnamigen Stadt oder auch zu Heitor Villa-Lobos‘ „Bachianas Brasileiras“. Die jeweilige Atmosphäre der Regionen und Zeit haben die vier Musikerinnen und ihr Kollege wunderbar eingefangen. Drei traditionelle türkische Lieder etwa hatten sie für ihre Besetzung bearbeitet und mit dem ausdrucksstarken Gesang von Ursula Thelen zu einer mitreißenden Session gemacht.
Metronomische Genauigkeit spiegelte das Rhythmuskonzept in Fulvio Caldinis (Jahrgang 1959) „Clockwork Toccata“. Wie ein gleichförmiges Uhrwerk erklangen die Flötenstimmen, ausgestaltet mit reichlich Verzierungen. Das setzte Torsten Müller bei seinem Marimba-Solo in Paul Smadbecks „Rhythm Song“ fort.
Auch Johann Sebastian Bach standen die Flötenbearbeitungen ausgesprochen gut. Zunächst interpretierte das Quartett die Sinfonia aus der Kantate „Jesu, meine Freude“, BWV 29. Ein weiterer Höhepunkt, genau genommen bestand das gesamte Programm aus Highlights, war die Flötenbearbeitung der Toccata d-Moll, BWV 538, der „Dorischen”. Augen zu und man fand sich in einem wohligen Orgelklang wieder. Die Flöten spiegelten das Werk sehr nah an der Orgelvorlage. Strahlend klar, transparent und präzise war der Klang der Instrumente, den die vier auf zauberhaft darboten.
Aber auch Jazz ging mit der Blockflöte, inklusive spontanem Zwischenapplaus. Länder-, Epochen- und Genregrenzen kannten diese fünf nicht. Ohne Zugabe durfte das Ensemble aber nicht von der Bühne und verabschiedete sich mit einem sehr alten spanischen Lied um ein kleines Vögelchen. Ein letztes Kabinettstückchen.