Es ist die wohl größte Investition in der nunmehr 166-jährigen Geschichte des TV 1860 Bad Windsheim: die Sanierung der vereinseigenen Sporthalle, besser bekannt als Judohalle. Rund 1,1 Millionen Euro werden dafür fällig. Möglich machen das einzig zwei stattliche Förderungen. Voraussichtlich im September soll der Bau eingeweiht werden.
Jürgen Müller, Vorsitzender des TV 1860 Bad Windsheim, hat das Datum sofort parat: Es war der 9. Juli 2021, als das Wasser über die Aisch getreten war und die vereinseigene Halle geflutet hatte. Die der Halle angeschlossene Gaststätte indes war verschont geblieben, weil sie höher liegt. Müller zufolge sei schnell klar gewesen, dass das Ausmaß des Schadens enorm gewesen sei. „Es war alles durchfeuchtet, auch die Holzwände.”
Die sind nun komplett abgetragen worden, das kaputte Holz wurde ersetzt und anschließend hat man die Wände wieder eingebaut. Zuvor aber war etwas Entscheidendes geschehen, das auch vom Wasserwirtschaftsamt in Ansbach gefordert worden war: Eine wasserdichte Bodenwanne ist betoniert worden. Und das Fundament ist um 60 Zentimeter angehoben worden. Sollte die Aisch irgendwann wieder übers Ufer treten, wird die Halle dadurch vom Wasser verschont bleiben.
Im Zuge der Maßnahme ist auch das Dach der Halle erneuert worden, außerdem der Giebel. Der sei Müller zufolge von der Statik her zu schwach gewesen, so dass man ihn durch kräftigere Giebelteile ersetzt habe. Neu eingedeckt worden ist das Dach nun mit Trapezblechelementen, nachdem zuvor die klassischen Frankfurter Pfannen entfernt worden waren. Weil die Blechelemente deutlich leichter sind als herkömmliche Pfannen, besteht die Möglichkeit, irgendwann einmal eine Photovoltaik-Anlage zu installieren. Aktuell ist das aber kein Thema, da die Kosten nicht zu stemmen wären.
Dass Bund und Land die Maßnahme jeweils mit rund 500.000 Euro fördern, ist Müller zufolge ein Segen. Denn ohne den Zuschuss könnte der Verein die Maßnahme überhaupt nicht bewältigen, wobei es auch so eine enorme finanzielle Belastung bleibt. Denn während die Gelder beim Bund jeweils nach Bedarf abgerufen werden können, wird die Förderung seitens des Freistaates erst fließen, wenn die Sanierung abgeschlossen ist. Für den TV 1860 Bad Windsheim bedeutet das: Er muss die Summe vorfinanzieren. Möglich gemacht hat das die Stadt, indem sie für den Verein bürgt.
Aktuell sei man Müller zufolge im Kosten- und Zeitplan. Der Hochbau sei abgeschlossen, nun folge der Innenausbau, darunter Elektrik, Sanitär, Estrich. „In den nächsten sechs Monaten wird viel passieren”, sagt der Vereinsvorsitzende. Beheizt wird die Halle künftig über eine Fußbodenheizung, die wiederum mit einer Wärmepumpe und einem Gasbrennwertgerät betrieben wird. Über dieses System soll künftig auch die Gastwirtschaft mit Wärme versorgt werden.
Räumlich wird es eine klare Trennung zwischen Gaststätte und Sportbereich geben. Lediglich die behindertengerechte Toilette mit Wickelmöglichkeit wird sowohl vom Sportbereich als auch vom Gasthaus her begehbar sein. Damit die Sportlerinnen und Sportler künftig nicht mehr die Toiletten im Gasthaus benutzen müssen, bekommen sie eigene. Außerdem wird es für Frauen und Männer jeweils einen separaten Bereich zum Duschen und Umkleiden geben.
Hinter den Toiletten des Sportbereichs entsteht zudem ein Archivraum, in dem Dokumente und Objekte der Vereinsgeschichte aufbewahrt werden sollen. In diesem Bereich wird es zudem ein Lager für Außensportgeräte geben. Ein Teil der Halle wiederum ist durch eine eingezogene Zwischenwand separiert worden. So ist neuer Raum entstanden.
Möglich geworden war das, weil die zuvor in die Halle integrierte Garage des Platzwartes aufgelöst worden war. In dem auf diese Weise neu gewonnenen Bereich entstehen nun unter anderem ein Technikraum, eine kleine Teeküche, ein zweiter Fluchtweg, eine weitere Umkleide- und Ablage-Möglichkeit sowie ein Raum für Sportgeräte, die im Innern genutzt werden.
Damit der Platzwart aber auch künftig problemlos auf seine Geräte zugreifen kann, sind eigens zwei neue Garagen angeschafft worden. Sie wurden der Halle nachgelagert und sind somit in dem Areal errichtet worden, in dem einst die Eisstockschützen ihren Platz hatten.
Die Arbeiten im Innern der Halle werden bald weitergehen, so Müller. Dann folgt die Dämmung der Wände, ein Sportboden wird eingezogen und eine Akustikdecke montiert. Auch die Spiegelwand wird wieder eingebaut. Müller ist „sehr zuversichtlich”, dass der Eröffnungstermin im September eingehalten werden kann. „Das Ziel ist, dass der Sport hier noch vor dem nächsten Winter wieder aufgenommen werden kann”, sagt Müller, der sich um die Nutzung der Halle nicht sorgt. Sie sei früher immer belegt gewesen, so der Vorsitzende, und das werde sie sicher auch in Zukunft sein.