Geradlinig: Pfarrer bot dem Nazi-Regime die Stirn | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.07.2024 08:00

Geradlinig: Pfarrer bot dem Nazi-Regime die Stirn

Karl Steinacker aus Oberradach hat intensiv über das Leben von Pfarrer Karl Steinbauer recherchiert. Daraus ist ein Vortrag entstanden, zu dem Steinacker Schautafeln anfertigte. (Foto: Markus Weinzierl)
Karl Steinacker aus Oberradach hat intensiv über das Leben von Pfarrer Karl Steinbauer recherchiert. Daraus ist ein Vortrag entstanden, zu dem Steinacker Schautafeln anfertigte. (Foto: Markus Weinzierl)
Karl Steinacker aus Oberradach hat intensiv über das Leben von Pfarrer Karl Steinbauer recherchiert. Daraus ist ein Vortrag entstanden, zu dem Steinacker Schautafeln anfertigte. (Foto: Markus Weinzierl)

Heute vor 80 Jahren versuchte eine Gruppe aus den Reihen von Wehrmacht und Verwaltung, Adolf Hitler zu töten. Das Stauffenberg-Attentat scheiterte, damit auch der Umsturzversuch. Widerstand gegen die Nazi-Diktatur leisteten aber auch Einzelpersonen, indem sie ihre Überzeugungen vertraten. Zu ihnen gehörte Pfarrer Karl Steinbauer.

Er wandte sich offen gegen das Regime, wurde deshalb mehrfach inhaftiert und kam schließlich ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Im Gegensatz zu Dietrich Bonhoeffer, einem Theologen im Widerstand, der in Flossenbürg ermordet wurde, überlebte Steinbauer. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er von 1946 bis 1951 Pfarrer in Lehengütingen.

Aus der Partei ausgetreten

Geboren wurde der Geistliche 1906 in Windsbach als zehntes Kind einer Pfarrfamilie. Der Vater war Gymnasialrektor. Sohn Karl studierte Theologie und wurde 1933 Vikar in der evangelischen Gemeinde Penzberg. Steinbauer war zunächst Mitglied der NSDAP. Allerdings trat er bereits 1932 wieder aus der Partei aus.

Gründungsmitglied der Pfarrbruderschaft

Er galt als Geistlicher, der dem Gedankengut des Nationalsozialismus widersprach. Zugleich gehörte er zu den Kritikern des Kompromiss-Kurses, den der damalige Landesbischof Hans Meiser den Nazis gegenüber einschlug und der auf den Erhalt der Landeskirche ausgerichtet war. Steinbauer war Gründungsmitglied der Bayerischen Pfarrbruderschaft, die sich gegen die Gleichschaltung der Evangelischen Kirche durch den Staat stellte.

Blick auf die aktuelle politische Lage

Mit dem Leben und Wirken Steinbauers und dessen Zeit in Lehengütingen hat sich der Oberradacher Karl Steinacker intensiv befasst – aus historischem Interesse, wie der heute 74-Jährige darlegt. Über seine Erkenntnisse hat Steinacker in einem Vortrag berichtet, den er kürzlich im Weidelbacher Gemeindehaus hielt. Der Oberradacher will dazu beitragen, dass die Auswirkungen der NS-Zeit nicht in Vergessenheit geraten – zumal beim Blick auf die aktuelle politische Lage der Rechtsdrall immer deutlicher werde, wie der Referent in seinen Ausführungen erläutert.

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Schon früh sei Pfarrer Steinbauer mit dem Regime und der eigenen Kirche in Konflikt geraten, berichtet Steinacker. „Denn er stand zu seinen christlichen Überzeugungen und hielt mit seiner Einstellung nicht hinterm Berg.“ Der Geistliche kritisierte in Predigten und Briefen den Nationalsozialismus und dessen Rassendoktrin und lehnte die Beflaggung der Kirche mit Hakenkreuzfahnen ab.

Der Geistliche verweigerte den Treue-Eid

Als sich der Geistliche 1938 weigerte, den Treue-Eid auf Adolf Hitler abzulegen und zudem den Ariernachweis nicht erbringen wollte, bekam er Predigtverbot. Insgesamt vier Mal wurde Steinbauer verhaftet und kam schließlich 1939 ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Nach neun Monaten wurde er zum Kriegseinsatz an der Ostfront begnadigt. Auf kirchlicher Seite wurde ihm formal die Verwaltung der Pfarrstelle in Illenschwang übertragen.

1943 wurde Steinbauer verwundet und kam an die Heimatfront. Als er während eines Genesungsurlaubes in Illenschwang eine Weihnachtspredigt hielt, wurde er aufgrund der Inhalte wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt. Der Prozess endete überraschend mit einem Freispruch, nachdem Steinbauer seine Predigt vor Gericht nochmals vorgetragen haben soll.

Zwischen Steinbruch und Seelsorge

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Karl Steinbauer seien Dienst in Lehengütingen an. Wie der geschichtsinteressierte Karl Steinacker in seinem Vortrag aus Erzählungen berichtet, packte der Geistliche tatkräftig mit an, als es zum Beispiel um den Bau der Lehengütinger Friedhofsmauer ging. Hierfür besorgte er Material aus einem Steinbruch, das er dort selbst herausgesprengte. Die Kenntnisse dazu hatte er während seines Kriegseinsatzes erlernt.

Er blieb ein kritischer Mahner

Was seine Geisteshaltung anging, so blieb Pfarrer Steinbauer weiterhin ein kritischer Mahner. Als der Geistliche als möglicher Leiter der neu gegründeten Landvolkshochschule auf dem Hesselberg bei Gerolfingen ins Gespräch kam, zerschlug sich die Aussicht, Gründungsrektor der Einrichtung zu werden, allerdings wieder.

Zu dieser Entwicklung äußerte sich seinerzeit der damalige Gerolfinger Pfarrer. Danach soll es Hinweise gegeben haben, dass die Differenzen zwischen Steinbauer und dem noch amtierenden Landesbischof Meiser nicht beseitigt waren.

Geradliniges Wesen

Karl Steinbauer wurde 1951 Pfarrer in Wolfratshausen und verstarb 1988 in Erlangen. Die Bayerische Pfarrbruderschaft – heute Pfarrgeschwisterschaft – würdigte das geradlinige Wesen ihres früheren Mitglieds mit einer besonderen Auszeichnung: des Karl-Steinbauer-Zeichens, das an Personen verliehen wird, die sich wegen ihrer besonderen Zivilcourage verdient gemacht haben.

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