Gegen die Einsamkeit: Beim TagesTreff in Ergersheim sind alle Senioren willkommen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.10.2025 16:23

Gegen die Einsamkeit: Beim TagesTreff in Ergersheim sind alle Senioren willkommen

Christine Tanch (stehend) gehört zum ehrenamtlichen Team des TagesTreffs und unterstützt manchmal beim Spielen. (Foto: Nina Daebel)
Christine Tanch (stehend) gehört zum ehrenamtlichen Team des TagesTreffs und unterstützt manchmal beim Spielen. (Foto: Nina Daebel)
Christine Tanch (stehend) gehört zum ehrenamtlichen Team des TagesTreffs und unterstützt manchmal beim Spielen. (Foto: Nina Daebel)

Was gibt es Neues im Ort? Wer hat geheiratet? Wer wird wann beerdigt? Und was ist eigentlich sonst gerade los in der Welt? Im TagesTreff der Evangelischen Gemeinschaft Ergersheim gibt es viel zu bereden. Immer mittwochs. Wer mag, darf vorbeischauen, unabhängig davon, welcher Konfession man angehört. Die Betreuer sind ehrenamtlich tätig.

Die Evangelische Gemeinschaft Ergersheim gehört zum Hensoltshöher Gemeinschaftsverband. Dieser ist auch Träger des TagesTreffs, der zu einem Teil über die Entlastungspauschale finanziert werden kann, die Menschen mit einem Pflegegrad erhalten. Willkommen sind aber alle, die sich zur „Generation plus” zählen, mit und ohne Pflegegrad.

Seit zehn Jahren gibt es dieses Angebot, das ursprünglich erst einmal auf ein Jahr angelegt gewesen war. „Holprig” sei der Start gewesen, erinnert sich Emmi Friedrich, eine der Initiatorinnen. Denn das Angebot musste auf eine rechtlich einwandfreie Basis gestellt werden. Dabei half der Dachverband der Evangelischen Gemeinschaft Ergersheim, die ihren Sitz An der Kapelle 4 hat.

Zeit in Gesellschaft verbringen

Durch einen Tag der offenen Tür sowie Mund zu Mund-Propaganda ist der TagesTreff bekannt gemacht worden. Außerdem wurden Info-Flyer verteilt und mögliche Interessierte gezielt angesprochen. „Wir Initiatorinnen sind beruflich in der Pflege tätig und haben den großen Bedarf eines solchen Angebots gesehen”, erklärt Friedrich. Viele Menschen seien im Alter einsam. Durch den TagesTreff hätten sie einmal in der Woche die Möglichkeit, Zeit in Gesellschaft zu verbringen.

Anfangs seien gerade mal drei Personen gekommen, doch innerhalb weniger Monate waren es schließlich elf. Mittlerweile hat es sich auf rund zehn eingependelt. Sie kommen um 9.30 Uhr und gehen um 16.30 Uhr. Zu Kaffee und Kuchen am Nachmittag kommen auch schon mal ein paar mehr dazu. „Zwei Blechkuchen gehen dann weg”, erzählt Friedrich, während sie Zimtschnecken, Bienenstich und Apfelweintorte verteilt.

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Mittagessen inklusive

Ein Mittagessen gibt es für diejenigen, die das Angebot nutzen, ebenfalls. Serviert wird meist eine deftige fränkische Mahlzeit. Die wird eigens von einem Metzger aus Bad Windsheim geholt. Diese Aufgabe übernimmt Friedrich Weinmann. Er wollte in seiner Rentenzeit ein sinnvolles Ehrenamt ausüben und engagiert sich nun beim TagesTreff.

Zwei Seniorinnen in Ergersheim bringt er das Mittagessen unabhängig vom TagesTreff direkt nach Hause. „Wenn ich komme, steht schon ein Stuhl für mich bereit, und es werden erst einmal Neuigkeiten ausgetauscht”, erzählt er. Aber auch über die Ortsgeschichte werde geplaudert. So weiß Weinmann nun, dass es in Ergersheim in den vergangenen 100 Jahren gerade mal vier Pfarrer gegeben hat. Einer war stolze 36 Jahre lang im Dorf tätig.

Weinmann gefällt es im Team der Helferinnen und Helfer. Aktuell ist er allerdings der einzige Mann, der sich engagiert. Gerne beteiligt er sich auch an den übrigen Programmpunkten des TagesTreffs oder bleibt auf ein Stück Kuchen.

Vormittags widmet sich die Gruppe immer rund eine Stunde lang einem speziellen Thema. So ist erst vor kurzem über den Herbst gesprochen worden, beim nächsten Mal soll es um Erntedank gehen. Emmi Friedrich hat sich besonders über die rege Teilnahme der Betreuten am Thema „Stadt-Land-Fluss” gefreut. Denn da waren auch diejenigen engagiert dabei, die an Demenz erkrankt sind und deren kognitive Leistung mitunter stark eingeschränkt ist.

Zur Gymnastik geht es wenn möglich ins Freie

Die Bewegung kommt im TagesTreff ebenfalls nicht zu kurz. Wenn es das Wetter zulässt, geht man zur Gymnastik ins Freie. Wer sich nach dem Mittagessen ausruhen möchte, kann das in einem separaten Raum mit Liegesesseln tun. Nachmittags wird gespielt und es werden Volkslieder gesungen. Manchmal wird auch eine Geschichte vorgelesen.

Wer das Angebot des TagesTreff nutzen möchte, muss nicht zwingend aus Ergersheim kommen, erklärt Emmi Friedrich. Es sind auch Personen aus Uffenheim und Bad Windsheim dabei. Zwei Frauen kommen bereits seit zehn Jahren, also seit es den Treff gibt, jeden Mittwoch nach Ergersheim. Viele andere sind gekommen und wieder gegangen, etliche sind bereits gestorben. Vor einem Jahr sei die Gruppe auf gerade mal drei Personen reduziert gewesen, erinnert sich Emmi Friedrich. Das sei eine schwere Zeit gewesen, zumal man nicht habe absehen können, wie es weiter gehen würde. Doch mittlerweile habe sich die Zahl wieder stabilisiert. „Das hat uns auch wieder motiviert.”

Für alle Konfessionen offen

Dass der TagesTreff für alle Konfessionen offen ist, betont Emmi Friedrich ausdrücklich. Zwar werde immer mal wieder eine Andacht gefeiert. Aber es werde nicht versucht, zu missionieren. Um trotzdem hin und wieder „ein Gefühl von Kirche” zu haben, was vielen der älteren Menschen dann doch wichtig sei, besuche man die Ergersheimer Kapelle. Gerne komme der evangelische Pfarrer dazu, mit dem man eine gute Zusammenarbeit pflege. „Es ist ein guter Austausch und die Gäste des TagesTreffs sind bei einem solchen Kirchenbesuch immer sehr ergriffen.”

Gut aufgehoben sind im TagesTreff auch all jene, die gesundheitlich beeinträchtigt sind. Die Betreuerinnen und Betreuer sind entsprechend geschult, der Großteil ist noch im Pflegeberuf tätig. „Wir verabreichen die mitgebrachten Medikamente und können auch bei Diabetes den Blutzucker kontrollieren und bei Bedarf Insulin spritzen”, erklärt Friedrich und betont, dass auch Menschen mit Demenz ausdrücklich willkommen sind. Sie werden einfach „da abgeholt, wo sie stehen”. Ganz individuell. Das funktioniere sehr gut.

Und das sieht man. Es wird gelacht, gespielt, und man hat Spaß zusammen. Emmi Friedrich beobachtet dabei immer wieder, wie der TagesTreff für Menschen mit Demenz eine Bereicherung ist. „Es ist ein Anstoß, Neues zu entdecken, das Gehirn wieder zu aktivieren. Es ist eine gute Sache, die einfach ein bisschen mehr Lebensqualität bietet.”

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