Optimistisch geht Leon Bachmann in die Landratswahl. Mit 23 Jahren ist der Kandidat, der für die Partei Die Linke antritt, der jüngste Bewerber. „Das ist schön. Ich habe noch kein so großes Ego und keine Vorgeschichte”, sagt er. Somit ist er nach eigener Einschätzung „eine andere Option” für die Wählerinnen und Wähler im Landkreis.
Die Schwemme an schlechten Nachrichten aus Medien und die eigene Machtlosigkeit haben den Dinkelbühler veranlasst, im Jahr 2024 der Linken beizutreten. „Statt nur am Stammtisch zu sitzen, hatte ich den Drang, selbst etwas zu machen.” Dass dieses selbstständige Handeln innerhalb und für die Partei Die Linke geschehen soll, war für den 23-Jährigen „alternativlos”. Es ist für ihn die einzige Partei, die konsequent für internationale Solidarität und gegen rechte Hetze steht. Seit einem Jahr ist Bachmann außerdem Landesvorsitzender der Linksjugend Bayern.
Leon Bachmann, der von Geburt an in Dinkelsbühl lebt, ist Mitglied im Zunftreigen der Kinderzeche Dinkelsbühl. Die Tanzgruppe aus jungen Erwachsenen führt jedes Jahr beim Heimatfest Tänze auf. Außerdem ist der 23-Jährige Teil des Helferkreises Dinkelsbühl, der sich für Geflüchtete einsetzt. Seine mittlere Reife hat Bachmann an der Wirtschaftsschule gemacht, anschließend das Fachabitur am Wirtschaftsgymnasium in Crailsheim. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann arbeitet er jetzt bei einem Baumarktzulieferer im Vertrieb.
In seinem Umfeld war er einer der ersten, die der Partei beigetreten sind. „Es ist hier nicht so gängig”, meint er. Mit dem deutschlandweiten Mitgliederboom im vergangenen Jahr seien aber auch die Mitgliederzahlen im Landkreis Ansbach „rasant gewachsen”. Viele seien beigetreten als Reaktion auf den wachsenden Rechtsruck.
Leon Bachmann sieht die Wurzel des Problems darin, dass die Menschen kein Vertrauen mehr in die Politik haben. „Sie haben das Gefühl, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird.” Aufgabe der Kommunalpolitik als „unterste Ebene” müsse es sein, das verloren gegangene Vertrauen wieder aufzubauen. Das funktioniere über Gespräche, auch mit jungen Menschen, zum Beispiel in Jugendverbänden. „Man muss klare Kante zeigen, die Sachen ansprechen statt totschweigen.” Das wichtigste Instrument gegen Rechtsextremismus sei, sich zusammenzutun, etwa auf gewerkschaftlicher Ebene. „Es muss nicht eskalieren, aber es muss laut sein.”
Wie wichtig ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr für die Region ist, diese Erfahrung hat Bachmann während seiner Schulzeit in Crailsheim gemacht: Es dauert deutlich länger und ist viel komplizierter, mit dem Bus dahin zu kommen, als mit dem Auto. Wer im Landkreis Ansbach ein Auto hat, fährt eher damit als mit den Öffentlichen, meint der 23-Jährige.
Damit die Menschen bereit sind, umzusteigen, bräuchte es eine „zuverlässig höhere Taktung” im Busverkehr. Außerdem würde er sich als Landrat für ein „Sozialticket” einsetzen. Bereits die aktuelle Preiserhöhung um ein paar Euro beim Deutschlandticket bedeute für viele Menschen einen „kleinen Genickbruch”. Bachmann: „So ein Ticket bringt nichts, wenn die Leute es sich nicht leisten können.”
Für den Kandidaten der Linken sind alle politischen Themen, die er auf der Liste hat, unabdingbar miteinander verwoben. Auch das Topthema Gesundheitsversorgung stehe nicht für sich alleine. Die Linke tritt dafür ein, dass die Kliniken an den Standorten Dinkelsbühl und Rothenburg erhalten bleiben. Die Existenz dieser Häuser mache den Landkreis für die Bevölkerung attraktiver und auch für medizinisches Fachpersonal, das nötig ist, um sie am Laufen zu halten.
Um die Menschen für die Region zu gewinnen und auch hier zu halten, müsse auch der soziale Wohnungsbau vorangetrieben werden. Der soziale Gedanke solle bei Vorhaben unter kommunaler Trägerschaft eine zentrale Rolle spielen. „Über Bauplätze und -pläne soll die Bevölkerung mitentscheiden. Alle sollen die Chance haben, sich zu verwirklichen.”
Bevor Leon Bachmann selbst auf dem Zettel für die Landratswahl stand, „wollte niemand was von mir”, sagt er lachend. Mit der Nominierung wurde er für die Öffentlichkeit interessant. Im persönlichen Gesprächen ist er auch mit Menschen gut klargekommen, die politisch weiter rechts stehen als er. In den sozialen Medien allerdings liefen bereits Kampagnen gegen ihn. Das seien durchaus „andere Eindrücke” als die, die er in seinem vorherigen Leben als Nicht-Landratskandidat hatte.
Der Wahl am 8. März blickt er gespannt entgegen. Er weiß: Junge Frauen in Großstädten zählen zur Stammwählerschaft der Linken. Diese Zielgruppe gibt es im Landkreis Ansbach mangels Großstädten allerdings nicht. Dass er chancenlos ist, glaubt er trotzdem nicht. „Man weiß doch nie, was passiert. Warten wir es ab.”