Gegen das Vergessen: Elf neue Stolpersteine in Ansbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.02.2024 07:00

Gegen das Vergessen: Elf neue Stolpersteine in Ansbach

Verlegeort Feuerbachstraße 13: Mit dabei waren Künstler Gunter Demnig (Mitte), OB Thomas Deffner (rechts), Martin Perner (2. von rechts) und Anne Ziegler von der Stadt sowie Stadtrat Hannes Hüttinger. (Foto: Oliver Herbst)
Verlegeort Feuerbachstraße 13: Mit dabei waren Künstler Gunter Demnig (Mitte), OB Thomas Deffner (rechts), Martin Perner (2. von rechts) und Anne Ziegler von der Stadt sowie Stadtrat Hannes Hüttinger. (Foto: Oliver Herbst)
Verlegeort Feuerbachstraße 13: Mit dabei waren Künstler Gunter Demnig (Mitte), OB Thomas Deffner (rechts), Martin Perner (2. von rechts) und Anne Ziegler von der Stadt sowie Stadtrat Hannes Hüttinger. (Foto: Oliver Herbst)

Jeder Stolperstein erinnert an das Schicksal eines Menschen. Die gravierten Messingplatten widmet die Stadt seit zehn Jahren ehemaligen Ansbachern jüdischen Glaubens. Jetzt ließ sie in einer Gedenkfeier und danach elf weitere Steine im Boden verlegen. Dieses Projekt gegen das Vergessen ist noch nicht beendet.

Die Stolpersteine sind ein internationales Konzept des Künstlers Gunter Demnig. Er war bei den Terminen in Ansbach meist vor Ort, auch diesmal. Martin Perner vom städtischen Betriebsamt unterstützte ihn bei den neun Steinen in dem feierlichen Rundgang. Zwei kamen danach hinzu. Damit mahnen jetzt 130 Steine gegen das Vergessen.

Zu Beginn stand in Ansbach 2013 ein Antrag der damaligen Bürgermeister Thomas Deffner, heute Oberbürgermeister, und Hannes Hüttinger sowie der Grünen-Stadtratsfraktion. Dem folgte der Stadtrat seinerzeit einmütig.

Das Leid des jüdischen Studenten Lahav Shapira in Berlin

Der Künstler Gunter Demnig findet die zehnjährige Tradition in Ansbach toll. „Es geht weiter“, legte er generell mit Blick auf sein Projekt dar, „und es wird mehr.“

Oberbürgermeister Thomas Deffner hob in seiner Ansprache hervor: „Indem wir die Namen der Opfer des Holocaust nennen und ihre Schicksale verorten, erinnern wir an ihre Entrechtung und Demütigung, die meist im Grauen endete.“

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Traurige Realität nannte er es, dass man den Hass gegen jüdische Menschen auf den Straßen und im Netz öffentlich zur Schau trägt. Noch trauriger sei, dass den hasserfüllten Worten Taten folgten. Er sprach das Leid des jüdischen Studenten Lahav Shapira in Berlin an.

Ein propalästinensischer Student soll ihn klinikreif geschlagen und getreten haben. Bisher gibt es gegen den Mann nur ein dreimonatiges Hausverbot der Freien Universität. Deffner forderte, den mutmaßlichen Täter zu exmatrikulieren.

Kritik an zugereistem Antisemitismus heute

„Gerade jetzt ist es an der Zeit, dass wir als Demokraten das Wort für unsere Demokratie und das Grundgesetz ergreifen.“ Insbesondere der zugereiste Antisemitismus nutze die Freiheitsrechte hier für seine Zwecke, verachte sie allerdings gleichzeitig, so Deffner.

In der Feuerbachstraße 13 sind Josef Rosenfeld sowie Mina und Salomon Enslein neue Stolpersteine zugedacht, in der Cronegkstraße 5 Senta Aal sowie in der Maximilianstraße 26, am Ceslanski-Eck, Fanny, Ida und Alexander Ceslanski.

In der Maximilianstraße 14 gilt das Gedenken Therese Selling, in der Uzstraße 22 Siegfried Wittelshöfer und in der Heilig-Kreuz-Straße 13 Meta Welsch. In der Nürnberger Straße 22 erinnert ein neuer Stein an Flora Schwab, die Urgroßtante des Weltstars Billy Joel. An die fränkischen Wurzeln seiner Familie erinnerte am Samstag ein Abend im Theater Ansbach.

Eigentlich wollten zwei Angehörige mit dabei sein. Judy Blankenstein aus Israel, Tochter von Senta Aal, konnte jedoch wegen des Krieges im Nahen Osten nicht anreisen.

Nächstes Jahr wohl der letzte Termin

Ruth Ceslanski (Nürnberg) konnte gesundheitlich bedingt nicht kommen. Dies sagte Anne Ziegler von der Stadt. Als heutige Eigner des Anwesens Feuerbachstraße 13 nahm die Familie Dr. Sylvia Meyerhuber und Dr. Malte Schwertmann teil.

Der Frankenbund hatte die Schicksale wieder recherchiert, wie Anne Ziegler berichtete. Der Vorsitzende der Ansbacher Gruppe, Alexander Biernoth, und Schriftführer Stefan Diezinger trugen sie auch vor. Nur vier jüdische Menschen, derer Ansbach dieses Jahr gedenkt, überlebten das Gewaltregime im nationalsozialistischen Deutschland.

„Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir im kommenden Jahr die letzte Stolpersteinverlegung für jüdische Opfer des NS-Terrors durchführen“, stellte Biernoth fest. Er fuhr fort: „Sieht man die hohen Wahlergebnisse der rechten Parteien, speziell der AfD, und die Prognosen für die anstehenden Wahlen und hört von einem ,Remigrations‘-Geschwurbel einiger Politiker aus dem Kreis der AfD, so müssen bei allen vernünftigen Demokraten die Alarmglocken schrillen.“

Dass das Gedenken in der Faschingszeit stattfand, lag an Gunter Demnigs Terminkalender, wie Anne Ziegler bestätigte. Bernd Dittl umrahmte die Feier mit Musik und Text. Begleitet von seinem eigenen Akkordeonspiel, trug er zum Beispiel einen Text Erich Mühsams vor. Die SS ermordete den jüdischen Dichter 1934 im KZ Oranienburg.

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