In der Gemeinde Gallmersgarten bewirbt sich Amtsinhaber Michael Schlehlein nach seiner ersten Amtszeit erneut um den Posten des Bürgermeisters. Dabei endete die Nominierungsversammlung der Freien Bürger Gallmersgarten (FBG), für die Schlehlein antritt, fast im Debakel.
Von den 50 Anwesenden machten nur 17 von der Möglichkeit Gebrauch, die Liste der Freien Bürger zu unterstützen. Und von diesen sprachen sich in geheimer Abstimmung nur 13 für Schlehleins Bürgermeisterkandidatur aus. Die Chemie zwischen Bürgermeister und Gemeinderäten stimmte offenbar zuletzt nicht. Nichtsdestoweniger will der in Kürze 40-jährige Elektroanlagenmonteur und verheirateter Vater zweier Kinder weiter für die Gemeinde wirken.
Auf seiner Agenda für die nächsten sechs Jahre steht neben dem Schwerpunkt Gewerbeansiedlung vor allem die Infrastruktur. Zwar läuft der Ausbau des schnellen Internets wie geplant weiter, doch muss sich die Kommune auf den Straßenbau, sprich Sanierung, fokussieren.
Ein Blick Schlehleins gilt der Bahnbrücke der Ortsverbindungsstraße Gallmersgarten–Mörlbach, deren Sanierung mittelfristig ansteht. Hinzu kommt der im Bahnbesitz befindliche Bahnhof in Steinach, der seit einiger Zeit versperrt ist, so dass Reisende weder eine Unterstellmöglichkeit noch eine Toilettenanlage vorfinden – mit unschönen Begleiterscheinungen im Bahnhofsumfeld. Ein weiteres Ziel wäre der barrierefreie Ausbau des Umsteigebahnhofes; das wäre für Menschen mit Handicap auf der Strecke zwischen Neustadt und Rothenburg unabdingbar.
Letztlich will sich Schlehlein zusammen mit dem neuen Gemeinderat auch um die Konsolidierung der Gemeindefinanzen kümmern. Dazu benötigt er sicher auch die künftigen Ratsmitglieder der neugegründeten Liste Unabhängige Bürger Gallmersgarten, kurz UBG.
Konkurrierende Listen sind in Gallmersgarten eine Seltenheit. Seit der Gebietsreform 1972 gab es zumeist eine Gemeinschaftsliste. Nun tritt mit den UBG eine neue Gruppierung an. Beziehungsweise die FBG müssen sich neu sortieren. Denn von den amtierenden Räten bewerben sich nun – formal – vier für die UBG. Die anderen vier treten aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr an, Jürgen Täufer etwa aus Altergründen, Johannes Botsch hatte bereits bei seiner Wahl 2020 angekündigt, nur eine Periode im Kommunalparlament mitzuwirken.
Indes kommt es auch auf der UBG-Liste zu einem Novum. Der amtierender Gemeinderat Johannes Dingfelder auf Listenplatz zwei kündigte in der Januarsitzung an, ein eventuelles erneutes Mandat nicht anzutreten. Die Rücknahme seiner Nominierung kam allerdings zu spät, so dass eine Korrektur der Liste von Amts wegen nicht mehr möglich war.
Zum Grund für die Aufspaltung der Gemeinschaftsliste führt UBG-Spitzenkandidat Hermann Geuder aus, dass die amtierenden Räte ihre Unzufriedenheit mit der Arbeit des Bürgermeisters signalisieren wollten. „Ein weiter so wie bisher“ werde es nicht geben, kündigt Geuder an. Vieles habe der Ratsrunde in den vergangenen Monaten und Jahren missfallen. Er sprach von „mangelnder Transparenz gegenüber dem Gemeinderat“, die Kommunikation sei „unzureichend und gestört“. Beim Feuerwehrhaus-Anbau in Mörlbach fühle sich die Ratsrunde „nicht wahrheitsgemäß“ unterrichtet.
Es habe Auftragsvergaben teils ohne Rücksprache mit dem Gemeinderat bei mehrfacher Überschreitung des Verfügungsrahmens gegeben. Das endete damit, dass die Räte bei der Rechnungsprüfung 2022 und der Jahresrechnung 2024 dem Bürgermeister die Entlastung verweigerte. Dennoch wollen künftige UWG-Gemeinderäte zum Wohl der Gemeinde selbstverständlich mit Schlehlein zusammenarbeiten, erklärt Geuder.
Die UBG-Liste besteht im Übrigen – als eine von sieben Listen im gesamten Landkreis – ausschließlich aus Männern. Bei den FBG treten drei Frauen an, die allesamt noch nicht im Rat sind. Auf der Gemeinschaftsliste 2020 stand nur eine einzige Frau (die jedoch nicht in den Rat gewählt wurde). Die Frauenquote im Bewerberpool ist damit zwar fast viermal so hoch wie bei den vorigen Wahlen, beträgt aber trotzdem nicht ganz ein Viertel.
Auffällig ist auch der Altersunterschied der Listen. Während die FBG mit durchschnittlich gut 37 recht jung sind, liegen die UBG mit über 49 weit über dem Kreisdurchschnitt von etwa 45 Jahren. Bis auf den jüngsten sind alle UBG-Bewerber älter als die älteste FBG-Kandidatin.