Freilandtheater Bad Windsheim: Der „Nachtflug” mit dem Bio-Siegel | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.01.2025 15:00

Freilandtheater Bad Windsheim: Der „Nachtflug” mit dem Bio-Siegel

An seinem Hauptschreibplatz: Christian Laubert, der künstlerische Leiter des Freilandtheaters, in einem Ansbacher Supermarkt-Bistro. Sein neues Stück hat am 10. Januar Premiere. (Foto: Thomas Wirth)
An seinem Hauptschreibplatz: Christian Laubert, der künstlerische Leiter des Freilandtheaters, in einem Ansbacher Supermarkt-Bistro. Sein neues Stück hat am 10. Januar Premiere. (Foto: Thomas Wirth)
An seinem Hauptschreibplatz: Christian Laubert, der künstlerische Leiter des Freilandtheaters, in einem Ansbacher Supermarkt-Bistro. Sein neues Stück hat am 10. Januar Premiere. (Foto: Thomas Wirth)

Auf den Stücken, die Christian Laubert schreibt, klebt ein Bio-Siegel. Man sieht es nicht. Es muss aber da sein, denn der Theatermann bringt die Stücke aus einem Ansbacher Biomarkt nach Hause mit. „Nachtflug“, das neue Winterwandelstück des Freilandtheaters, stammt von dort.

Natürlich stehen keine fertigen Theatertexte in den Regalen, nicht einmal halbfertige. Aber ein paar Zutaten, Dinge, die auch ein Autor braucht. Obst, Gemüse, Backwaren, Drogerieartikel, solche Sachen. Und noch etwas findet Christian Laubert hier, etwas, für das es kein Preisschild gibt: Stimmengewirr, Kundenverkehr, die Hintergrundgeräusche des Lebens. Den ganz normalen Einkaufstrubel – der Theatermacher hat ihn gern zum Schreiben um sich. So ist er im Bistro des Supermarkts zum Dauergast geworden.

Christian Laubert lebt mit seiner Familie in Ansbach und gründete 2003 das Freilandtheater, das im Fränkischen Freilandmusem Bad Windsheim eigene Stücke entwickelt und aufführt: im Sommer vor einer Zuschauertribüne, im Winter verteilt auf mehrere Orte im Freilandmuseum. Das Publikum spaziert gruppenweise zu den Spielstationen.

Ein Stück zum Erlaufen

„Das Schöne am Wandeltheater ist, dass man sich die Zusammenhänge erläuft“, findet der Autor und Regisseur. Was leichter gesagt als getan ist. Damit bei einer Vorstellung alle immer rechtzeitig am richtigen Ort ist, ist ein ausgetüftelter Ablaufplan nötig. Den bedenkt Christian Laubert schon beim Schreiben.

Gerade hat er in seinem Supermarkt-Bistro eine besondere Doppelseite seines Skizzenbuch aufgeschlagen, einen Lageplan samt Handlungsanweisungen. „Nachtflug Spielorte + Epochen“ steht oben rechts. Darunter sind Gebäudeumrisse mit sicheren Strich skizziert und schöner Schrift bezeichnet: das Gasthaus, die Kapelle, das Schlösschen ... Auch das Leitwerk eines Flugzeugs ist zu erkennen. „Ufos spielen eine Rolle und der KGB“, sagt Christian Laubert mit einem Schmunzeln.

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Das Raumschiff ist keines. Es stellt sich als sowjetische Militärmaschine heraus. Mitten im Kalten Krieg hat sie ihr Pilot in der Nähe eines fränkischen Dorfes zum Absturz gebracht, um den dritten Weltkrieg zu verhindern. „Das Stück spielt 1963 und 1983. Nach zwanzig Jahre wollen zwei Ermittler herausfinden, was damals tatsächlich passiert ist“, erzählt der Stückeschreiber. Wo ist der Pilot? Wo das Flugzeug? Wo die Bombe, die an Bord war? „Die Ermittler beißen überall auf Granit, aber die Zuschauer dürfen erfahren, was damals passiert ist.“

Drei Herren, die Jahrzehnte in einer „Irrenanstalt“, so nannte man psychiatrische Kliniken seinerzeit, untergebracht waren, spielen dabei auch eine Rolle. Die anderen Dorfbewohner wollen sie schützen und verstricken sich dabei immer mehr in den Fall. Sie tun Dinge, die nicht in Ordnung sind – oder vielleicht doch? Die Geschichte des heldengleichen Piloten ist für Christian Laubert der Hintergrund, vor dem moralische Fragen verhandelt werden. Was ist gerecht, was richtig?

Theken-Gebrabbel und guter Tee

Über solche Themen sinniert er im Bio-Bistro. „Das Café ist toll, weil da immer Betrieb ist.“ Ihm behagt, dass es hier nicht so still ist, wie in einer einsamen Schreibstube. „Mein Gehirn funktioniert besser, wenn in der Umgebung auch etwas passiert.“ Musik würde ihn ablenken, aber wenn an der Theke gebrabbelt wird, hilft ihm das, sich zu fokussieren. „Und es gibt guten Tee“, sagt er.

Ab und an, wie es der Zufall will, kommen Nachbarn, Kollegen, Freunde vorbei und plaudern mit dem Theatermacher. Nicht selten profitiert seine Arbeit von solchen Anregungen. Er hat schon wieder Ideen für die nächsten Projekte. Wenn „Nachtflug“ läuft, setzt er sich an sein zweites Schachteltheater, das ist ein Hörspiel mit Utensilien, die sich am heimischen Esstisch auspacken lassen. Das Format entstand während der Corona-Pandemie.

Sommerstück mit Leinwandhelden

In seinem Schreibcafé wird Christian Laubert auch das nächste Stück durchgehen, „Abgedreht – der Sommer der Leinwandhelden“. Er schreibt es ausnahmsweise nicht selbst. Rolf Kinder, Regieassistent und Inspizient des Freilandtheaters, übernimmt die Aufgabe. Christian Laubert wird es aber inszenieren. Er freut sich schon darauf. „Der Rolf schreibt richtig gut. Er hat ein sehr gutes Gespür für Witz und Tiefe.“

Das Stück soll „lautstark, schnell und farbenfroh“ werden. Es spielt 1925 und bringt ein Filmteam ins Freilandmuseum, das dort trotz widriger Umstände einen Mittelalterschinken drehen will. Der Titel des Stummfilms kommt einem bekannt vor: „Das fliegend Schweyn“. So hieß die erste Produktion des Freilandtheaters.

„Nachtflug“ wird am Freitag, 10. Januar, uraufgeführt und bis 22. Februar gespielt. Die erste Zuschauergruppe startet um 18 Uhr, weitere folgen mit 15 Minuten Abstand.

„Abgedreht“ hat am Donnerstag, 26. Juni, 20.30 Uhr, Premiere. Das Stück steht bis 16. August auf dem Spielplan. Der Vorverkauf hat begonnen.

Weitere Infos auf der Homepage: www.freilandtheater.de


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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