Sommerzeit, Badezeit. Und dafür muss man nicht ans Meer. Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim wenden die fünf Städte und drei weitere Gemeinden viel Mühe auf, um ihre Freibäder zu Erholungs- und Vergnügungsorten zu gestalten. Unsere Zeitung geht in allen auf Stippvisite. Im dritten Teil unserer Sommerserie besuchen wir Burgbernheim. Zuvor ging es bereits um die Freibäder in Burghaslachund Neustadt.
„Signora!“, schallt es aus dem Kiosk in Richtung der Gästeschar, die es sich unter den drei Sonnenschirmen an den Tischen bequem gemacht hat. Die Bruschetta ist offenbar fertig und kann am Tresen bei der italienischen Wirtin abgeholt werden. Dazu Palmenblick, Wasserplätschern, ein bisschen Kindergeschrei. Das muss der Süden sein.
Jedenfalls liegt Burgbernheim im Süden des Landkreises. Das Freibad dort gibt es schon seit einem Jahrhundert, sagt Betriebsleiter Stefan Keller. Ursprünglich war da mal ein Löschteich. Der heutige Zuschnitt geht im Wesentlichen auf die 1970er Jahre zurück; da wurde das geflieste Nichtschwimmerbecken errichtet. Auf dieses trifft der Badegast als erstes, wenn er die Eingangspforte an der Freibadstraße passiert hat.
Das Schwimmerbecken liegt dahinter und gleichsam eine Etage tiefer. Dort, wo einst der besagte Löschteich war, wurde vor Jahrzehnten ein Betonbecken angelegt. Es hat die etwas merkwürdige Länge von gut 33 Metern.
Die heutigen Burgbernheimer, so erzählt Keller, erklären sich das so: Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die in Illesheim stationierten Amerikaner das Bad als Freizeiteinrichtung in Beschlag. Als dann das Becken neu angelegt wurde, baute man es nach anglikanischer Maßeinheit 100 Fuß lang, umgerechnet eben jene gut 33 Meter. Ob das tatsächlich so war, sei fragwürdig, betont Keller. Doch ist diese volkstümliche Erklärung zumindest originell.
Der Geländeversatz zwischen oberem und unterem Becken wird durch zwei Treppen beziehungsweise durch zwei Liegeterrassen überbrückt. Bessere Chancen auf etwas Schatten hat man freilich am Liegewiesenhang. Dort stehen etliche Bäume, teils noch etwas jung und klein, aber auch einige großgewachsene. Das Gelände bietet für einen durchschnittlichen Betriebstag mehr als ausreichend Platz; es ist kein Problem, ein Eckelchen für sich zu finden.
Unmittelbar am Hang ist auch das dritte, das Planschbecken, gesäumt von Wippen und Schaukeln. Für dieses wurde eine Beschattung mit drei Sonnensegeln eingerichtet, zwei davon hat jedoch das Unwetter Anfang August zerstört, berichtet Keller. Sie sollen wieder ersetzt werden.
Ohnehin sei die Stadt auf einen zeitgemäßen Zustand ihres Bades bedacht, sagt der 62-Jährige, der selbst einst im Betonbecken das Schwimmen lernte (damals war in dem Becken in einem Eck eine Plattform für die Nichtschwimmer eingelassen). Jedenfalls wirkt die Anlage in ihrem 70er-Jahre-Charme gut in Schuss und gut gepflegt.
Nicht allein die Burgbernheimer schätzen ihr Freibad. Neben den alljährlich so etwa 200 Dauerkartenbesitzern kommen viele Gäste auch aus dem angrenzenden Landkreis Ansbach, weiß der Betriebsleiter, und zwar hauptsächlich zum Schwimmen, was sich auch in einer eher freibaduntypischen Ruhe bemerkbar macht. Denn: „Wir sind ein Schwimmbad, kein Spaßbad“, sagt Keller. Das wüssten die Schwimmer, und so fahren etwa auch Ipsheimer nach Burgbernheim, obwohl für sie Bad Windsheim näher läge. Aber bis zu den Mittelmeerpalmen wäre es ja noch weiter.
Die Exemplare im Burgbernheimer Bad sind im Übrigen nur Sommergäste und als Kübelpflanzen auf dem Gelände verteilt. In der kalten Jahreszeit wintert der Stadtbauhof sie wieder ein, damit sie nicht erfrieren. Dann kann auch im nächsten Jahr an der Freibadstraße wieder ein bisschen Süden sein.