Bei Störungen verlassen Wildtiere ihre Ruhe- und Nahrungsgebiete. Entsprechend entsetzt ist Forstbetriebsleiter Florian Vogel über den Fluglärm am Adlerhorst bei Aurach und die aerodynamischen Kräfte der Rotorblätter, die auf die Greifvogelfamilie einwirken.
Mit großem persönlichen Engagement und vielen Naturschutzbemühungen ist es den Mitarbeitern des Forstbetriebs Rothenburg der Bayerischen Staatsforsten gelungen, Fischadler im Landkreis Ansbach anzusiedeln. Ein hoffnungsvolles Zeichen für die Biodiversität. Der Fischadler steht auf der „Roten Liste” der gefährdeten Arten und genießt deshalb rechtlichen Schutz.
Nisthilfen lockten den besonderen Gast auf Brautschau erstmals 2019 in den westlichen Landkreis Ansbach. Ein Waldstück bei Aurach erwies sich als geeignetes Brutgebiet. Das Umfeld wird vom Forstbetrieb seitdem nicht mehr bewirtschaftet, um die Adler nicht beim Brutgeschäft und bei der Aufzucht der Jungen zu stören. Etliche Hektar fallen damit für den Holzeinschlag flach zugunsten von Naturräumen
Insgesamt 14 Jungvögel sind in den vergangenen sieben Jahren geschlüpft. Der jüngste Nachwuchs wird gerade flügge. Eines der beiden Fischadler-Jungen startete am Freitag um die Mittagszeit seinen ersten Flugversuch. Lange stand der Jungvogel zögerlich an der Nestkante, ehe er sich traute. Nach der unbeholfenen Übung flatterte er kurz darauf wieder ins Nest zurück. Noch sind die Jungvögel nicht selbstständig und werden deshalb die nächsten Wochen weiter von ihren Eltern umsorgt und trainiert.
Eine an der Nisthilfe installierte Wildkamera mit Funk macht Aufnahmen vom Greifvogel-Familienleben. Zusätzlich beauftragte der Forstbetrieb einen Amateurfotografen mit Profiausrüstung für einzigartige Tieraufnahmen. Er blieb in seinem Versteck unbemerkt.
Während dieser Zeit der Beobachtungen wurde die Ruhe plötzlich durch den Überflug eines Rettungshubschraubers durchbrochen. „Es handelte sich um eine Notfallrettung”, wie Jochen Oesterle, Sprecher der gemeinnützigen ADAC-Luftrettung im Nachgang gegenüber der Redaktion erklärte. In solchen Fällen würde die schnellste und kürzeste Flugstrecke genommen, manchmal eben auch über Naturschutzgebiet. Für den Forstbetriebsleiter ein „nachvollziehbarer Grund”.
Einige Zeit später schreckte erneut Fluglärm die Adlerfamilie auf. Ein US-Militärhubschrauber überflog das Gebiet mit dem Horst. Fischadler seien extrem störanfällig und besonders sensibel gegenüber Lärm, sagt der Forstbetriebsleiter. „Unsere Bruterfolge dürfen nicht zunichte gemacht werden.” Er wandte sich an die Regierung von Mittelfranken als höhere Naturschutzbehörde, „um zumindest die militärischen Überflüge zu stoppen”.
Die Behörde nahm Kontakt mit der US-Armee auf und unterstrich die Notwendigkeit, den Standort des Horstes großräumig zu umfliegen. Man werde die Flugplaner „entsprechend unterrichten”, hieß es. Auf Nachfrage der Redaktion erklärte Lydia LaRue, Sprecherin der 12. US-Kampfhubschrauberbrigade: „Nachdem wir von der Existenz dieses Nestes erfahren haben, haben wir beschlossen, dieses Trainingsgebiet nächste Woche vorübergehend zu schließen.”
Man werde Maßnahmen zum Schutz des Nestes ergreifen, „um Störungen in Zukunft zu vermeiden”. Die Sprecherin bestätigte, dass einer der AH-64E-Hubschrauber zum genannten Zeitpunkt in der Gegend geflogen ist. Der Standort sei Teil eines festgelegten Tiefflugtrainingsgebiets mit einer nahe gelegenen Landezone.