FLZ-Auszeichnung: Paul Bornowski ist Ehrenamtlicher des Monats Oktober | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.11.2026 16:30

FLZ-Auszeichnung: Paul Bornowski ist Ehrenamtlicher des Monats Oktober

Paul Bornowski setzt sich dafür ein, dass die Nahversorgung in Langfurth erhalten bleibt. (Foto: Andrea Walke)
Paul Bornowski setzt sich dafür ein, dass die Nahversorgung in Langfurth erhalten bleibt. (Foto: Andrea Walke)
Paul Bornowski setzt sich dafür ein, dass die Nahversorgung in Langfurth erhalten bleibt. (Foto: Andrea Walke)

Der Dorfladen in Langfurth gehört zu den ältesten Initiativen dieser Art in der Region. Mitgegründet hat die dahinter stehende Genossenschaft vor 20 Jahren Paul Bornowski. Bis heute setzt sich der Vorsitzende für die Nahversorgung im Ort ein. Dafür hat ihn die Jury bei der Aktion „Mein Ehrenamt” zum Oktober-Preisträger gekürt.

„Das ist einzigartig, was wir haben”, sagt Bornowski nicht ohne Stolz. Initiiert hat das Projekt die frühere Bürgermeisterin Edith Stumpf, die zu Beginn selbst Genossenschafts-Vorsitzende war. Nachdem es in Langfurth über Jahre kein Lebensmittelgeschäft mehr gegeben hatte, war das erklärte Ziel, die Bürgerinnen und Bürger vor Ort wieder mit Waren des täglichen Bedarfs zu versorgen. Außerdem sollte ein sozialer Treffpunkt entstehen.

Eröffnung des Dorfladens im Mai 2007

Bornowski erinnert sich noch an die Gründung der Genossenschaft im Jahr 2006. Über 160 Einwohnende zeichneten die ersten Anteile, heute sind rund 320 Personen beteiligt. Auch die Gemeinde ist dabei. Im Mai 2007 eröffnete der Dorfladen schließlich im Saal des Gasthofs Grüner Baum. Paul Bornowski wurde in den Aufsichtsrat gewählt, 2008 folgte er als Vorstandsvorsitzender auf Edith Stumpf. An den heutigen Standort – die ehemalige Schlecker-Filiale – zog das Geschäft 2013. Dort steht mit rund 200 Quadratmetern eine größere Verkaufsfläche zur Verfügung.

Sechs Festangestellte, darunter einige Teilzeitkräfte, stemmen das tägliche Geschäft. Vorstand und Aufsichtsrat arbeiten unentgeltlich. Von den Aufsichtsrätinnen und den Genossenschaftsmitgliedern unterstützen ebenfalls einige zeitweise beim Einräumen der Ware und beim Verkauf. „Wir sind dankbar dafür”, betont Bornowski. Ansonsten müsste der Laden zubleiben, wenn das feste Personal krankheitsbedingt ausfällt.

Der Fokus liegt auf regionalen Produkten

Paul Bornowski selbst arbeitet oft unsichtbar im Hintergrund: Er ist unter anderem für die finanziellen Angelegenheiten zuständig, handelt Konditionen mit neuen Lieferanten aus oder kümmert sich um Kunden-Beschwerden. Acht bis zehn Stunden investiert er pro Woche in sein Ehrenamt. Seinem Einsatz ist es auch zu verdanken, dass eine Postfiliale und eine Lotto-Annahmestelle eingezogen sind. „Ich bin aber nicht der Alleinmacher”, betont er.

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Damit das Projekt interessant bleibt, gilt es, immer wieder kreativ zu sein. „Wir erfinden uns jeden Tag neu.” So entstand am alten Standort auch ein Weihnachtsmarkt, der zusammen mit den Ortsvereinen gestaltet wurde. Bis zur Corona-Krise hat ihn federführend das Dorfladen-Team organisiert. Inzwischen wurde die Veranstaltung vom Weihnachtsdorf des Sportvereins abgelöst.

Café-Eck soll auch Treffpunkt sein

Beim Sortiment im Dorfladen liegt ein Fokus auf Produkten von regionalen Erzeugern, die beispielsweise Saft, Käse, Eier, Milch und Metzgerwaren liefern. „Wir versuchen natürlich, die Lokalen einzubinden, wenn jemand auf uns zukommt.” Das Geschäft soll aber nicht nur die Nahversorgung sicherstellen, sondern auch ein Treffpunkt sein.

Es gibt ein Café-Eck mit Sitzgelegenheit und einer Kaffeemaschine. Mittwochs wird Kuchen angeboten, den ebenfalls Ehrenamtliche oder Mitarbeitende backen. Besonders ältere Leute nutzen das Angebot, um sich ein wenig auszutauschen. „Ab und zu setzen sich aber auch Menschen hin, um mit dem Notebook zu arbeiten”, hat Bornowski beobachtet.

Kooperationen mit der Grundschule und der Awo

Im Gespräch bleibt der Dorfladen auch dank mehrerer Kooperationen. Beim Schulobst-Programm arbeitet das Team mit der Grundschule Wittelshofen zusammen. Alle zwei Wochen bekommen die Kinder frische Früchte – das Projekt wird über Gelder der Europäischen Union finanziert. Auch der Kindergarten gestaltet regelmäßig einen „gesunden Tag” mit Lebensmitteln aus dem Geschäft. Einmal wöchentlich holen Mitarbeitende der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Lebensmittel für einen Marktstand in der Cafeteria des Wassertrüdinger Seniorenheims. So können auch die Bewohnenden, die nicht mehr so mobil sind, einkaufen gehen. Es sei schön, wenn man selbstständig sein könne, findet Bornowski.

Aber auch ältere Menschen, die noch daheim leben und nicht mehr selbst in den Laden kommen können, hat er im Blick. Während der Corona-Pandemie führte er zusammen mit einer Aufsichtsratskollegin einen Lieferdienst ein, der bis heute besteht – wenn er auch derzeit nur noch von einer Seniorin in Anspruch genommen wird. „Wir machen das, um zu zeigen, dass wir für die Gemeinschaft da sind.” Einmal pro Woche wird die Bestellung ausgeliefert, das übernimmt er meist selbst. „Es ist mir ein Anliegen, mit den Menschen im Gespräch zu bleiben.”

Kampf gegen finanzielle Herausforderungen

Finanziell geht es für den Dorfladen auf und ab. „Anfangs war die Euphorie groß”, sagt der Vorsitzende. Doch spätestens 2020 klagten die Verantwortlichen über stark rückläufige Umsätze – das Geschäft stand kurz vor der Schließung. Paradoxerweise war es dann gerade die Pandemie, die die Rettung brachte. „Corona hat uns Aufwind beschert”, erzählt er. „Aber wir sind danach wieder abgefallen. Als jeder wieder fort durfte, war der Dorfladen halt nicht mehr für alle der Mittelpunkt.” Seit etwa zwei Jahren kämpft das Team erneut mit finanziellen Herausforderungen. Ein Umsatz von 50.000 Euro im Monat wäre eigentlich nötig, um eine schwarze Null zu erwirtschaften. Meist kommt man aber nur auf etwa 40.000 bis 45.000 Euro.

Die kommunale Verwaltung sprang bereits ein, um den Verlust zu mindern. „Die Gemeinde hält etwa 43 Prozent unserer Anteile – einfach, um zu zeigen, dass sie dahintersteht”, berichtet Bornowski. „Aber wir wollen ja nicht von fremden Geldern leben, wir wollen ja selber produktiv sein.” Helfen würde, wenn noch ein paar mehr Bürgerinnen und Bürger das Projekt unterstützen. „Viele sagen, wir sind zu teuer”, bemerkt er. „Aber wir können nicht bei Angebotspreisen mithalten, wo die Butter für 79 Cent verkauft wird.”

Oft denkt Bornowski nicht ans Aufgeben. Aber manchmal ärgert er sich, wenn Menschen hereinkommen und sagen: „Jetzt habt ihr das und das nicht.” Beim Einkauf müsse mit spitzem Bleistift kalkuliert werden, erklärt er. Denn alles, was im Regal liegt, wird vorfinanziert. „Unser Kapital ist, was wir hier herumstehen haben.” Gerade bei Lebensmitteln mit Mindesthaltbarkeitsdatum soll vermieden werden, dass man sie am Ende vielleicht entsorgen muss.

Vielleicht gibt es eine Jubiläumsfeier

Wenn die Gesundheit es hergibt und das Team die Unterstützung der Genossenschaftsmitglieder, der Kundschaft und der Gemeinde hat, will sich Bornowski weiter für den Dorfladen einsetzen. „Wir können nur etwas bewegen, wenn es jemand macht.” Wie das 20-jährige Bestehen im nächsten Jahr begangen wird, steht noch nicht fest, aktuell ist aber eine Art Feier angedacht. „Wir probieren es. Es könnte unser letzter Geburtstag sein. Es könnte aber auch einer von vielen sein”, sagt er mit Blick auf die ungewisse Zukunft des Projekts.

Viel Freizeit bleibt Paul Bornowski neben seinem Hauptberuf als Berater für Unternehmensplanung und dem Dorfladen nicht. Er engagiert sich noch im Vorstand einer Freikirche in Gunzenhausen. „Und ich reise gerne mit meiner Frau. Die Zeit, die ich nicht im Dorfladen verbringe, muss ich weg. Denn wenn ich hier bin, dann ist er wie ein Magnet, der mich anzieht.”

Für sein Engagement wird Paul Bornowski bei der Aktion „Mein Ehrenamt” mit dem Preis für den Monat Oktober ausgezeichnet. Sie kennen auch eine Person aus der Region, deren ehrenamtliches Engagement einen Preis verdient hätte? Dann schlagen Sie sie über unser Bewerbungsformular vor. Hier finden Sie alles zur Aktion.


Andrea Walke
Andrea Walke
... ist Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach und seit Dezember 2012 bei der FLZ. Sie fühlt sich in Rathäusern genauso wohl wie in Gerichtssälen und trifft am liebsten Menschen, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Seit 2017 betreut sie redaktionell die Aktion "FLZ lesen & helfen".
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