Über Verzögerungen bei der Erschließung und zu viel Verkehr auf einem Feldweg hinter ihrem Haus beschwert sich eine Bewohnerin des Baugebiets Wolfsgruben II in Flachslanden. Wegen der Verkehrssituation hat sie vor dem Verwaltungsgericht Klage gegen die Kommune eingereicht.
Von einem Haus in ruhiger Lage hatte die Bürgerin geträumt, die ein Grundstück in Flachslandens Neubaugebiet erworben hatte. Den Bauherren sei zugesagt worden, „dass die Erschließung 2022 im September fertig gestellt ist und wir dann spätestens anfangen können“, erzählt sie. Sie verließ sich darauf, stellte eine Finanzierung auf die Beine und gab das Haus in Auftrag.
Wenn die Baufirma nicht zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt aufs Grundstück könne, verteuere sich das Projekt, schildert die Frau. Letztendlich habe der Markt Flachslanden die Straße statt im September erst im Dezember freigegeben. „Es gab zig Verzögerungen bei der Erschließung.“ Unter anderem seien Kanaldeckel erst zu tief gesetzt worden.
Besonders ärgert sich die Bürgerin darüber, dass ein Unternehmen, welches ihre Zisterne bringen wollte, von der Erschließungsfirma wieder weggeschickt wurde. „Obwohl ich das abgeklärt hatte.“ Sie bekam eine Rechnung von knapp 500 Euro für die fehlgeschlagene Lieferung und leitete diese an die Gemeinde weiter.
Die Verwaltung weigert sich jedoch, die Rechnung zu bezahlen. „Wir sind der Meinung, das ist ungerechtfertigt“, bekundet Bürgermeister Hans Henninger. Denn die Zisterne hätte auch über den Feldweg hinter dem Grundstück angeliefert werden können. Da dieser geschottert sei, könne er auch bei Nässe befahren werden.
Erst kurz vor Fristende habe sie die Erlaubnis bekommen, aufs Grundstück zu fahren und so Mehrkosten im mittleren fünfstelligen Bereich vermeiden können, sagt die Bürgerin. „Sonst wäre ich bankrott gewesen.“ Sie hat mitbekommen, dass mehrere andere Bauherren den Kauf ihrer Grundstücke rückabwickelten und sieht den Grund in der Verzögerung.
Rathauschef Henninger bestätigt zwar, dass die Gemeinde rund 15 Grundstücke zurückgekauft hat. Konkrete Gründe seien von den Besitzern aber nicht genannt worden. Auch an weitere Beschwerden wegen der Erschließung kann er sich nicht erinnern. Stattdessen vermutet er als Ursache die 2022 stark gestiegenen Zinsen und Baukosten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Dies habe oftmals zu Finanzierungsproblemen geführt. „In anderen Baugebieten ist es genau dasselbe.“
Inzwischen seien viele Flächen wieder verkauft, berichtet er. Aktuell gibt es noch zwei freie Bauplätze für auswärtige Interessenten. Zehn weitere müssen laut Gemeinderatsbeschluss für Einheimische zurückgehalten werden.
Die Sorge der Bürgerin wegen einer drohenden Vertragsstrafe kann Henninger zwar nachvollziehen. Aber er habe mehrfach mit der Erschließungsfirma gesprochen und sich dafür eingesetzt, dass sie auf ihr Grundstück kann, betont er. Mit dem Unternehmen sei die Verwaltung sehr zufrieden.
Zwar sei der Abschluss tatsächlich zunächst für September geplant gewesen, jedoch habe es – ebenfalls wegen des Ukraine-Kriegs – Probleme bei den Lieferketten gegeben. Eine Verzögerung von rund drei Monaten findet der Bürgermeister bei einem Bauprojekt aber durchaus normal. „Das ist doch nichts Ungewöhnliches.“
Ein weiteres Streitthema ist der Feldweg, der am Haus der Bürgerin vorbeiführt. Die Frau hatte bewusst eine Fläche am Rand gekauft. „Ich wollte ein Grundstück, das ein bisschen ruhiger liegt.“ Seit der Feldweg von der Erschließungsfirma geschottert worden sei, „wird er stark frequentiert“, klagt sie. „Wenn Feierabend ist, fahren viele durch.“ Sie will, dass die Gemeinde den Weg nur noch für die Land- und Forstwirtschaft freigibt.
Der Gemeinderat hat jedoch entschieden, derzeit kein Schild aufstellen zu lassen. Die Verkehrssituation sei nicht repräsentativ, weil aktuell viele Baufahrzeuge und anliefernde Lkw über den Weg fahren. „Wir sehen keine Veranlassung, dort zur Zeit etwas zu machen“, so Henninger. Wenn alle Häuser stehen und sich noch andere Bürger beschweren, könne man über ein Schild nachdenken. Die Streitsache liegt nun beim Verwaltungsgericht in Ansbach.
Warum verschieben sich Bauprojekte – gleich, ob privat oder kommunal – so häufig? Die FLZ hat bei Christine Volland, Obermeisterin der Bauinnung Ansbach-Feuchtwangen-Dinkelsbühl, nachgefragt.
„Ich würde immer mit Verzögerungen rechnen“, empfiehlt Christine Volland Bauherren ganz allgemein. Baufirmen seien immer von ihren Vorlieferanten abhängig.
Sie erklärt die Situation am Beispiel von Kanalrohren. „Wo sind die Rohre bestellt worden? Hat der Hersteller Lieferprobleme? Kommen die Rohre aus dem Ausland? Sind es spezielle Rohre?“ All diese Faktoren haben einen Einfluss – genau wie das Wetter: „Hat es viel geregnet, ist der Boden durchnässt.“
Dann könne die Firma vielleicht nicht auf das Grundstück, weil die Baumaschinen sonst einsinken. Eine weitere Rolle spielen laut Volland Personalprobleme. Auf einer Baustelle führt der Polier die Aufsicht und weist die Mitarbeiter an. Wenn er krankheitsbedingt ausfällt und weitere Poliere der Firma anderweitig verplant sind, steht der Betrieb still. Verzögerungen können somit ganz unterschiedliche Ursachen haben.
„Wir am Bau sind halt nicht mit einer industriellen Fertigung zu vergleichen.“Im Allgemeinen rät Volland, die Baufirma sorgsam auszuwählen und nicht auf die scheinbar eierlegende Wollmilchsau hereinzufallen: „Gut, billig und schnell – alles geht nicht“, sagt sie. Bist du gut und billig, dann bist du nicht schnell. Bist du gut und schnell, dann bist du nicht billig. Bist du billig und schnell, dann bist du nicht gut.“