Ist der Otter erst mal angekommen, dann wird man ihn nur schwer wieder los. So ließ sich der Vortrag von Wolfgang Städtler zusammenfassen, den der Experte für den Schutz heimischer Fischgewässer in Birnbaum hielt. Ihm lauschten rund 40 Teichwirte aus dem Aischgrund, denen es zwischendurch angst und bange geworden sein dürfte.
Die Sorgen der Teichwirte sind nicht weiter überraschend, haben sie mit dem Kormoran doch gerade erst einen anderen Fischräuber einigermaßen überstanden. Der Großvogel darf nach bayerischem Recht nun unter bestimmten Voraussetzungen „entnommen“ werden – ein anderes Wort für „erlegt“ – doch der im bayerischen Osten schon wieder heimisch gewordene Otter ist noch ein ganz anderes Kaliber.
Der Otter nämlich, so referierte es Städtler, sei ein wahrer „Vernichter“ in den Fischteichen, der nicht etwa nur seinen Hunger stille, sondern den Karpfen in einem wahren Blutrausch Stück um Stück den Garaus mache. Nachdem er und seine Nachkommenschaft sich satt gegessen hätten, kämen dann andere Tiere ans Ufer, um sich an den blutigen Überresten gütlich zu tun – unter anderem den Fuchs und auch den Biber nannte Städtler.
Nun könnte man meinen, man spricht hier von einigen wenigen Fällen und einem vier- bis fünfstelligen Schadensbetrag über das Jahr verteilt. Weit gefehlt: Im Freistaat waren über die Jahre 2022 und 2023 hinweg jeweils Schäden von rund 2,3 Millionen Euro gemeldet worden. „Da sprechen wir jetzt nur von den anerkannten Zahlen“, sagte Städtler – die Dunkelziffer liege womöglich noch deutlich darüber. Und weil der Staat nur einen Teil der Ausfälle erstattet, hätten in der Oberpfalz schon eine ganze Reihe von Teichwirten aufgegeben. Denn: „Es rechnet sich nicht mehr.“
Vor ein paar Jahrzehnten galt der Fischotter in Deutschland noch als beinahe ausgestorben – mittlerweile hat sich die Population durch Zuzug aus der Tschechei auf rund 4,3 Tiere auf 100 Quadratkilometern der Nachweisgebiete eingependelt. Diese Regionen liegen vorzugsweise im Osten Bayerns – vor allem eben in der Oberpfalz.
In Mittelfranken ist er bisher noch nicht heimisch geworden, aber das dürfte sich alsbald ändern, prognostizierte Städtler. Das Pikante dabei: Die bayerische Staatsregierung gebe Jahr für Jahr Millionenbeträge aus, um den durch den Otter verursachten Schaden zu kompensieren, während der Bund in Ostdeutschland sieben Millionen Euro für ein Otter-Ansiedelungsprogramm locker gemacht habe.
Auf rund 1500 Tiere werde die bayerische Fischotter-Population mittlerweile geschätzt, der nachtaktive Räuber dürfe nach wie vor nicht bejagt werden. Was also tun? Dafür stellte Städtler das Drei-Säulen-Modell vor: Beratung, Zaunbau und Entschädigung. Das bedeutet: Sobald man den Verdacht hat, dass ein Fischotter sich in die eigenen Gefilde verirrt hat, solle man beispielsweise bei ihm oder anderen Fachleuten vorsprechen, um das zu überprüfen. „Sie können das anhand der Losung (Kot) oder der Spuren sehr leicht feststellen.“
Als Schutz werde er meistens einen Zaun empfehlen, so Städtler weiter – als am effektivsten habe sich ein kombiniertes Exemplar aus Holzlatten mit Untergrabungsschutz und Elektrodrähten erwiesen. Das allerdings sei nicht ganz billig – da komme der laufende Meter schon auf über 100 Euro. Immerhin: Ein solcher Zaun werde vom Staat mit bis zu 60 Prozent gefördert, den Rest muss der Teichwirt selbst bezahlen.
Ein Problem gibt es – neben den Kosten – mit den Zäunen allerdings auch weiterhin: In Naturschutzgebieten würden diese meistens gar nicht erst nicht genehmigt. Und damit komme dann die angestrebte vierte Säule des Modells ins Spiel, die allerdings bisher noch nicht durchsetzbar sei: die Entnahme, also die Bejagung des Fischotters. Eine entsprechende Verordnung der Staatsregierung sei durch Klagen allerdings gekippt worden – interessanterweise durch niedersächsische Umwelt- und Naturschutzverbände, die von den Problemen der bayerischen Teichwirte keine Ahnung hätten.
Während Städtler am Ende seines Referats auf ein Fazit verzichtete, wurde Michael Mader, Beauftragter des Bezirks für das Fischereiwesen, sehr deutlich: „In der Oberpfalz ist es schon fünf nach zwölf, bei uns ist es noch fünf vor. Aber es kann doch nicht sein, dass beispielsweise die Grünen im Fischotter nur das possierliche Tierchen sehen, während in der Oberpfalz schon reihenweise die Teichwirte aufgeben.“