Firma in Weidenbach arbeitet für die weltweite Wärmewende | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.05.2025 07:00

Firma in Weidenbach arbeitet für die weltweite Wärmewende

Dr. Markus Heusch (links) und Henning Adelt sind Geschäftsführer bei Aprovis. An der Wand haben Auszubildende weltweite Projekte dargestellt. (Foto: Stefan Neidl)
Dr. Markus Heusch (links) und Henning Adelt sind Geschäftsführer bei Aprovis. An der Wand haben Auszubildende weltweite Projekte dargestellt. (Foto: Stefan Neidl)
Dr. Markus Heusch (links) und Henning Adelt sind Geschäftsführer bei Aprovis. An der Wand haben Auszubildende weltweite Projekte dargestellt. (Foto: Stefan Neidl)

Die Kraft steckt schon im Namen: Aprovis, eine Wärme- und Energietechnikfirma aus Weidenbach, hat sich für ihren Firmennamen das lateinische Wort für Stärke (vis) ausgeliehen.

Als Vier-Mann-Betrieb im Jahr 2000 gegründet, arbeiten heute dort 300 Menschen an internationalen Standorten und erwirtschaften fast 100 Millionen Euro Umsatz.

Landkreis Ansbach und die Gemeinde Weidenbach Ort sind stolz auf das weltweit tätige Unternehmen. Anlässlich des 25. Gründungsjubiläums machten sich auch Bürgermeister Willi Albrecht und Landrat Dr. Jürgen Ludwig ein Bild. „Aprovis ist ein Vorzeigeunternehmen mit Innovationskraft und meistert den Wandel in einer dynamischen Branche“, befand der Landrat danach.

Doch wie kam es dazu? Firmengründer Dr. Steffen Hauff war in den 1990er-Jahren bei einem Maschinenbauunternehmen beschäftigt. Als dieses um 2000 in die Insolvenz ging, beschloss er, eine eigene Firma zu gründen. Geschäftsführer Dr. Markus Heusch erinnert sich: „Die Firma deckte zu viele Felder ab. Hauff wollte sich konkret auf Wärme- und Energieplanung spezialisieren.“

Mit drei weiteren Mitarbeitern eröffnete er ein Büro im privaten Keller in Weidenbach. Der Erfolg stellte sich schnell ein – schon 2001 erwirtschafte man 1,8 Millionen Euro Umsatz.

Im Ausland unabhängiger von deutscher Politik

2003 folgte ein Umzug ins erste Bürogebäude gegenüber des heutigen Firmengeländes. 2004 stieß Heusch zum Team. Er sagt: „Wir leisten einen Beitrag zur Energiewende und profitieren unter anderem vom Erneuerbare-Energien-Gesetz.“ Das war zugleich Fluch und Segen: Zwar kamen dazu stets Aufträge rein, zugleich war man aber von den gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland abhängig, 90 Prozent aller Aufträge kamen aus dem Inland. Um sich unabhängiger zu machen, begann Aprovis, verstärkt Märkte im Ausland zu erschließen.

Co-Geschäftsführer Henning Adelt erläutert die damalige Strategie: „Aprovis fuhr quasi auf zwei Linien: Internationalisierung und eine Erweiterung der Produktpalette.“ Bald reichte auch das Bürogebäude nicht mehr. 2011 folgte der Neubau des heutigen Firmengeländes an der Ornbauer Straße, das auch immer wieder erweitert wurde. Das Unternehmen hat weitere Standorte in Carpi (Italien) und in Indonesien.

Doch was macht Aprovis eigentlich? Heusch muss etwas schmunzeln: „So leicht ist das gar nicht zu erklären.“ Im Kern plant, baut und wartet das Unternehmen Energiesysteme. Bei der Industrie-Produktion entstehende Wärme wird transferiert und dort hingeführt, wo sie gebraucht wird. Zum Beispiel kann beim Backen entstehende Abwärme einer Großbäckerei zur Heizung der eigenen oder fremder Räume genutzt werden.

Gaskraftwerk mit Wasserstoff betreibbar

Ein Paradebeispiel ist ein Projekt der Stadtwerke Kiel: Hier hatte Aprovis 2015 ein altes Kohlekraftwerk zu einem Erdgas-Blockheizkraftwerk umgebaut: „Dort erzielt man einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent und spart die Hälfte an CO2 ein. Die 20 Motoren können bei Wind- und Dunkelflaute jederzeit eingeschaltet werden und so einen Ausfall bei den erneuerbaren Energien auffangen.“ Theoretisch ist das Kraftwerk auch mit Wasserstoff betreibbar.

Dies sind nur zwei Beispiele aus der Produktpalette. Kraft-Wärme-Kopplung, Gasentfeuchtung, Biogasanlage – Aprovis kann alles liefern. Auch ein Geheimnis des Erfolgs: „Wir liefern quasi alles aus einer Hand, ein Rundum-Sorglos-Paket. Dieses Angebot hat kein Konkurrent“, sagt Adelt.

Aber die wichtigste Komponente sind die Mitarbeiter – darin stimmen Heusch und Adelt überein: „Wir wollen, dass sie bis zum Rentenalter bei uns bleiben. Aprovis ist stolz auf seine Firmenkultur.“ Allein in Weidenbach arbeiten aktuell 260 Menschen, Tendenz steigend.

Gründercampus, Labore, Teststände

Um für sie und ihre Kunden attraktiv zu bleiben, will Aprovis den Standort ausbauen und investieren. Heusch erklärt: „Wir wollen Raum schaffen, um in diesen hineinzuwachsen.“ Dazu gehören Schulungsgebäude, Labore, Teststände. Das ehemalige erste Bürogebäude soll zum Gründercampus werden. Für das Wohlbefinden der Mitarbeiter sollen Kantine und sogar ein Parkhaus kommen.

2025 erwartet Aprovis einen Umsatz von 91 Millionen Euro, betreibt Projekte in über 100 Ländern, hat über 300 Mitarbeiter im In- und Ausland. Gründer Hauff mischt sich zwar in das Alltagsgeschäft nicht mehr ein, schaut aber als Gesellschafter immer noch auf die Finger. Er hatte einst erlebt, dass ein zu breit aufgestelltes Unternehmen scheitern kann. Besteht diese Gefahr wieder? „Nein, denn diese Erfahrung von damals nehmen wir mit und haben daraus gelernt“, versichern Adelt und Heusch.

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