Angesichts von Klimawandel und hohen Energiepreisen wächst auch in Feuchtwangen das Bewusstsein für die Notwendigkeit, verstärkt auf die Produktion von Erneuerbaren zu setzen. Doch direkt vor der eigenen Haustüre will kaum jemand große Solarfelder – und Windräder schon gar nicht.
Aus diesem Grund sei es wichtig, die Bürgerinnen und Bürger in die Diskussion einzubinden und weiter für Aufklärung zu sorgen, zeigten sich jetzt die Redner bei einer Informationsveranstaltung überzeugt. Zu dieser hatten dritter Bürgermeister Herbert Lindörfer (CSU) und Stadtrat Dr. Marko Hedler („Wir“/Grüne) unter dem Motto „Klimawandel und historische Stadt – Überhitzung im Sommer, Trockenheit vs. Starkregen“ in die Räume der Stadtwerke Feuchtwangen (StWF) eingeladen.
Eingangs meinte Technischer Werkleiter Lothar Beckler, in Sachen erneuerbare Energien gingen die Verantwortlichen in Feuchtwangen „den richtigen Weg mit Maß und Verstand“. Zugleich forderte er die Bevölkerung auf, eigene Vorschläge für die Arbeit am Klimaschutzkonzept der Stadt einzubringen. Dieses solle bis Ende Januar des kommenden Jahres stehen.
Derweil stellte Klimaschutzmanager Daniel Reimer die Maßnahmen vor, die er im Rahmen des auf zwei Jahre angelegten Projekts bisher entwickelt hat. Demnach lässt sich der Treibhausgasausstoß in Feuchtwangen unter anderem durch Einsparungen bei der Straßenbeleuchtung, die Stärkung des Öffentlichen Personenverkehrs und eine Verbesserung der IT-Infrastruktur mindern.
Ebenso empfahl der Klimaschutzmanager die Anpassung der Wälder und den Hochwasserschutz an der Sulzach. Die Bürgerinnen und Bürger gelte es zu sensibilisieren, damit sie mehr auf regionale Produkte setzen. Und beim Stromsparen sowie mit Blick auf PV-Anlagen erhielten Firmen Unterstützung von der StWF-Tochter-Gesellschaft Nahkraft.
Als weiteres wichtiges Handlungsfeld nannte Reimer das Flächenmanagement. Da gelte es, weitere Versiegelungen im Stadtgebiet zu vermeiden und Ausgleichsflächen ebenso wie die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten.
Die Entsiegelung sowie die Anlage zusätzlicher Grünflächen in den Innenstädten stellte auch Klaus-Jürgen Edelhäuser aus Rothenburg in den Mittelpunkt seines Referats. Zunächst schilderte der Referent, der Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurskammer-Bau ist, jedoch eindringlich die negativen Auswirkungen des seit Ende des 19. Jahrhunderts deutlichen Temperaturanstiegs, der in jüngerer Zeit rasant zunehme. Gerade historisch gewachsene Stadtzentren mit wenig Grün heizten sich im Sommer extrem auf. Damit einher gehe eine höhere Sterblichkeitsrate besonders bei Menschen mit Kreislauf-Schwäche.
Gleichwohl sah der Referent Chancen, den weiteren Anstieg der Temperatur doch noch auf dem aktuellen Niveau stoppen zu können. Dazu müsse aber umgehend der CO2-Ausstoß drastisch reduziert werden: „In 30 Jahren ist es zu spät.“
Aufgrund der bisherigen Entwicklung müssten die Menschen im Winter zwar weniger heizen, im Sommer aber mehr kühlen – mit der Folge, dass Klimaanlagen zusätzliche Wärme nach außen hin zum Straßenraum abgeben.
Jedoch biete die Natur selbst gute Möglichkeiten zur Kühlung – etwa über die Verdunstung: Dazu appellierte der Referent, Flächen zu entsiegeln, um die Feuchtigkeit vor Ort zu halten. Denn: „Wenn das Wasser wegläuft, dann wird es im Sommer brütend heiß.“ Als eine weitere Lösung empfahl Edelhäuser Grünstreifen neben den Straßen. Deren Bordsteine ließen sich mit Lücken setzen, damit der Niederschlag von der Fahrbahn direkt zu den Pflanzen hin fließt. Darüber hinaus profitierten die Menschen ebenso wie das Stadt-Klima von mehr Bäumen sowie von begrünten Dächern und Fassaden.
Nach konkreten Vorschlägen für Feuchtwangen befragt, erklärte der Fachmann, wegen des historischen Ensembles am Marktplatz würde er diesen so lassen, wie er ist. Aber entlang der daran anschließenden Straßen gebe es sehr wohl Möglichkeiten, um zu entsiegeln und zu begrünen.