Feuchtwangen erinnert sich: Gedenkfeier zum Jahrestag der Novemberpogrome 1938 | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.11.2025 18:00

Feuchtwangen erinnert sich: Gedenkfeier zum Jahrestag der Novemberpogrome 1938

Vor der ehemaligen Synagoge in Feuchtwangen fand eine Gedenkfeier für die Feuchtwanger Opfer des nationalsozialistischen Regimes statt. (Foto: Wolfgang Hauf)
Vor der ehemaligen Synagoge in Feuchtwangen fand eine Gedenkfeier für die Feuchtwanger Opfer des nationalsozialistischen Regimes statt. (Foto: Wolfgang Hauf)
Vor der ehemaligen Synagoge in Feuchtwangen fand eine Gedenkfeier für die Feuchtwanger Opfer des nationalsozialistischen Regimes statt. (Foto: Wolfgang Hauf)

„Erinnern heißt, nicht zu vergessen” war der Leitgedanke der Gedenkveranstaltung vor der ehemaligen Synagoge, mit der Feuchtwangen jedes Jahr an die Opfer der Novemberpogrome 1938 erinnert. Die Organisation hatten Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler der Feuchtwanger Johann-Georg-von-Soldner Realschule übernommen.

In ihrer Einleitung vor vielen Menschen griff Ruth Reuter, Vorsitzende des Evangelischen Bildungswerks, die Gedanken von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum 9. November auf. Dieser sei ein „Schicksalstag“ für die Deutschen, zitierte Reuter das Staatsoberhaupt. Der Tag stehe sowohl für die Freude über den Mauerfall 1989 als auch für Leid und Gräuel. In Zeiten verstärkt auflebenden Antisemitismus‘ sei es umso wichtiger, an die Geschehnisse des 9. November 1938 zu erinnern, so Reuter weiter.

„Erinnern heißt,
nicht zu vergessen“

Zur Einstimmung spielten Helge Dreßler (Geige) und Alexander Dachs (Gitarre) ein einfühlsames jüdisches Instrumental. Maja Heinzmann und Jule Seng hielten die in zwei Abschnitte gegliederte Gedenkrede. „Erinnern heißt, nicht zu vergessen“, so waren ihre Worte überschrieben. Über „eine der dunkelsten Nächte der deutschen Geschichte“ zu sprechen, sei „keine einfache Aufgabe“. Denn in dieser Nacht wurden nicht nur „materielle Güter, sondern auch das grundlegende Menschsein und die Würde von Millionen von Menschen“ zerstört.

Der in dieser Nacht entfachte Hass bedeutete nicht nur einen „Übergriff auf das jüdische Volk – er war ein Angriff auf die Menschlichkeit selbst.“ Der Tag zeige auch „in erschütternder Weise, wie leicht ein Regime die Menschen zu Komplizen seiner Gräueltaten machen kann“.

Im Anschluss wurden die 27 belegten Namen der Feuchtwanger Opfer des Nationalsozialismus verlesen, für jeden Namen wurde ein kleiner dreieckiger Spiegel an eine Leinwand gehängt, sodass am Ende ein Kristall entstand. Zusammen mit dem Chor wurde das Lied „Donna Donna“ von Joan Baez gesungen, das den Weg eines Kälbchens zur Schlachtbank beschreibt.

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Jahrelanger Prozess der Verleumdung

Jule Seng erinnerte im zweiten Teil eindrücklich daran, dass die Reichspogromnacht nicht der Anfang des „antijüdischen Hasses“ gewesen war, sondern „der Höhepunkt eines jahrelangen Prozesses der Verleumdung, Ausgrenzung und Entmenschlichung“. Nach dieser Nacht folgten Jahre, die man zu Recht als „düsteres Kapitel der Menschheitsgeschichte“ bezeichnen müsse, der „systematische Versuch, eine ganze Bevölkerungsgruppe auszulöschen“.

Die Novemberpogrome 1938 führten schließlich unweigerlich in die Shoah – dem Völkermord an den Juden. Es sei daher eine gesellschaftliche Pflicht, „aus der Geschichte zu lernen und wachsam zu bleiben“. Hass, die Ausgrenzung von Minderheiten, sei für alle Menschen eine Bedrohung, nicht nur für die direkt davon Betroffenen, mahnte Seng. Solcher Hass dürfe nie wieder Fuß fassen.

„Die Prinzipien der Menschlichkeit”

Auch die Hoffnung solle an einem Tag des Erinnerns in den Vordergrund gestellt werden, die Hoffnung darauf, dass „die Prinzipien der Menschlichkeit, des Respekts und der Solidarität“ gelebt und weitergegeben werden, wünschte sich die Rednerin. Sich „mit allen Kräften gegen Antisemitismus, Diskriminierung zu stellen“, sei Aufgabe der Gesellschaft. „Wir müssen eintreten für eine Welt, in der alle Menschen in Würde und Frieden leben können“.

Zum Abschluss der bewegenden Feier wurde gemeinsam der Kanon „Shalom Chaverim“ gesungen. Ruth Reuter bedankte sich bei den Schülerinnen und Schülern für ihr außergewöhnliches Engagement. Gleichzeitig wies sie auf die Veranstaltung mit Günther Beckstein am Donnerstag hin. Der ehemalige Ministerpräsident Bayerns referiert in der ehemaligen Vogelscheune am Donnerstag, 13. November, ab 19 Uhr über das Thema „Wohin geht unsere Demokratie? Wie können wir unsere Demokratie retten?“


Von WOLFGANG HAUF
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