Farmstay: So bodenständig ist das Sylt Amerikas | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.08.2026 04:08

Farmstay: So bodenständig ist das Sylt Amerikas

Vor den Toren von New York City liegt Long Island. (Foto: Discover Long Island/dpa-tmn)
Vor den Toren von New York City liegt Long Island. (Foto: Discover Long Island/dpa-tmn)
Vor den Toren von New York City liegt Long Island. (Foto: Discover Long Island/dpa-tmn)

Es ist einer dieser Tage: Die Kunststoffsäcke, in denen junge Austern wachsen, müssen sortiert und saubergemacht werden. Einmal pro Monat machen sie das bei Southold Bay Oysters in Long Island vor den Toren New Yorks. Die Edelmuscheln der Sorte Crassostrea virginica wachsen in einem mit Bojen abgeteilten Teil der Southold Bay, amerikanische Austern.

„Die Auster ist ein echtes Umweltwunder“, sagt Billy Wellman, „President“ des Unternehmens. Jede einzelne könne in 24 Stunden rund 50 Gallonen Wasser filtern, etwa 190 Liter. Darum hat der Staat New York ein Programm zur Wiederansiedlung der Austern aufgelegt. „Früher hat man sie überall im Meer vor der Stadt gefunden, teils in riesigen Wänden.“

Auch die Armen konnten sich im Wasser ein paar Austern sammeln und waren von dem proteinreichen Fleisch lange satt. „Damals war die Auster ein sehr demokratisches Essen“, sagt er. 

Weniger Glamour und Farmtourismus im Norden

Das ist heute ganz anders – natürlich kommen Austern kaum noch vor. Und erschwinglich sind sie längst nicht mehr für alle. Vor allem in Long Island. Die „lange Insel“ östlich von New York City gilt als das Sylt Amerikas, auch den Spitznamen „Hollywood East“ hört man oft. Wohlhabende von der Ost- und Westküste haben hier Wochenendvillen.

Und sobald die Sommerferien beginnen, fängt das glamouröse Leben zwischen Strand, Country Club und Gartenparty an, vor allem in den Hamptons. So werden die Orte am südöstlichen Ende der Insel, der sogenannten South Fork, genannt.

Auf dem Weg nach Montauk an der Spitze der South Fork liegen Westhampton, South- und Bridgehampton sowie East Hampton. Ein Ort schöner und gepflegter als der nächste, Shops wie auf der Fifth Avenue, die Villen und Partyspots versteckt und abgeschirmt.

Ganz anders ist das Bild auf der North Fork, dem nördlichen Ende. Weniger Glamour. Dafür viele Felder, Farmstände an den Straßen, Weingüter, mancherorts können die Besucher selbst Erdbeeren pflücken, im Herbst Äpfel und Kürbisse.

Die Familie Harbes gilt als Vorreiter des Farmtourismus, schon vor Jahrzehnten konnte man bei ihnen am Stand frisches Obst und Gemüse kaufen, Tiere streicheln, Heufahrten machen - heute haben sie die „Harbes Family Farm“ so umfassend ausgebaut, dass es sich bei schönem Wetter kilometerweit auf dem Weg staut.

Als Ursula und Charles Massoud vor mehr als 40 Jahren eine Kartoffelfarm in Aquebogue auf der North Fork mit der Absicht kauften, dort Trauben zu pflanzen, schüttelten die Alteingesessenen den Kopf. Klar, es waren schon ein paar Verrückte da und probierten sich am Weinbau, allerdings mit mäßigen Ergebnissen.

Ursula stammt aus einer Winzerfamilie in der Pfalz, ihr Onkel Werner kam nach Long Island, half beim Setzen der Reben und stand mit Rat und Tat zur Seite. Dass das was werden könnte mit dem Wein, daran hatte die Familie keinen Zweifel. Denn das Klima ist vergleichsweise mild, man ist auf dem gleichen Breitengrad wie Madrid, und im Winter sind wegen der Lage im Atlantik keine schlimmen Fröste zu befürchten. 

Von Paumanok ins Weiße Haus

Jahrzehnte später gehört Paumanok, so der Name der Winzerei und der indigene Name Long Islands, zu den erfolgreichsten Winzereien auf der Insel, ist vielfach ausgezeichnet. Ihre edlen Tropfen wurden auch im Weißen Haus in Washington schon serviert. Mittlerweile führt der älteste Sohn Kareem die Geschäfte.

Ein anderer Winzer ist Roman Roth. Er kam über Umwege nach Long Island - Kalifornien, Australien und andere damals exotische Orte, an denen Wein angebaut wird, waren seine Stationen. Gelernt hat er die Önologie am Kaiserstuhl, im Winzerkeller Wiesloch und schließlich an der Hochschule Weinsberg. 1992 kam er an die Wölffer Estate in Sagaponack, eines der bekanntesten Weingüter in den Hamptons. Und ist geblieben, bis heute.

Roth ist weit über den Staat New York hinaus bekannt für seine eleganten Weine. Die stellt er aus den Trauben her, die auf den rund 71 Hektar Land wachsen, in dem typischen Lehmboden der sich über dem Sand festgesetzt hat, unter der leichten Brise, die meist vom Atlantik her weht.

Merlot, Chardonnay, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Trebbiano, Pinot Noir und Vignole bauen sie an auf dem Gut. „Besonders wichtig ist uns, dass wir nachhaltig wirtschaften“, betont Roth. Denn das ist eine Seltenheit unter den Winzern in Long Island.

Die Weine erhalten Höchstnoten bei Wettbewerben, aber man hat sich ein Stück Bodenständigkeit erhalten. Bei Weinfesten auf dem Gut geben sich Promis und ganz normale Leute die Klinke in die Hand. Und natürlich kann man auch in New York die Weine mit den deutschen Wurzeln in zahlreichen und nicht nur den allerbesten Restaurants bestellen.

Egal, ob Celebritiy oder Nachbar

Eine feste Größe der lokalen Küche ist Jerry Dicecco, der bei seinem Vater in Riverhead gelernt hat und danach kochend durch Frankreich und Italien reiste. In New York City stand er in der Küche von Daniel Boulud, einem mit Michelin-Sternen nur so geschmückten Franzosen, der seit vielen Jahren in den USA wirkt.

Inzwischen hat Dicecco das hektische Stadtleben hinter sich gelassen und ist zurück in Riverhead. „Jerry and the Mermaid“, das ist eine Mischung aus schicker Sterneküche und dem ganz normalen amerikanischen Wahnsinn auf dem Teller: Hier bekommt jeder, was ihm schmeckt. Egal, ob Celebritiy oder der Nachbar, ob mittags oder abends um 21 Uhr.

Wichtig aber ist ihm, dass möglichst viele seiner Zutaten von der Insel kommen – so, wie es schon zu den Zeiten seines Vaters war. „Damals hat man natürlich die Kartoffeln vom Farmer aus dem nächsten Ort bekommen und das Gemüse aus dem übernächsten“, sagt er. Denn die weiten Wege konnte sich niemand leisten.

Heute sei dieses regionale Einkaufen schon fast ein Luxus. „Aber hier in Long Island ist es noch immer möglich. Das gilt nicht nur für Gemüse und Obst, sondern auch für vieles, das das Meer hergibt.“

Dafür ist Cody Homan der Experte, er ist der Geschäftsführer von Braun Seafood in Cutchogue. Bei ihm kaufen die Edelköche von der Insel ein, die „Private Chefs“, die sich viele Haushalte leisten – aber auch die ganz normalen Leute, die auf Long Island leben. 

Und wer nicht selbst den Fisch oder die Meeresfrüchte zubereiten will, den die Boote morgens bei ihm abliefern, nimmt sich einfach aus seiner Küche etwas mit. Lobster Rolls zum Beispiel mit viel frischem Hummerfleisch. Für einen Touch Luxus auf dem Badetuch am Strand.

Links, Tipps, Praktisches:

Reiseziel: Long Island liegt vor den Toren New York Citys im Atlantik, die Insel gehört zum US-Bundesstaat New York. Viele wohlhabende und prominente Familien haben schon seit Jahrzehnten, teils Jahrhunderten ihre Villen auf Long Island.

Anreise: Direktverbindungen gibt es von Deutschland aus zu den Flughäfen John F. Kennedy und Newark, wobei JFK verkehrsgünstiger liegt. Long Island ist mit dem Auto und der Eisenbahn, der Long Island Rail Road, zu erreichen - ideal auch für einen Tagesausflug von New York City aus.

Einreise: Touristen aus Deutschland brauchen einen Reisepass sowie gebührenpflichtige elektronische Einreisegenehmigungen für die USA (Esta; 40 US-Dollar)

Währung: 1 US-Dollar entspricht 0,88 Euro (Stand: 15.7.2026)

Reisezeit: Zwischen Ende Mai und Anfang September ist das Wetter am schönsten. Doch auch der Rest des Jahres hat Charme, dann ist es leerer auf der Insel, und vieles ist günstiger.

Aktivitäten und Kulinarik: Infos zum Pflücken von Äpfeln und Kürbissen sowie Herbstattraktionen unter harbesfamilyfarm.com/fall-attractions. Infos zu Besuchen auf den Weingütern: paumanok.com; wolffer.com. Essen: southoldbayoysters.com; jerryandthemermaid.com; braunseafood.com

Touren-Tipp: „The Loop“ nennt man auf Long Island eine Tour rund um den östlichen Teil der Insel. Von Riverhead geht es auf der North Fork entlang der Sound Avenue, der Main Road oder der Peconic Avenue bis nach Greenport – der östlichste Punkt am nördlichen Teil der Insel heißt Orient. Von Greenport aus fährt eine kleine Autofähre nach Shelter Island (19 Dollar, nur in bar), ein Inselchen mit ruhigen Stränden und teils wunderschönen Häusern. Dann geht es weiter mit der South Ferry Richtung Sag Harbour (26 Dollar, nur in bar). Von dort aus ist der Weg nach Montauk und zu einem der ältesten Leuchttürme an der Ostküste nicht mehr weit – er wurde von George Washington in Auftrag gegeben und 1798 in Betrieb genommen.

Unterkünfte: Auf Long Island gibt es alle Arten von Hotels und Pensionen, auch Zimmer und Häuser zur Miete werden angeboten. Die Preise sind vor allem in der Hochsaison sehr hoch, es lohnt sich, frühzeitig zu reservieren.

Weitere Infos: discoverlongisland.com; iloveny.com

© dpa-infocom, dpa:260830-930-603002/1


Von dpa
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