Wie füllt man die Dorfkerne weiterhin mit Leben? Wie verhindert man weitere Flächenversiegelung? Wie werden Leerstände vermieden? Solche Fragestellungen brennen vielen Kommunen unter den Nägeln und waren jetzt Gegenstand einer Tagung mit bundesweiter Beteiligung.
Die eigentliche Veranstaltung fand am Mittwoch in Ansbach statt, am Donnerstag machten sich dann die Teilnehmer, die live dabei waren, in zwei Bussen zu Exkursionen auf. Der eine steuerte Ziele im Landkreis Ansbach an, der zweite beispielgebende Gemeinden im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Veranstalter der Tagung war die Agrarsoziale Gesellschaft mit Sitz in Göttingen. Unterstützt wird das Projekt „Leerstand aktivieren“ vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Es soll möglichst viele Akteure auf diesem Gebiet vernetzen.
In Ansbach fand nun die erste Präsenztagung der Gesellschaft statt: Mit 90 Akteuren und Akteurinnen der Regionalentwicklung – Bürgermeisterinnen, Regionalmanager, LAG- oder kommunale Allianzmanagerinnen, Vertreter der Bezirksregierung oder der zuständigen Bundesministerien, aber auch von Immobiliengesellschaften – war die Tagung gut besucht. Weitere 157 nahmen online teil.
Auch am ersten Tag wurden bereits Beispiele aus dem Landkreis Neustadt/Aisch vorgestellt: Der Uehlfelder Bürgermeister Detlef Genz sprach über die Innenentwicklung in seiner Gemeinde und auch das Wohnprojekt „Osta 51“ in Krautostheim (Sugenheim) wurde präsentiert.
Am Donnerstag steuerten die Interessierten dann zunächst Neuhof an, wo sie den „Gutshof Neun“ als „Workspace“ von Sabine Sauber und Michael Schmutzer kennenlernten sowie die Macherhöfe. Die Metzgerei Zeller schuf mit Hilfe des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) neue Verkaufsräume, und in der ehemaligen Bank findet sich nun ein medizinisches Versorgungszentrum. Besichtigt wurde auch das grüne Band mit Pumptrack, Spielplatz und Boule. Dann gab es noch einen Abstecher nach Neuselingsbach auf den Hammerhof als „Lern- und Begegnungsort“.
Auch Markt Erlbachs Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß verwies darauf, dass man als Kommune alleine wesentliche Impulse setzen, aber nicht alles richten könne. Auf dem Areal, auf dem der Kindergarten „Scheunenwichtel“, eine Tagespflege und ein Übergangswohnen für psychisch Kranke für neues Leben im Ortskern sorgen sollen, nahm nicht nur der Markt viel Geld in die Hand: Durch die Auflagen wurde die steile Dachform der Kita sowie die Gebäudepositionierung vorgegeben.
Etwa sechs Millionen Euro investiert die Familie Wust-Paulus zusätzlich. Ohne dieses Engagement von privater Seite hätte es die Gemeinde nicht geschafft. Auch so sei es nicht leicht gewesen, eine Betreiberin der sozialen Angebote zu finden. Fast alle hätten lieber auf der grünen Wiese gebaut und scheuten den Innenort. Doch nun ist die AWO im Boot.
Auch beim Abriss eines Gebäudes für den Panazolplatz und beim bevorstehenden Abriss eines weiteren Nebengebäudes an der Windsheimer Straße zur Verbesserung der Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerinnen habe die Gemeinde Geld in die Hand genommen. Doch die Sanierung des Wohnhauses, das zur letztgenannten Scheune gehört, kann sich die Kommune nicht leisten. „Wir sind dankbar für Ideen dafür“, so Kreß. Mit dem Bürgerhaus zum Löwen und dem Heimatmuseum (an dem die Gruppe aus Zeitmangel nicht mehr vorbeigehen konnte) gibt es weitere Schmuckstücke, bei denen ein Verein, Fördergelder und eine Stiftung dazu beitrugen, dass die Gemeinde die verbleibenden Kosten stemmen konnte.
Nicht fehlen darf Langenfeld auf einer solchen Exkursion. Das Mehrgenerationenhaus „Dorflinde“, die Tagespflege, die ambulant betreute Wohngemeinschaft, der Dorfladen, das gemeindeeigene Wirtshaus oder das Eiscafé (ehemals Radlertreff) sind bis in die Bundespolitik hinauf bekannt. Regionalmanagerin Andrea Linz, die an der Exkursion ebenfalls teilnahm, freute sich, dass der Kreis schon so viele beispielgebende Initiativen zu bieten hat.