Ex-Schule ist immer noch ein Ort für Kinder in Großenried | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.06.2024 17:00

Ex-Schule ist immer noch ein Ort für Kinder in Großenried

Das ehemalige Schulhaus in Großenried: Es wurde 1896 errichtet. Heute sind in dem Gebäude, das der Kommune gehört, drei Gruppen des katholischen Kindergartens untergebracht. (Foto: Johannes Flierl)
Das ehemalige Schulhaus in Großenried: Es wurde 1896 errichtet. Heute sind in dem Gebäude, das der Kommune gehört, drei Gruppen des katholischen Kindergartens untergebracht. (Foto: Johannes Flierl)
Das ehemalige Schulhaus in Großenried: Es wurde 1896 errichtet. Heute sind in dem Gebäude, das der Kommune gehört, drei Gruppen des katholischen Kindergartens untergebracht. (Foto: Johannes Flierl)

Auf eine sehr lange Schulgeschichte kann Großenried zurückblicken. Niedergeschrieben wurde sie 1999 detail- und anekdotenreich in dem Heimatbuch „Pfarrei Großenried – einst und jetzt“.

Seit mindestens 1600 wurde in dem Bechhöfer Ortsteil Schule gehalten: Großenried war eines von zwölf Ämtern im Stift Herrieden. Eine reichhaltige Quelle zur frühen Schulgeschichte sind die Visitationsberichte des Bistums Eichstätt.

Mesner und Lehrer in Personalunion

Jahrhundertelang war es üblich, das Amt des Mesners und des Schullehrers in Personalunion auszuüben. Mitunter ging der Posten sogar vom Vater auf den Sohn über. Das Schulhaus lag wie der Pfarrhof und die Kirche etwas abseits vom Dorf.

In den Zeiten vor der Schulpflicht schwankte die Schulbesuchszeit zwischen drei und 17 Wochen pro Jahr, wie etwa Ende des 18. Jahrhunderts der damalige Lehrer Philipp Veit berichtete. Unter diesen Umständen war ein geordneter Schulbetrieb kaum möglich. Zudem war der Schulmeister auf die Einnahmen aus dem Schulgeld angewiesen, was seinen Verdruss erklärt.

Eltern stellten das Brennholz

Überhaupt mussten die Lehrer seinerzeit selbst Landwirtschaft betreiben, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Brennholz, der „Schulscheit“, musste von den Eltern gestellt werden.

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Aus einem Visitationsbericht von 1766 geht hervor, dass die Schule damals von Martini bis zum Palmsonntag ging – die meisten Kinder kamen aber nur zwischen Weihnachten und Februar zum Unterricht. Der Schreiber klagt: „Wenn in die Woche ein Feiertag fällt, kommen sie die ganze Woche nicht, um den Schulkreuzer zu sparen.“

Zwei Klassenräume für etwa 100 Jungen und Mädchen

Erst mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht ging der Schulbetrieb geordnetere Bahnen, ebenso wurde die Lehrerausbildung vereinheitlicht und auf ein gewisses Niveau gehoben. Seit 1809 hatten die künftigen Schulmeister einige Semester an einem Seminar zu studieren und das Klavier- und Orgelspiel zu erlernen, um den Chor- und Organistendienst ausüben zu können.

Nachdem sich die früheren Schulgebäude im Pfarrhof befanden und als Wohn- und Unterrichtsraum für den Lehrer dienten, wurde 1896 gegenüber dem Kirchengelände ein eigenes Schulgebäude errichtet – es steht bis heute. Es gab nun zwei Klassenräume für die damals etwa hundert Mädchen und Jungen aus der Pfarrei Großenried, zu der noch die Ortschaften Aub, Kleinried, Liebersdorf, Mörlach und Weidendorf gehören. 1956 wurde das Schulhaus um zwei Klassenräume, einen Werkraum, eine Schulküche, einen Spiel- und Bolzplatz sowie einen Schulgarten erweitert. Für die Lehrkräfte wurde 1960 neben der Schule ein Wohnhaus errichtet.

Die Gebietsreform und die Gründung des Schulverbandes Bechhofen hatten für die Großenrieder Schule weitreichende Folgen: Die Hauptschüler gingen nach Bechhofen, die Grundschüler wurden in Großenried in zwei Kombiklassen von zwei Lehrkräften unterrichtet. Die Verantwortlichkeit für die Schule lag fortan bei der Marktgemeinde Bechhofen.

Eigenständigkeit verloren

Die durch den Abzug der Hauptschüler freigewordenen beiden Klassenzimmer werden seit 1974 vom katholischen Kindergarten genutzt. Immer wieder kam es zu Bestrebungen, den Schulstandort Großenried aufzugeben, weil die Schülerzahlen zu gering waren.

Nach einem langen und intensiven Kampf duldete die Regierung von Mittelfranken ab 1983 folgende Lösung: Die Großenrieder Schule verlor ihren Status der Eigenständigkeit und konnte aber als Außenstelle der Volksschule Bechhofen erhalten bleiben. Darum wurde Anfang der 1990er Jahre eine Generalsanierung des Gebäudes durch die Marktgemeinde Bechhofen als Eigentümerin veranlasst.

Pädagogisches Konzept „Lernwerkstatt”

Seitdem gab es immer wieder ein Hin und Her um den Schulstandort Großenried. Mal waren es zu wenige Schüler aus dem Einzugsbereich, mal zu viele. Das letzte Schuljahr in Großenried war dann schließlich 2019/2020. Der Marktgemeinderat Bechhofen beschloss, die beiden Klassenzimmer für einen dringend in der Kommune benötigten Notkindergarten zu nutzen.

Das Aus für den Schulstandort wurde neben dem Platzbedarf für Kleinkinder damit begründet, dass das pädagogische Konzept der Grund- und Mittelschule Bechhofen als „Lernwerkstatt“ so am besten umsetzbar sei. Zudem sei es durch die beiden zusätzlichen Kindergartengruppen möglich, dass alle Großenrieder Kinder auch dort einen Betreuungsplatz bekämen.

Übergangsquartier im Jugendheim

Zunächst war die neu gegründete evangelische Kindertagesstätte St. Katharina für ein Jahr mit im Haus, bis sie nach Bechhofen in ein anderes Gebäude der Marktgemeinde übersiedelte. Danach wurde das Gebäude umfassend saniert. Währenddessen wichen die Kinder und die Erzieherinnen in das nahe Jugendheim aus.

Unter anderem galt es, das ehemalige Schulhaus für den Einzug einer Krippengruppe zu ertüchtigen. Im Mai 2023 erfolgte die Einweihung. Heute wird das weiterhin im kommunalen Besitz befindliche Haus ausschließlich von den drei Gruppen des katholischen Kindergartens Großenried genutzt.


Von Johannes Flierl
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