Kommunal- und Weltpolitik, gewürzt mit viel Lokalkolorit und witzigen Begebenheiten aus dem vergangenen Jahr brachten die Schillingsfürster Stupfler auf die Bühne – temperamentvoll, unterhaltsam und närrisch, mit viel Musik und Tanz.
Der Fünfer-Rat unter Vorsitz von Werner Rauch durchschritt in Begleitung der jungen Garde-Damen zum Auftakt die Albert-Zietz-Halle und nahm auf dem Frankemer Narrenschiff Platz. Für den ersten zauberhaften Programmpunkt sorgten die Stupflschrabben, die mit ihrem tänzerischen Ausflug begeisterten. Er führte ins Abenteuerland, dorthin, wo Kinder nie erwachsen werden.
Die Gedächtnislücken von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger und Bundeskanzler Olaf Scholz nahmen die fünf Stupfler aufs Korn – ebenso die „närrische Bürgermasteri“ und den Wörnitzer Gemeinderat, wo der Streit „hausgemacht“ sei. Hingegen sei der Schillingsfürster Bürgermeister ganz friedlich – er habe ein „Peace-Zeichen“ neben das Stadtwappen pflanzen lassen, das allerdings eher dem Stern einer großen Automarke ähnele, war zu erfahren.
Und auch Ansbach bekam sein Fett weg: „Wer will volle Unterhosen sehn – der muss nur nach Ansbach gehn“, hieß es. Einen bemerkenswerten Auftritt lieferte Vroni Dinzl als Putzfrau im Mobilen Impfzentrum „Die Post“, die im „richtigen Leben“ Ärztin ist und von ihrem Kollegen Dr. Friedrich August Wilhelm Schuhmacher berichtete. Der habe den Leichenschmaus des verstorbenen Alt-Bürgermeisters zur Verabreichung von Influenza-Corona-Kombi-Schutzimpfungen genutzt und ein „mobiles Impfzentrum“ auf dem Weg zu den Toiletten des Gasthofs aufgebaut.
Der amtierende Rathauschef Michael Trzybinski, der sich eigentlich nicht mehr impfen lassen wollte, sei „sein erstes Opfer“ gewesen, weitere folgten. Das habe sich unter anderen Trauernden herumgesprochen, die dann schließlich bei dringenden Bedürfnissen das öffentliche „Kanderla“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite benutzt hätten, um der Zwangsimpfung zu entgehen, so die Schilderung der Putzfrau.
Im zweiten Teil trafen sich Maja Löschel und „Hermine“ Markus Löschel bei der Schwangerschaftsgymnastik, setzten sich auf große Gymnastikbälle und unterhielten mit hintergründig-witzigem Geplauder, thematisierten aber auch die geschlossenen Gynäkologie-Abteilungen der regionalen Krankenhäuser. Und es wurden die Stupfl-Orden des Abends verliehen, unter anderem an den Rothenburger OB Dr. Markus Naser, dem Vertreter der „Lieblingsstadt der Stupfler“, der sich als gebürtiger Schillingsfürster zu erkennen gab.
Nachdenklich und mit verschiedenen Seitenhieben auf die Energiepolitik der Bundesregierung präsentierte sich der Gitarrist und Liedermacher Martin Rohn alias Maddin. Er schlüpfte in die Rolle eines Heizungsbauers: „Ich bin der King: Weil ich Handwerker und Heizungsbauer bin!“ Der Dichter und Weltenbummler Johannes Scheder trat nach der Pause in die Schillingsfürster Bütt. Ausgefeilt und wohlformuliert beleuchtete er die fehlende Aufbruchsstimmung in Deutschland. Die Zankereien in der Ampel mit den drei Klabautermännern erinnerten ihn an den rot-gelb-grünen Pumuckl aus dem Unterhaltungsprogramm, der den Menschen Streiche spielte.
Zu Pumuckl gehöre der Meister Eder, zu Bayern der Ministerpräsident Söder, der mit Aiwanger seinen eigenen Troll habe, so Scheder, der die Faschingsgesellschaft aufforderte, aktiv zu werden: Es müsse ein neuer Wind durchs Land wehen.
Schausteller Matthias Bär, Stupfler Markus Hofmann, Bettler Stefan Barthelmeß, Känzenweib Lena Zobel und Holzgeher Rainer Kolb verteilten anschließend Seitenhiebe auf Rothenburg. OB Naser habe „einen Zwergenaufstand“ organisiert und sich mit der Steinsfelder Bürgermeisterin duelliert. Als er im Zweckverband überstimmt worden sei, „is der OB hamm in sein Gardde und hat dort alle Kerschbamer nieder-gmachd“. Und wo war die Rothenburger Polizei beim Überfall auf die VR-Bank? „Die Cops“ seien einfach nicht gekommen, trotz Live-Anruf eines Nachbarn.
Mit einer mystischen Grabräubernummer im Pharaonenland begeisterte das Männerballett. Und „Mäx“ Markus Löschel traf „Rancher“ Ralf Albig in einer Bademeisterpraxis, um dort originell und hintergründig wichtige verkehrs- und bildungspolitische Themen zu verhandeln.
Nach einem weiteren Gardetanz intonierte Waldemar Haffner die Stupfl-Hymne. Alle erhoben sich von ihren Plätzen und besangen Schillingsfürst mit den wogenden Wörnitzwellen. Die Wörnitzquelle hat es übrigens als Motiv auf den diesjährigen Stupfl-Orden geschafft.
Von den verbleibenden neun Stupfl-Sitzungen sind sechs ausverkauft. Karten gibt es noch für die Termine an den Freitagen, 26. Januar und 2. Februar, sowie am Rosenmontag, 12. Februar. Bestellungen sind per E-Mail an we.rauch@t-online.de oder unter Telefon 09868/69 79 möglich.