Eine 82-Jährige wird wegen eines Oberschenkelhalsbruchs operiert. Ein derartiger Verlust der Mobilität durch einen Sturz in diesem Alter kann fatale Folgen haben. Nicht wenige Patienten überleben das folgende Jahr nicht. Deshalb ist eine Reha sofort nach der Akutbehandlung wichtig. Doch die Platzsuche ist schwierig.
Diese Erfahrung musste der Sohn der Seniorin machen. Bei allen in Frage kommenden Rehakliniken hieß es: Alle Plätze sind belegt. Man müsse sich einige Wochen vor der Reha anmelden. Schließlich gelang es dem Sohn, nach zwei Wochen und drei Tagen seine Mutter in der Klinik für Geriatrische Rehabilitation des Bezirksklinikums Ansbach unterzubringen.
Die FLZ fragte nach: Wie rasch ist es in der Region möglich, eine Reha nach derartigen Operationen zu bekommen? Jede Verzögerung kann schließlich mit mehr Schmerzen und schlechteren Erfolgsaussichten verbunden sein.
Die Antwort: In der Geriatrie-Reha des Bezirksklinikums kam die Frau rascher unter als manche andere Patienten. Dort betrage „die Wartezeit für eine stationäre Aufnahme durchschnittlich circa drei Wochen“, so Karin Schulz, Kommunikationsmanagerin bei den Bezirkskliniken Mittelfranken.
Die Mehrheit der Patienten sei zuvor in einem Akutkrankenhaus behandelt worden: „Im vierten Quartal 2022 kamen rund 88 Prozent aller Patienten über ein Akutkrankenhaus zu uns“, erläuterte sie beispielhaft. Sie ergänzte: „Wie schnell ein Patient aufgenommen wird, ist maßgeblich abhängig von der medizinischen Notwendigkeit einer Reha-Behandlung, den Fähigkeiten wie auch dem Willen des Patienten.“ Ob jemand privat oder gesetzlich versichert sei, habe „darauf keinen Einfluss“.
Dass es „grundsätzlich zu Wartezeiten kommt“, habe mehrere Ursachen, so Schulz: „Zum einen steigt der Anteil an älteren Menschen in der Gesellschaft stetig, und damit der Bedarf.“ Zudem sei die geriatrische Reha bei den Patienten sehr gefragt, um „wieder fit zu werden, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und die „Lebensqualität zu erhalten“.
In der Bad Windsheimer Frankenland-Klinik der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern sind die Wartezeiten viel länger – allerdings für geplante Aufenthalte. Es handelt sich um eine Reha-Klinik etwa für Orthopädie. „Je nach Reha-Indikation kann die Wartezeit bei geplanten medizinischen Rehabilitationsmaßnahmen mehrere Monate betragen. Ursache ist, dass die Frankenland-Klinik wegen ihrer sehr hohen Qualität der erbrachten Leistungen und des daraus resultierenden guten Rufes sehr nachgefragt ist“, so die zuständige Pressesprecherin Sandra Skrzypal.
Allerdings, so Skrzypal, beziehe sich ihre Auskunft zur Wartezeit nicht auf eine Anschlussheilbehandlung nach einer Operation wie im Falle der 82-Jährigen.
Für diese Patienten sei „bisher immer mit der Akutklinik eine einvernehmliche Lösung für eine zeitnahe Direktaufnahme gefunden“ worden.
Die Akutklinik habe lediglich „vielleicht im Einzelfall einen Patienten ein oder zwei Tage länger behalten“ müssen. Skrzypal weiter: „Eine Versorgungslücke in dem Sinne, dass ein Patient nach Hause entlassen werden musste, obwohl eine Direktverlegung in die Rehabilitationseinrichtung medizinisch notwendig gewesen wäre, ist uns nicht bekannt.“
Und wie beurteilen Vertreter regionaler Akutkrankenhäuser die Lage? In den Kliniken des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sei es, so Kliniksprecher Benjamin Maier, stets möglich, Patienten binnen 24 Stunden nach einem Oberschenkelhalsbruch zu operieren. Dies werde „im Rahmen unserer Zertifizierung als Alterstraumazentrum gewährleistet, es werden spezielle Operationsteams vorgehalten“, erläuterte der für die Öffentlichkeitsarbeit der Kliniken zuständige Mitarbeiter. Zumeist würden diese Patienten, die in der Regel über 75 Jahre alt seien, in Neustadt operiert und dann nach Bad Windsheim in die klinikeigene Akutgeriatrie verlegt. Dort gebe es ein interdisziplinäres Team, das etwa für die Mobilisation sorge.
„Wir sind eng vernetzt“, meinte der Sprecher dazu. Da die geriatrische Akutreha im eigenen Haus sei, und deren Träger ebenfalls das Kommunalunternehmen sei, „bekommen wir meistens unsere Termine“. Dagegen sei die Suche nach einem freien Platz in allein für diese Aufgabe spezialisierten Rehakliniken „für den Sozialdienst oft anspruchsvoll“.
Denn diese Reha-Kliniken könnten „sich die Patienten aussuchen“. Sie nähmen vorrangig privat Krankenversicherte und Patienten von der Berufsgenossenschaft auf, mutmaßlich aus finanziellen Gründen, so die Annahme des Sprechers. Der Erfahrung nach seien das Patienten, denen die Deutsche Rentenversicherung eine Reha bezahlt, damit sie arbeitsfähig bleiben und „letztendlich gesetzlich Krankenversicherte“.
Insgesamt steige die Zahl der Reha-Anträge – auch wegen des wachsenden Anteils Älterer an der Bevölkerung. Dadurch seien insbesondere die Kapazitäten der geriatrischen Rehaeinrichtungen erschöpft. Teils müssten derartige „Stationen wegen Personalmangels schließen oder Betten reduzieren, ein weiterer Grund für längere Wartezeiten“, so Maier.
Nadine Vogel, die Leiterin des Sozialdienstes im ANregiomed-Klinikverbund, berichtete ebenfalls, auf geriatrische Rehaplätze müsse man bis zu drei Wochen, manchmal sogar länger warten. Der Bedarf steige auch durch Operationen etwa für Gelenkprothesen. Daran gemessen gebe es nicht genug Reha-Plätze.
Die Zahl der Rehaplätze sei sogar eher rückläufig, denn auch in den Rehakliniken kämpfe man mit dem Fachkräftemangel. Nadine Vogel weiter: „Auch die geriatrischen Einrichtungen in unserem Einzugsgebiet haben mit diesem Problemen zu kämpfen.“
Manche hätten „ihre Bettenzahlen bereits reduziert, wie zum Beispiel die geriatrische Abteilung des Bezirksklinikums“ in Ansbach. In Würzburg und Bad Mergentheim seien geriatrische Rehaeinrichtungen geschlossen worden.
Vogel: „Deshalb kommen Patienten aus diesen Gebieten nun vermehrt nach Bad Windsheim, eine unserer wichtigsten Anlaufstellen. Die geriatrische Reha in Gunzenhausen ist durch die eigenen Kliniken praktisch vollständig ausgelastet. Unsere nächstgelegenen Alternativen sind etwa Oettingen, Aalen, Erlangen oder Nürnberg, allerdings sind die Einrichtungen dort auch mit Patienten aus der eigenen Region belegt“.
Es gebe immer wieder Situationen, „in denen der Sozialdienst auch Krisenintervention leisten und alternative Lösungen erarbeiten“ müsse. Der Beratungs- und Gesprächsbedarf sei „dadurch enorm gestiegen“.
Sie ergänzte, insbesondere mit Blick auf Senioren: „Viele Betroffenen leben allein, sind kinderlos oder die Kinder leben weit entfernt. Der Wohnraum ist häufig nicht behindertengerecht.“ Das Fazit von Nadine Vogel lautete: „Die Versorgungsprobleme werden immer größer.“