Die Netze im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim müssen weiter ausgebaut werden. Doch zwei wichtige Projekte bei Markt Bibart und Uffenheim brauchen viel Zeit.
Spätestens mit der nun geplanten Windkraft-Offensive nimmt die Produktion erneuerbarer Energie weiter Fahrt auf. Doch schon jetzt ist das Problem: Wenn die Sonne scheint oder der Wind weht, sind die Leitungen immer wieder überlastet, Anlagen müssen abgeschaltet werden. In der Dienstversammlung der Bürgermeister im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim stellte die N-Ergie-Netz den Netzausbauplan vor.
In der Region herrschte unter den Projektierern große Hoffnung, dass ab Mai wieder mehr Einspeise-Kapazitäten vorhanden sind, wenn die N-Ergie ihren Netzausbauplan vorlegt. Doch das sei ein Trugschluss, wie Unternehmensvertreter Thomas Bruch den Bürgermeistern erklärte. Bislang befinde man sich bei diesem Thema in der Stufe 1 – Grundlagenermittlung, Vorplanung und Entwurfsplanung. „Wir sind weit weg, dass es so gebaut wird.“ Vielmehr handle es sich um eine „Absichtserklärung – das ist nötig, das haben wir vor“, betonte Bruch.
Ziel der gesamten Planung sei eine „integrierte und vorausschauende Netzplanung“. Oder wie der N-Ergie-Vertreter sagte: „Wir sind nicht nur auf unserem Tellerrand unterwegs.“ Man spreche sich durchaus auch mit anderen Energieversorgern ab, als Beispiel nannte Bruch Bayernwerk. Und nicht überall müsse neu gebaut werden, vielerorts biete sich eher eine Optimierung oder Verstärkung der Bestandsnetze an. In diesem Zuge werde explizit auch geschaut, welche Leitungsabschnitte besonders „engpassbehaftet“ sind, wie es in der N-Ergie-Präsentation heißt. Bruch: „Wir müssen also noch viel Arbeit und Ressourcen investieren.“
Die Markt Erlbacher Bürgermeister Dr. Birgit Kreß zeigte sich deshalb ein bisschen ernüchtert: „Das sind lange Planungsprozesse – sie lassen die Hoffnung schwinden, dass es schnell geht. Wir hätten den Netzausbau früher gebraucht.“ Denn nun müssten immer wieder Windräder oder Freiflächen-Photovoltaikanlagen abgeschaltet werden, weil die Projektierer den Strom nicht wegbringen. „Das sorgt bei den Bürgern für Unmut“, so Kreß. Sie kritisierte die hohen bürokratischen Hürden in Deutschland, die in Sachen Netzausbau einmal mehr eine schnelle Energiewende verhinderten.
Die N-Ergie-Netz kümmere sich mit um den Ausbau der Verteilnetze, die den Strom über kleinere Distanzen transportieren. Darüber hinaus gibt es die Übertragungsnetze, gerne auch als Stromautobahnen bezeichnet. Darum kümmert sich die Firma Tennet. Mit Blick auf die Windvorranggebiete kündigte Bruch an, dass die ganz großen Wind- und Solarparks auch direkt ins Übertragungsnetz einspeisen könnten.
Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sind im Rahmen des Netzausbaus besonders zwei größere Projekte geplant: eine Netzkuppelstelle in Markt Bibart und eine im Uffenheimer Ortsteil Wallmersbach. In Markt Bibart halte sich die Begeisterung darüber in Grenzen, befand Bürgermeister Klaus Nölp. 20 bis 25 Hektar wurden als benötigte Fläche angegeben, „da wird ins Landschaftsbild eingegriffen“. Entsprechend forderte Nölp die N-Ergie-Netz auf, dass die Gemeinde Markt Bibart wenigstens davon finanziell profitieren sollte. Ein entsprechender Verteilungsschlüssel an die „relevanten Kommunen“ sei üblich, betonte N-Ergie-Vertreter Bruch.
Das beruhigte Nölp, so recht glücklich war er aber nicht. Die Erweiterung des Egger-Spanplattenwerks, immer mehr Freiflächen-Photovoltaikanlagen, jetzt eine riesige Netzkuppelstelle: „Ich habe im Gemeinderat festgestellt: Begeisterung sieht anders aus. Ich fühle mich langsam wie in NRW im Ruhrgebiet.“ Unterstützung erhielt er von Landrat Helmut Weiß: 20 bis 25 Hektar für eine Netzkuppelstelle, „das sind Dimensionen, die kann man sich nicht vorstellen.“ Allerdings brauche es Markt Bibart als Standort hierfür dringend.
Scheinfelds Claus Seifert stimmte mit ein: „Wir verändern unsere Heimat – punktuell an einigen Orten mehr als an anderen. Das wird nicht nur Liebe geben.“ Entsprechend erwarte er die „volle Unterstützung aller anderen“. Er bat darum, nicht nur die „ökonomische Brille“, sondern auch die „Heimat-Brille“ aufzusetzen. Allerdings betonte Seifert: „Auch 20 Hektar kann man gut verstecken.“ Bruch fand es toll, „wenn es eine Gemeinde im Griff hat und die Energiewende vorantreibt“.
Er gab auch einen groben Zeitplan für das Markt Bibarter Kuppel-Projekt an: Geplant ist, das Bauwerk bis 2028 in Betrieb zu nehmen. Allerdings zweifelte der N-Ergie-Vertreter selbst an, ob das wirklich realistisch ist. „Das wäre fast unglaublich. 2030/2031 halte ich für realistisch.“
Das Projekt im Uffenheimer Ortsteil Wallmersbach ist derweil auf der langen Bank, wie Bruch auf Nachfrage vom Uffenheimer Vize-Bürgermeister Hermann Schuch erläuterte. „Das wird noch dauern.“ Denn bevor eine Netzkuppelstelle gebaut werden kann, muss erst noch das Netz verstärkt werden. Derzeit führe eine 220-kV-Leitung zum Wallmersbacher Umspannwerk. „Die stirbt aber aus.“
Entsprechend müsse der Übertragungsnetzbetreiber Tennet erst eine 380-kV-Leitung bauen. Wann das passiert, sei bei der N-Ergie-Netz noch nicht bekannt. Schuch nahm das wenig begeistert zur Kenntnis. Aber immerhin: Die Erweiterung des Umspannwerks soll deutlich früher kommen.
Bruch fasste den Netzausbau zusammen: „Es muss etwas passieren. Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen.“ Im Mix aus Sonne und Wind sieht der N-Ergie-Vertreter jedoch viele „Synergieeffekte“, denn PV bringe vor allem zur Mittagszeit viel Energie, Wind hingegen eher in den Nacht- und frühen Morgenstunden.
„Bauchschmerzen“ bereitet Bruch hingegen die Batterie-Situation. Es gebe bereits größere Exemplare davon, die N-Ergie habe sich dadurch eine massive Netzentlastung erhofft, schließlich könnten diese einspeisen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Allerdings hätten die Betreiber den Strom am Börsenmarkt verkauft und speisen ihn „marktorientiert“ ins Netz ein. Das sei „unberechenbar“. Bruch: „Das tut uns weh.“