Die Suche nach einem deutschen Endlager für hochradioaktiven Atommüll wird langsam konkret: Weniger als 5 Prozent der deutschen Landesflächen kommen nach Einschätzung der Experten der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) noch infrage.
Rheinland-Pfalz, Hessen, Berlin, Sachsen und das Saarland sind nicht mehr Teil der laufenden Suche. Das letzte Wort für die Auswahl des Standortes hat aber der Bundestag. Das Saarland war den Angaben zufolge bereits 2020 herausgefallen, Rheinland-Pfalz schied 2025 aus, in diesem Jahr neu aussortiert wurden Sachsen, Berlin und Hessen. Noch im Rennen sind unter anderem Gebiete im Harz, dem Bayerischen Wald sowie in Bayern nahe der tschechischen Grenze.
Seit 2017 ist die BGE für die Endlagersuche zuständig. 2020 legte sie einen ersten Arbeitsstand vor. Damals wurden 90 Gebiete als potenziell für ein Endlager geeignet eingestuft, 54 Prozent der Fläche Deutschlands. Seither setzen die Experten die Sicherheitsanforderungen in jedem Prüfschritt etwas höher und sieben Flächen aus.
Untersucht werden Regionen mit Untergründen aus Granit, Salz und Ton. Diese haben nach Einschätzung der Fachleute gute Eigenschaften, um radioaktive Strahlung zurückzuhalten, sind wenig durchlässig für Wasser und Gas und halten hohen Temperaturen stand.
„Wir werden die Flächen bis Ende 2027 weiter einengen, bis nur noch wenige Standortregionen im Rennen sind, die wir für die Erkundung vorschlagen“, erklärt die Vorsitzende der Geschäftsführung der BGE, Iris Graffunder. Diesen Vorschlag prüft das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), das Wissenschaft und Öffentlichkeit beteiligt. Die Entscheidung über die infrage kommenden Regionen trifft schließlich der Bundestag. Als Zieldatum für die Entscheidung über ein Endlager ist 2050 angepeilt.
Schon Zwischenlager wie Gorleben im Wendland, das als Endlager im Gespräch war, lösten große Proteste aus. Auch gegen Atommülltransporte gibt es regelmäßig Widerstand.
Mit dem Standortauswahlgesetz wurde die Suche 2013 neu angeschoben. Sie läuft in einem mehrstufigen, langfristigen und wissenschaftsbasierten Suchverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit.
Deutschland hat seine letzten Atomreaktoren zwar im April 2023 abgeschaltet. Es gibt aber rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiven Atommüll, der in mehr als 60 Jahren Atomkraft angefallen ist. Derzeit lagert der Müll in sechzehn oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern. Das stillgelegte Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter ist bereits als Endlager genehmigt. Es ist aber nur für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle vorgesehen und soll in den 2030er Jahren in Betrieb gehen.
Am liebsten haben die Experten eine „langweilige Geologie“, sagt Lisa Seidel von der BGE. Also Formationen, „wo in den letzten eine Million Jahren möglichst wenig passiert ist und wir dann davon ausgehen können, dass dort auch in den nächsten eine Million Jahren relativ wenig passiert“. Zu möglichen Rinnen, die durch die Gletscherschmelze der letzten Eiszeit entstanden sind, will man Abstand halten – auch, um Sicherheit während möglicher kommender Eiszeiten zu gewährleisten.
Je mächtiger die Gesteinsformation, in der ein Endlager entstehen könnte, umso besser. Das schafft Flexibilität für die genaue Planung des Lagers. Um die Umgebung eines möglichen Endlagers, also die Frage, ob man sich auf dem Land oder in einer Stadt befindet, geht es derzeit noch nicht. Aktuell schauen die Experten nur auf den tiefen Untergrund. Bei der späteren Entscheidung soll aber auch eine Rolle spielen, ob es an der Oberfläche den nötigen Platz gibt für Gebäude.
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