Emotionale Debatte: Sollten sich Zeit und Ort der Kirchweih in Dietersheim ändern? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.11.2025 18:00

Emotionale Debatte: Sollten sich Zeit und Ort der Kirchweih in Dietersheim ändern?

Früher wurde die Dietersheimer Kirchweih im Gasthaus „Rotes Roß” gefeiert. Der Kirchweihbaum steht noch heute nicht weit davon entfernt.  (Foto: Nina Daebel)
Früher wurde die Dietersheimer Kirchweih im Gasthaus „Rotes Roß” gefeiert. Der Kirchweihbaum steht noch heute nicht weit davon entfernt. (Foto: Nina Daebel)
Früher wurde die Dietersheimer Kirchweih im Gasthaus „Rotes Roß” gefeiert. Der Kirchweihbaum steht noch heute nicht weit davon entfernt. (Foto: Nina Daebel)

Die Kirchweih gehört in die Mitte des Dorfes. Dorthin, wo der Kerwabaum steht. Das war immer so und das soll auch so bleiben, meinen die einen. Und dann gibt es die, die das Fest neu denken und den Standort des Feierns verlegen möchten, genauso wie den Zeitpunkt. In Dietersheim diskutiert man gerade emotional über Kirchweih-Neuerungen.

In der Dietersheimer Bürgerversammlung im Schützenhaus wurde es am Ende noch einmal sehr emotional, sodass Bürgermeister Jürgen Meyer die Stimme erhob und zur Ruhe mahnte. „Wir werden das Thema hier und heute nicht klären können”, sagte er. Deswegen einigte man sich letztlich darauf, zeitnah eine Arbeitsgruppe zu gründen und darin über mögliche Veränderungen in Bezug auf die Dietersheimer Kirchweih zu diskutieren. Im Fokus steht dabei zum einen der Standort der Kirchweih-Feier und zum anderen der Zeitpunkt, an dem das Fest der Feste stattfinden soll.

Ein Bürger war zum Schluss der Versammlung aufgestanden und hatte das Thema öffentlich angesprochen. Weil es in diesem Jahr einmal mehr so gewesen war, dass es während der Dietersheimer Kirchweih, die traditionell Ende Oktober stattfindet, kalt und regnerisch war. Außerdem hatte zeitgleich die Kirchweih in Altheim, einem Dietersheimer Ortsteil, stattgefunden. Das alles sei nicht optimal und vielleicht könnte man etwas verändern und dadurch verbessern, hieß es.

Aktuell wird die Dietersheimer Kirchweih als Zeltkerwa am Rathaus und damit unweit des Kerwabaumes gefeiert. Als Alternativ-Standort wurde der Eichenhain in Dietersheim vorgeschlagen. „Es ist einer unserer schönsten Plätze. Da hockt man so schön und der Platz zieht auch Leute von außen zu uns”, so der Bürger, der die Diskussion angeregt hatte. Außerdem könnten sich die Schützen einbringen, deren Schützenhaus an den Eichenhain angrenze. Eine Verlegung bringe aus seiner Sicht ausschließlich positive Effekte.

Früher wurde ein Zeitpunkt nach der Ernte favorisiert

Auch den Zeitpunkt der Dietersheimer Kirchweih stellte der Bürger infrage und verwies auf die Gründe, die dazu geführt hätten, dass man die Feierlichkeiten einst auf Ende Oktober terminiert hatte. „Man hat im Herbst gefeiert, weil es früher keine Kühlung gegeben hat und weil die Bauern dann schon ihre Ernte eingebracht und dementsprechend Zeit hatten.” Diese Gründe würden heute einen Termin Ende Oktober allerdings nicht mehr rechtfertigen. Es sei schade, hieß es, wenn sich die Mädchen und Buben in Tracht kleiden würden und sich wegen der Kälte dann doch wieder eine Winterjacke und Mütze anziehen müssten. Auch sei der Termin der Dietersheimer Kirchweih nicht an einen jährlich wiederkehrenden festen Tag der Weihe einer Kirche gebunden.

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„Die Leute sind mit dem Zeitpunkt unzufrieden. Deswegen sollten wir uns fragen, ob wir das Fest möglicherweise vorverlegen.” Für die Gemeinde sollte dem Bürger zufolge „die bestmögliche Lösung” gefunden werden. Und die Bürgerinnen und Bürger selbst sollten entscheiden, wie und wann sie künftig ihre Kirchweih feiern wollen. Sollte die Mehrheit die Zeltkerwa so wie bisher wollen, „dann bleibt es eben so”.

Dass die Diskussion über das Wann und das Wie der Dietersheimer Kirchweih nicht neu sei, sondern es diese bereits seit rund zehn Jahren gebe, erklärte Bürgermeister Meyer. „Es ist ein heikles Thema.” Gleichzeitig plädierte er dafür, erst einmal ein grundsätzliches Gespräch über den Standort und Zeitpunkt der Kirchweih zu führen. Und zwar mit allen Beteiligten. Erst wenn die sich einig wären, Neues ausprobieren zu wollen und zu können, sollten die Bürgerinnen und Bürger gefragt werden, was sie wollen. „Wenn die Leute die Kirchweih zwar verschieben wollen, aber keiner sie macht, haben wir am Ende gar keine Kirchweih.”

Zeltkerwa war eine Notlösung

Gemeinderat Thomas Billmann erinnerte daran, dass die Zeltkerwa einst „aus der Not heraus” geboren worden sei – wegen der Schließung des Gasthauses „Rotes Roß”, in dem bis dato gefeiert worden war. Er selbst sei auch „ein Freund davon, das Fest zu verschieben”. Einen Arbeitskreis, in dem das Thema intensiv diskutiert werde, betrachtet er ebenfalls als zwingend erforderlich.

Dass vor allem die Ortsburschen und Ortsmadli hinter einem neuen Konzept stehen müssen, betonte Meyer ausdrücklich. Tizian Paviera ist Sprecher der rund 20 Dietersheimer Ortsburschen und Ortsmadli und war in der Bürgerversammlung ebenfalls anwesend. Er kann sich noch gut an die Schließung des Gasthauses „Rotes Roß” erinnern, in dem die Kirchweih gefeiert worden war. Damals sei vor allem über den Standort diskutiert worden. „Die Kirchweih gehört ins Dorf”, sei man sich schließlich einig gewesen.

Deswegen sei das Zelt unweit des Rathauses platziert worden, nahe am Kirchweihbaum. Für den 26-jährigen Paviera ist es ein irritierender Gedanke, die Kirchweih weit weg von der Fichte zu feiern. Größere Bedenken hat er allerdings in Bezug auf einen vorgezogenen Zeitpunkt des Festes.

Sollte man beispielsweise Anfang September dafür erwägen, wären die Sommerferien möglicherweise ein Problem. „Wir brauchen eine gewisse Zeit für die Vorbereitungen und wenn die in die Sommerferien fallen würden, wäre wohl immer irgendjemand nicht da”, sagte Paviera und betonte, dass ohne die Ortsburschen und Ortsmadli keine Kerwa laufen würde. Dem Arbeitskreis will er sich aber gerne anschließen und ergebnisoffen mitdiskutieren.

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