Einzigartig in Deutschland: Nördliche Hesselbergbahn in Wassertrüdingen reaktiviert | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.12.2024 13:45, aktualisiert am 14.12.2024 15:43

Einzigartig in Deutschland: Nördliche Hesselbergbahn in Wassertrüdingen reaktiviert

Auf den Namen „Wassertrüdingen“ haben der Bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (Zweiter von rechts) den Zug getauft, der als erster den Bahnhof auf der reaktivierten Linie verlassen hat. Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag, 15. Dezember, läuft dann der reguläre Bahnbetrieb an. (Foto: Martina Haas)
Auf den Namen „Wassertrüdingen“ haben der Bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (Zweiter von rechts) den Zug getauft, der als erster den Bahnhof auf der reaktivierten Linie verlassen hat. Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag, 15. Dezember, läuft dann der reguläre Bahnbetrieb an. (Foto: Martina Haas)
Auf den Namen „Wassertrüdingen“ haben der Bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (Zweiter von rechts) den Zug getauft, der als erster den Bahnhof auf der reaktivierten Linie verlassen hat. Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag, 15. Dezember, läuft dann der reguläre Bahnbetrieb an. (Foto: Martina Haas)

Der erste Zug war pünktlich: In Wassertrüdingen ist die Nördliche Hesselbergbahn zwischen Wassertrüdingen und Gunzenhausen reaktiviert. Mit einem großen Fest am Bahnhof feierten Vertreter aus Politik, der Bahn und anderen Institutionen mit den Bürgerinnen und Bürgern der Hesselbergregion die deutschlandweit einzige Wiederinbetriebnahme einer stillgelegten Bahnlinie in diesem Jahr.

Der Bayerische Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr Christian Bernreiter hat die neue Linie als ein „attraktives Nahverkehrsangebot aus einem Guss“ bezeichnet, ehe er nach der Zugtaufe mit den anderen Ehrengästen für eine erste Testfahrt in Richtung Gunzenhausen eingestiegen ist.

Zuvor hatte er sich in einer von Radio-8-Moderator Klaus Seeger geführten Gesprächsrunde „schwer begeistert“ gezeigt von der Leistung der an dem Reaktivierungsprojekt beteiligten Akteurinnen und Akteure. In Richtung der Verantwortlichen im Bund sagte er aber: „Die Bahn muss deutlich besser werden.“ Es seien mehr Investitionen in die Schiene, aber auch in die Straßen notwendig, forderte er, solle Deutschland nicht in den „Status eines Entwicklungslandes“ abrutschen.


„Sanierungsstau bei der Infrastruktur.”

Heiko Büttner

Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für den Freistaat Bayern, Heiko Büttner, der seit Juli in dieser Funktion ist, sprach von einem „Sanierungsstau“ bei der Infrastruktur, der sich nicht in einem „Klein Klein“ abarbeiten lasse. Korridore müssten längerfristig gesperrt werden, um dieses Ziel zu erreichen. Weil es momentan keinen Bundeshaushalt gebe, gebe es auch keine Sicherheit für Bahnprojekte. Und: „Wenn wir das wirklich wollen, braucht es eine auskömmliche Finanzierung außerhalb des Bundeshaushalts“, weil für die Realisierung eine langfristige Perspektive notwendig sei.

Schon vor Beginn des Festakts mit dem Staatsminister und anderen am Reaktivierungsprojekt maßgeblich Beteiligten informierten sich die Gäste des Bahnhofsfestes an Infoständen über das Angebot der Tourismusverbände Fränkisches Seenland und Romantisches Franken, die sich von dem neuen Nahverkehrsangebot, das die Regionen mit dem Großraum Nürnberg besser vernetzt, positive Impulse erhoffen.

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Viele Personen mussten zusammenwirken

Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) war ebenso auf dem Fest vertreten wie die Kommunale Jugendarbeit des Landkreises Ansbach und die Wassertrüdinger Initiative „Verbindung zwischen Freunden“, die sich in den vergangenen Jahren intensiv für die Wiederbelebung der Strecke stark gemacht hat.

Eine Taufurkunde bezeugt die Einweihung der Bahnstrecke. (Foto: Evi Lemberger)
Eine Taufurkunde bezeugt die Einweihung der Bahnstrecke. (Foto: Evi Lemberger)

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Dass die Reaktivierung der vor rund 40 Jahren stillgelegten Hesselbergbahn nur durch das Zusammenwirken vieler möglich geworden sei, betonte der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig: „Der Erfolg ist immer eine Team-Sache.“ Der Landkreis Ansbach habe sich einer Sache angenommen, für die er dem Grunde gar nicht zuständig sei. Weil aber der öffentliche Personennahverkehr für die Infrastruktur des flächengrößten Landkreises in Bayern elementar sei, habe er mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern in den vergangenen Jahren bei allen relevanten Stellen für das Projekt geworben.

Erste Gespräche im Jahr 2009

Sein Amtskollege Manuel Westphal aus dem Nachbarlandkreis Weißenburg-Gunzenhausen erinnerte an die vielen Jahre seit 2009, als sein Vorgänger Gerhard Wägemann die ersten Gespräche geführt habe, die es gebraucht habe, bis jetzt Züge wieder nach Wassertrüdingen fahren.

Wassertrüdingens Bürgermeister Stefan Ultsch freute sich, dass der ländliche Raum wieder ans Bahnnetz angeschlossen sei. Nicht nur von den Zügen, sondern auch von den neuen Buslinien profitierten die Menschen in den Gemeinden rund um den Hesselberg. Und er war sich sicher: „Das färbt auch auf den Arbeitsmarkt ab, wenn die Beschäftigten künftig mit der Bahn zur Arbeit fahren können.“

Ringschluss war Thema

Weil der Wassertrüdinger Bahnhof derzeit noch eine Endstation ist, ging es auch um den Ringschluss mit Nördlingen und Dombühl, den sich unter anderen auch das Wassertrüdinger Chemiewerk Schwarzkopf & Henkel wünscht. Der Logistikchef des Unternehmens, Stefan Keil, bezeichnete es als „große Chance“, durch die Fortführung der Bahnlinie bis Nördlingen den westlichen Raum und Baden-Württemberg anzubinden. Das Chemiewerk, das seit 2010 rund 60 Prozent seiner Fertigwarenprodukte mit der Bahn transportiert, war einer der maßgeblichen Faktoren für den Schienenerhalt.

Auch Peter Banczyk, der Sprecher der Initiative „Verbindung zwischen Freunden“ machte klar: „Wir wollen bis Nördlingen Bahn fahren.“


„Ohne öffentliches Geld geht es nicht.”

Andreas Braun

Natürlich ging es beim Fest in Wassertrüdingen auch um die Reaktivierung der Bahnlinie von Dombühl über Feuchtwangen und Dinkelsbühl nach Wilburgstetten. Um sie bald wieder in Betrieb zu nehmen, sei die Infrastruktur Voraussetzung, meinte Landrat Ludwig. „Das ist Aufgabe der Deutschen Bahn.“ Allerdings habe der Konzern entschieden, nicht in diese Strecke zu investieren. Deswegen sei es notwendig gewesen, private Investoren zu finden, die sich in der Mittelfränkischen Eisenbahnbetriebs GmbH zusammengeschlossen haben.

Andreas Braun, der Geschäftsführer der Bayern Bahn, die für die Hesselbergbahn zuständig und wegen einer unsicheren Finanzierungsperspektive aus dem Projekt Dombühl-Wilburgstetten ausgestiegen war, berichtete aus eigener Erfahrung, dass bei solchen Projekten die Finanzierung das Problem sei: „Ohne öffentliches Geld geht es nicht.“


„Was wir zugesagt haben, halten wir ein.”

Christian Bernreiter

Staatsminister Bernreiter erinnerte daran, dass der Freistaat Bayern für diesen Abschnitt bereits eine Bestellgarantie für 15 Jahre abgegeben habe. „Alles, was wir zugesagt haben, halten wir ein.“

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