Eine Sternstunde bei der Bachwoche Ansbach: Antje Weithaas' Matinee | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.08.2025 21:15

Eine Sternstunde bei der Bachwoche Ansbach: Antje Weithaas' Matinee

Gab eine bewegende Matinee: Antje Weithaas. (Foto: André De Geare)
Gab eine bewegende Matinee: Antje Weithaas. (Foto: André De Geare)
Gab eine bewegende Matinee: Antje Weithaas. (Foto: André De Geare)

Antje Weithaas setzt einen Höhepunkt in der Geschichte der Bachwoche Ansbach: Die renommierte Musikerin erstaunt das Publikum in der Johanniskirche mit ihrer „eigentlichen Stimme“, der Violine, dermaßen, dass dieses ergriffen schweigt, bevor es anhaltend applaudiert.

Lächelnd lässt sich Weithaas zu einer Bach-Zugabe überreden, obwohl sich diese nach diesem Programm verbieten würde.

Viel hat sie musikalisch zu erzählen. Sie weitet diese Kunst auf die Gegenüberstellung von Bachs und Ysaÿes Sonaten beziehungsweise Partiten. Diese Konfrontation hat sie so auch für ihre Diskographie eingespielt. Was macht diese Ausnahme-Geigerin anders als viele ihrer berühmten Kolleginnen und Kollegen?

Größtes Feingefühl

Weithaas verschmilzt mit ihrer phantastisch klingenden (modernen) Peter-Greiner-Geige und sie gestaltet mit größtem Feingefühl die jeweils spezifische Sprache der beiden Komponisten, findet die Schnittpunkte zwischen ihnen.

Das zeigt sich zu Beginn in Bachs zweiter Solo-Sonate in a-Moll. Der Ton der Geigerin ist delikat: Der Grave-Satz ist keine zu absolvierende temporäre Vorgabe, sondern ein intimer Affekt, den sie mit höchstem Gespür ausleuchtet.

Die Fugenentwicklung ist phänomenal im kontrapunktischen Verständnis auf den vier Saiten erfasst. Das Andante, das beim Klavierduo Tal-Groethuysen diese Woche berührend zu erleben war, wird von der Professorin der Eisler-Hochschule in Berlin geigerisch überflügelt. Weithaas ist im Flow, der sich in dieser Konzentration auf das Publikum überträgt.

Geschmackvolle Intensität und Kernigkeit, mühelose Beweglichkeit, Wahrhaftigkeit, makellose Intonation entwickelt sie in Ysaÿe dritter Violinsonate. Effektheischend ist das nie. Ihre Steigerungen und Kulminationen verraten jedoch schon, was bei Bachs d-Moll-Partita zu erwarten sein wird.

Doch davor geht es noch zur Dies-irae-Collage der zweiten obsessiven Ysaÿe-Sonate. Klangraffinesse mit Dämpfer, Pizzikato, Vollgriffigkeit in erweiterte Pagannini-Qualität, sphärische Wechsel im Flageolett, aufregende Exzentrik – all das ist in wenigen Minuten in Ysaÿes raffinierte Komposition und Interpretation hineingepackt.

Bachs d-Moll-Partita erfüllt mit klugen Phrasierungen und Übergänge bei nuanciertester Dynamik. Weithaas erzeugt auch hier sakrale Momente: Sie nimmt das Publikum in der Chaconne mit durch den Tod, in die Trauer bis hin zur Aussöhnung. Es ist eine Sternstunde der Bachwoche.


Von SABINE KREIMENDAHL
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