Eine „Revolution” vor 500 Jahren: Der erste evangelische Gottesdienst in Ansbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.04.2025 19:00

Eine „Revolution” vor 500 Jahren: Der erste evangelische Gottesdienst in Ansbach

Die Kirche St. Johannis war am Palmsonntag 1525 Ort des ersten evangelischen Gottesdienstes. In einem Festgottesdienst jetzt setzten sich die Beteiligten auch mit der Gegenwart auseinander. (Foto: Alexander Biernoth)
Die Kirche St. Johannis war am Palmsonntag 1525 Ort des ersten evangelischen Gottesdienstes. In einem Festgottesdienst jetzt setzten sich die Beteiligten auch mit der Gegenwart auseinander. (Foto: Alexander Biernoth)
Die Kirche St. Johannis war am Palmsonntag 1525 Ort des ersten evangelischen Gottesdienstes. In einem Festgottesdienst jetzt setzten sich die Beteiligten auch mit der Gegenwart auseinander. (Foto: Alexander Biernoth)

Mit einem Gottesdienst, bei dem das Abendmahl mit Brot und Wein gereicht wurde, begann die Reformation in Ansbach. Es war hier der erste Gottesdienst in deutscher Sprache.Pfarrer Johannes Rurer hielt ihn vor 500 Jahren am Palmsonntag 1525 in der Kirche St. Johannis. Daran erinnerte jetzt die evangelische Kirche.

Mit einem Festgottesdienst in St. Johannis und einem Empfang im Gemeindezentrum gedachten die beiden Innenstadtgemeinden St. Gumbertus und St. Johannis dieses Gottesdiensts 1525. Drei Jahre später war – mit einem Landtagsabschied, der am 3. März 1528 verfasst und am 11. März 1528 veröffentlicht wurde – die „evangelische Predigt“ im gesamten Fürstentum eingeführt.

Zum ersten Mal die Chance zu verstehen

Den Auftakt zur regionalen Reformation vor 500 Jahren nahmen die Innenstadtgemeinden zum Anlass für einen Gottesdienst in einem neuen Rahmen. Dekan Dr. Matthias Büttner, Pfarrer Oliver Englert sowie die Pfarrerinnen Dörte Knoch und Andrea Möller gestalteten den Gottesdienst mit dem mehrfach ausgezeichneten Publizisten und Buchautor Christian Nürnberger.

In ihrer Begrüßung erinnerten Dörte Knoch und Andrea Möller an den Vorgänger Johannes Rurer, der in deutscher Sprache Gottesdienst feierte. „Somit hatten die Gläubigen in Ansbach zum ersten Mal die Chance, zu verstehen, was sie da eigentlich feiern“, hieß es.

Das Hören des Wortes Gottes in der eigenen Sprache sei vor 500 Jahren eine Freiheitsrevolution gewesen. Mit dem Lesen des Wortes Gottes in deutscher Sprache hätten die Menschen einen neuen Zugang zu dieser Glaubensurkunde bekommen, sagte Pfarrerin Möller.

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Urgestein der modernen westlichen Demokratien

Pfarrer Oliver Englert wies darauf hin, dass mit der Rückschau auf den damaligen Gottesdienst ein Blick auf die Gegenwart verbunden sei. Dekan Matthias Büttner legte dar: „Die Botschaft der Bibel, und das ist gerade heute wieder wichtig, ist das Urgestein unserer modernen, aufgeklärten, humanistischen westlichen Demokratien.“

Darin ist er mit Christian Nürnberger einig – und auch darin, dass die westlichen Demokratien dieses Jahr so in Bedrängnis kämen. Sechs biblische Botschaften stellten beide für alle Menschen, ob gläubige Christen, Muslime oder Juden, aber auch für Atheisten und Agnostiker, in den Mittelpunkt kurzer Impulse.

Eine ist „Gerechtigkeit soll herrschen“, eine andere „Flüchtlingen soll geholfen werden“. Wichtig sei dabei, so fand Büttner, dass man den Fremden, die nach Deutschland kommen, das Erlernen der deutschen Sprache erleichtere.

Gegenentwurf zu Hasskommentaren und Lügen

Christian Nürnberger nahm Stellung zu der Botschaft „Mächtige dürfen kritisiert werden“. An mehreren Stellen in der Bibel werde eine kritische Sicht auf Mächtige geworfen, und auch die Guten sollten kritisch hinterfragt werden.

Bei einer Gesprächsrunde mit dem Dekan und Christian Nürnberger im Gemeindezentrum nach dem Gottesdienst zeigte sich Nürnberger sehr kritisch gegenüber der Verbindung zwischen Thron und Altar, wie sie in der evangelischen Kirche lange gepflegt worden sei.

Büttner hatte sich im Gottesdienst der Botschaft „Keine Herrschaft von Menschen über Menschen“ gewidmet. Er erinnerte an das Jesus-Wort, dass der, der groß sein will, der Diener aller sein soll. Dabei sei Nächstenliebe entscheidend. Sie könne heil machen und sei Gegenentwurf zu Hasskommentaren und Lügen in sozialen Medien.

Herrschaft über Frauen „nicht Gottes Wille”

„Nicht ohne Frauen“ war für Nürnberger der Anlass, einige Aussagen in der Bibel zu kommentieren, die die Herrschaft des Mannes über die Frauen propagieren. Darin spiegele sich nicht Gottes Wille, sondern die patriarchalische Gesellschaft beim Entstehen der Bibel wider. Mit „Allein der Glaube“ beschloss Büttner die Impulse.

In der Gesprächsrunde machte Christian Nürnberger deutlich, dass der Glaube die Empathie lehre, und nur damit sei ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft möglich. Musikalisch hatten den Gottesdienst Kirchenmusikdirektor Carl Friedrich Meyer (Orgel) und der CVJM-Posaunenchor (Leitung Johannes Stürmer) gestaltet.


Von Alexander Biernoth
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