Im Rahmen ihrer Reihe „Beflügelte Poesie“ starteten Claudia Dölker und Hartmut Scheyhing in der Hilterhaus-Stiftung mit einer Premiere in die Adventszeit. In ihrem neuen Projekt stellten sie Hans Christian Andersens Märchen „Die Glocke“ ins Zentrum ihres musikalisch-poetischen Programms.
„Die Glocke“? Die meisten kennen das Gedicht von Friedrich Schiller, das Märchen dagegen gehört zu den eher unbekannten Werken Andersens. Schön, dass das Künstlerehepaar immer wieder solche Raritäten entdeckt und in seinen Programmen beleuchtet. Das gab auch diesem Abend eine besondere Note, zumal der Inhalt auch gut in die Zeit vor Weihnachten passt.
Eine Gruppe von jungen Konfirmanden macht sich in dem Märchen auf die Suche nach dem Ursprung eines geheimnisvollen Glockenklangs, der aus dem Wald bis in die Stadt tönt. Alle sind von dieser magischen Glocke, die sie auffordert, loszugehen, fasziniert. Einige können nicht mitgehen, andere scheuen den Weg, wieder andere bleiben unterwegs zurück. Auf den Weg machen sich auch der Königssohn sowie ein armer Junge; sie gehen auf unterschiedlichen Pfaden durch die göttliche Natur auf der Suche nach dem vermeintlich weit entfernten Klang, der doch in Wirklichkeit so nah ist.
Claudia Dölker und Hartmut Scheyhing verbinden Märchen und Musik zu einem großen Gesamtklangraum. Abwechselnd lesen sie die einzelnen Märchenabschnitte, zu denen Scheyhing am Klavier einen stimmigen Klangrahmen entwickelt. Die melodischen Linien wiederholen sich stellenweise, ziehen sich wie ein frischer Atem durch die gesamte Handlung.
Dazu lässt der Pianist die Natur fröhlich aufblühen, die Menschen schweren Schrittes durch den Wald stapfen, er rückt den Blick auf besondere Momente oder Stimmungen der Handlung. Wie mit einer Kamera öffnet er den Blick auf die Schauplätze oder blendet spielerisch auch wieder aus. Das verleiht der Geschichte eine eigene Dynamik, eine Art Soundtrack, der die Bilder aus dem Märchen akustisch spiegelt, untermalt oder auch dramatisch hervorhebt, ohne den Text zu überlagern.
Der Klang der Glocke taucht immer wieder auf, als Motiv am Flügel, aber auch, wenn Claudia Dölker über die Klangstäbe streicht. Den Klang der Glocke, die nach einer Idee aus dem Märchen wie die Stimme einer Mutter klingt, haben die beiden auch in einem Lied verarbeitet: „Bim Bam spricht die Mutter zu dem Kind“, das Schlagen der Glocke wird im Wechselgesang angetippt. Ausdrucksstarkes Lesen traf bei dieser einzigartigen Präsentation, der das Publikum mit großer Aufmerksamkeit folgte, auf musikalisches Feingespür sowie eine kreative „beflügelte“ Farbgestaltung.
Weitere Vorstellungen am 7. Dezember als Matinee um 11 Uhr, am 11., 18. und 19. Dezember jeweils um 19.30 Uhr sowie am 26. Dezember um 17 Uhr. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich unter der Telefonnummer 0981/48779626.