Weil die Jungkröten derzeit dabei sind, den Scheerweiher zu verlassen, hat die Stadt Ansbach die Steinersdorfer Steige für den Verkehr gesperrt. Doch so lange es nicht regnet, merkt man kaum etwas von der Wanderung der Amphibien.
Bei manchem Autofahrer sorgt die Sperrung für Unmut. Sie fahren trotz der Verbotsschilder einfach durch, hat Isolde Feldmann beobachtet. Die Schalkhäuserin ist eine von vielen Naturschützern, denen die kleinen Hüpfer am Herzen liegen. Die Jungtiere sind oft gerade einmal einen Zentimeter groß und auf dem Asphalt kaum auszumachen. Wer mit dem Auto unterwegs ist, merkt nicht einmal, welches Massaker er da anrichtet.
Das bestätigt auch Michael Hauer. Er ist der Amphibien-Experte beim Bund Naturschutz in Ansbach. „Eine Fahrt da durch macht schon deutlich was aus“, sagt er nachdenklich. Er bedauert, dass es offenbar immer mehr Menschen gibt, die nicht bereit sind, Rücksicht zu nehmen und einen Umweg zu fahren.
Das Naturschutzgebiet Scheerweiher ist für die Amphibien-Population im Ansbacher Stadtgebiet „wahnsinnig wichtig“, betont auch Bund-Naturschutz-Vorsitzender Oliver Rühl. Wie viele Tiere tatsächlich hier leben, ist nicht bekannt, weil die letzte Kartierung schon einige Zeit zurückliegt, so Hauer. Er spricht von einem „Hotspot, der Gold wert ist“.
Manche Erdkröten würden sogar weitere Wege auf sich nehmen und sich nicht nur im angrenzenden Wald niederlassen, sondern in umliegende Gebiete ziehen. „Das ist gerade in diesen Zeiten enorm wichtig“, findet Hauer.
Er und seine Mitstreiter stehen im Kontakt mit der Stadt und informieren, wenn die Wanderung der Kröten in den Wald einsetzt. „Die Zusammenarbeit hat heuer sehr gut funktioniert.“
Wann genau die Wanderung beginnt und wie lange es dauert, bis die juvenilen Kröten den Weiher verlassen haben, lässt sich nicht vorhersagen. Es gibt etliche Faktoren, von denen das abhängt. Allen voran das Wetter. Wenn es so trocken ist, wie die vergangenen Tage, bleiben die Kröten, wo sie sind. „Wenn es regnet, kann man hier hunderte sehen.“ Isolde Feldmann deutet auf die Straße auf dem Damm. In der Sonne hingegen trocknet die empfindliche Haut schnell aus.
Anders als bei den ausgewachsenen Tieren, die sich einsammeln und in Eimern über die Straße tragen lassen, ist das bei den Nachwuchskröten keine Option. Sie sind viel zu klein und versuchen sofort wieder hektisch davonzuhüpfen. „Das ist so mühselig wie eine Fliege zu fangen“, sagt Isolde Feldmann. Michael Hauer pflichtet ihr bei. Beide Krötenfreunde haben die Hoffnung, dass sie mit ihrem Engagement mehr Menschen davon überzeugen können, sich an die Straßensperrung zu halten und so Leben zu retten.