Ein weißer Handschuh und viel Süßes beim „Christkindla-Rolaidn“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.12.2023 15:13

Ein weißer Handschuh und viel Süßes beim „Christkindla-Rolaidn“

Auf dem Friedhofsgelände vor der Kirche versammeln sich am Vormittag des Heiligen Abend Kinder und Erwachsene und warten auf den Süßigkeitenregen. (Archivbild: Werner Schuster)
Auf dem Friedhofsgelände vor der Kirche versammeln sich am Vormittag des Heiligen Abend Kinder und Erwachsene und warten auf den Süßigkeitenregen. (Archivbild: Werner Schuster)
Auf dem Friedhofsgelände vor der Kirche versammeln sich am Vormittag des Heiligen Abend Kinder und Erwachsene und warten auf den Süßigkeitenregen. (Archivbild: Werner Schuster)

Wenn sich am 24. Dezember die Zeiger der Kirchturmuhr Richtung elf Uhr bewegen, wird es voll am davor gelegenen Friedhof. Vor allem Kinder versammeln sich dort. Denn wenn dann der große Zeiger auf die volle Stunde springt und die Glocken zu läuten beginnen, steht es kurz bevor: das traditionelle Christkindla-Rolaidn.

Wie der Name schon sagt, kündigen die Glocken die Ankunft des Christkindes an. In Cadolzhofen, einem Ortsteil von Windelsbach (Landkreis Ansbach), ist allerdings nur ein weißer Handschuh am Schallladen des Glockenturms sichtbar. Der Handschuh des Christkindes.

Und der wirft dann rund zehn Minuten lang Bonbons und andere Süßigkeiten in die Menge. Aber nicht nur: zwischendurch wird hin und wieder auch ein Eimer warmes Wasser herabgeschüttet.

In den 1950er Jahren gab es Honigplätzchen

Was hinter dem Brauch mit dem Wasser steckt? „Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung“, sagt der Windelsbacher Bürgermeister Werner Schuster. „Aber das war einfach schon immer so.“ Denn die Tradition gibt es schon lange. „Meine Mutter hat mir schon erzählt, dass es das in ihrer Kindheit in den 1950er Jahren schon gab“, erinnert sich Schuster. Genau die gleiche Zeremonie.

Statt verpackter Süßigkeiten allerdings habe es damals Honigplätzchen gegeben, „oft schon steinhart“. Die habe der Mesner zuvor bei den Haushalten im Dorf zusammengesammelt.

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„So groß wie in Leutershausen ist es bei uns nicht“, diese kleine Einschränkung macht Werner Schuster. Denn in Leutershausen drängen sich bei einem ähnlichen Spektakel meist mehrere hundert Menschen in der Ortsmitte, um etwas von den Bonbons abzubekommen, die Christkind und „Pelzi“ dort regnen lassen. „Dafür hat sich das Ereignis bei uns zum schönen Treffpunkt für die Gemeinde entwickelt“, freut er sich.

Danach hat das örtliche Wirtshaus geöffnet, und es gibt Glühwein. „Vor allem Väter mit ihren Kindern sieht man da. Die sind aufgeräumt, damit die Mutter zuhause schmücken kann“, sagt Schuster mit einem Augenzwinkern. Doch nicht nur die, auch andere Erwachsene, die es gesellig mögen an diesem Tag, kommen vorbei. „Oft geht das bis gegen 13 Uhr“, erzählt der Bürgermeister.

Der Brauch wurde 2004 wiederbelebt

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Tradition wieder zum Leben erweckt wurde. Im Rahmen der Dorferneuerung habe es die Überlegungen gegeben, welche früheren Traditionen man wieder aufleben lassen könnte, berichtet der Rathauschef. „Aus einer Laune heraus haben wir beschlossen, das Christkindla-Rolaidn wieder aufleben zu lassen. Das war 2004. Zuvor war rund 40 Jahre lang Pause.”

Und noch ein Detail verrät er zum Schluss: nämlich wer sich als Christkind hinter dem weißen Handschuh verbirgt. „Das war immer ich selbst. Aber gut versteckt. Und ich habe mich schon zeitig auf den Kirchturm geschlichen, damit mich die Kinder nicht sehen.“ Das soll sich heute ändern: Denn ab diesem Jahr übernimmt Schusters Tochter die Rolle. Und die ist als Christkind so glaubwürdig, dass man vielleicht mehr als nur einen weißen Handschuh sieht.

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