Ein Wandelkonzert in Bad Windsheim mit Musik, Geschichte und Gefühl | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.06.2025 19:59

Ein Wandelkonzert in Bad Windsheim mit Musik, Geschichte und Gefühl

Christoph von Weitzel (links) begleitete sich in der Oberschlauersbacher Mühle auf der Gitarre und interpretierte bekannte Volkslieder. (Foto: Nicole Paskow)
Christoph von Weitzel (links) begleitete sich in der Oberschlauersbacher Mühle auf der Gitarre und interpretierte bekannte Volkslieder. (Foto: Nicole Paskow)
Christoph von Weitzel (links) begleitete sich in der Oberschlauersbacher Mühle auf der Gitarre und interpretierte bekannte Volkslieder. (Foto: Nicole Paskow)

Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim ist zum Schauplatz eines besonderen Musikabends geworden: Das erste Wandelkonzert im Rahmen des internationalen Festivals „Dein Lied“ hat stattgefunden – konzipiert und kuratiert von Christoph von Weitzel, Bariton, Liedverfechter und künstlerischer Leiter des Festivals.

Von Weitzel ist ein Grenzgänger zwischen Tradition und Experiment – einer, der das Volkslied nicht konserviert, sondern belebt und in neue Zusammenhänge stellt. Das Format des Wandelkonzerts ist so einfach wie wirkungsvoll: Die Besucher wandern zu drei ausgewählten historischen Gebäuden auf dem Museumsgelände und erleben an jedem Ort ein halbstündiges Konzert. Der Abend wird so zu einem inneren wie äußeren Weg durch Musik, Geschichte und Gefühl.

Mit großer Hingabe in der Mühle gesungen

In der Oberschlauersbacher Mühle sang Christoph von Weitzel selbst – trotz Erkältung mit großer Hingabe. Er begleitete sich auf der Gitarre und interpretierte bekannte Volkslieder wie „In einem kühlen Grunde“ oder „Komm lieber Mai“ mit Präsenz und spürbarer Liebe zum Detail. Besonders interessant war die Vertonung des berühmten Eichendorff-Verses „Schläft ein Lied in allen Dingen“. Die Musik dazu stammt von Christoph von Weitzel und Ulrich Pakusch – Dirigent, Opernleiter in Würzburg und Leipzig, und musikalischer Wegbegleiter von von Weitzel.

Von Weitzel führte das Publikum in die Hintergründe und Bedeutungsräume des Liedguts ein – klug, unaufdringlich und immer verbunden mit einer Einladung zum tieferen Hören. Das Kinderlied „Das bucklige Männlein“ aus „Des Knaben Wunderhorn“ wurde so zur kleinen Lebenslehre: Die Unebenheiten des Alltags als das zu erkennen, was sie oft sind: Herausforderungen, die nicht bekämpft, sondern angenommen werden wollen.

Als das Publikum bei „Kein schöner Land“ einstimmte, wurde spürbar, was von Weitzel mit diesem Format gelungen ist: Er bringt das Lied zu den Menschen zurück, als gemeinsame, erlebbare Sprache.

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Eine Mezzosopranistin und ein Bassbariton

Im Eyerloher Schlösschen wartete der zweite Konzertteil. Diesmal mit zwei aufstrebenden Künstlern aus dem Nachwuchsprogramm „Junge Stars“, das von Weitzel ins Leben gerufen hat: Die Mezzosopranistin Elena Eismont aus Ansbach, ausgezeichnet mit dem Deutschlandstipendium, absolvierte ihr Gesangsstudium an der Hochschule für Musik in Nürnberg. Gereon Grundmann, Bassbariton mit markanter Bühnenpräsenz, wurde an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf ausgebildet und ist heute ein gefragter Konzertsänger. Ulrich Pakusch begleitete die Künstler einfühlsam auf dem Klavier.

Elena Eismont brillierte mit Dorabellas Arie „Smanie implacabili“ aus Mozarts „Così fan tutte“ – kraftvoll, dramatisch und nuancenreich. Grundmanns Interpretation von Sarastros „In diesen heiligen Hallen“ ließ den Raum erzittern. Seine Stimme füllte das Gemäuer mit Tiefe, Wärme und Würde. In den Duetten „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ und „Papageno und Pamina“ entfaltete sich eine bezaubernde Bühnenchemie zwischen den beiden jungen Stimmen. Der begeisterte Applaus war nicht bloß Anerkennung, er war Freude über die Erkenntnis, dass große Musik nicht nur in großen Häusern erklingen muss.

Der dritte Teil führte das Publikum in den Hof des Obernbreiter Amtshauses. Hier wurde der Ton ernster, die Stimmung konzentrierter: Mit Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ und „Totengräbers Heimweh“ gelang Gedeon Grundmann ein Moment großer Tiefe. Der Gesang wirkte nach.

Die Natur selbst dirigierte das Finale

Ein besonderes Augenmerk galt im letzten Abschnitt auch den Werken weiblicher Komponistinnen, die im Kanon allzu oft übergangen werden: Josefine Lang, Clara Schumann und Alma Mahler. Elena Eismont ließ deren weibliche Tonalitäten leuchten: subtiler, fragiler, oft gewagter in Form und Ausdruck als ihre männlichen Kollegen.

Robert Schumanns „Die beiden Grenadiere“ erklangen noch, dann zog ein Sturm herauf. Bevor der Wind zuschlug, musste das Konzert abgebrochen werden – als hätte die Natur selbst das Finale dirigiert. Was bleibt, ist die Erfahrung eines Konzertabends, der nicht bloß musikalisch überzeugte, sondern in seiner Form und seiner Haltung außergewöhnliche Maßstäbe setzte. Es braucht nicht viel: nur Räume mit Geschichte, Stimmen mit Tiefe und Menschen, die das Lied wieder als das begreifen, was es war und sein kann: ein Weg zur Seele.


Von Nicole Paskow
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