Nein, eine große Eröffnungssause gab es nicht. Ilker Ersin und Josef Merrath, die beiden Herren über den Neustädter Sessionraum im Keller des alten Finanzamts, haben das neue Musik-Angebot eher leise eröffnet – und dennoch ziemlich laut. Die ersten Workshops für Bands und Proben fanden schon statt. Ilker Ersin ist überglücklich.
Er ist der Initiator des Ganzen – das Projekt ist im Laufe der Zeit mehr und mehr zu seinem Baby geworden. Und Ersin ist Perfektionist, entsprechend sagt der Berufsmusiker: „Der Sessionraum ist fertig, aber ich bin hier und da noch am Optimieren.“ So richtig abgeschlossen ist so ein Musikraum ja sowieso nie, schließlich wird alles für jeden Programmpunkt wieder umgestellt und auf die Bands abgestimmt. Die eine braucht (k)ein Keyboard, die andere (k)eine Bass-Gitarre. Fast alle Konstellationen sind darstellbar. Dank Spenden der Firma Meinl, der Hans-Thomann-Stiftung und der Stadt.
Der Sessionraum soll aber mehr sein als ein Proberaum, er soll eine kreative Oase im Herzen Neustadts werden, sagt Ilker Ersin. Für Video- und Fotografen liegen verschiedene Screens bereit: Grün, Weiß, Blau. Das rustikale Ambiente im Keller des ehemaligen Finanzamtes könnte schließlich ein guter Ort für ein Fotoshooting sein. Kinder und Jugendliche könnten ansonsten vor den verschiedenen Hintergründen auch TikTok-Videos drehen. Eine pädagogische Gesprächsrunde trifft sich hier ebenfalls regelmäßig. Ersin schwärmt vom Nutzungsmix.
Sein Schwerpunkt liegt als Berufsmusiker – Ilker Ersin ist unter anderem Bassist bei der bekannten Gothic-Metal-Band „Lacrimas Profundere“, die weltweit tourt – aber natürlich auf den Tönen im Sessionraum. Einen Songwriting-Workshop für die Newcomer-Band „Bulletdrop“ aus dem Landkreis hat er schon gegeben. Eine weitere Metal-Gruppe hat ebenfalls schon Interesse gezeigt. Und Musiker, die sich beim Projekt „Open Door – Open Stage“ im Jugendtreff „Lazarett“ kennengelernt haben, jammen hier zusammen. Genau das ist das Ziel des Sessionraumes: Er soll leidenschaftliche Musiker zusammenbringen und so womöglich die eine oder andere neue Band hervorzaubern.
Auch Kinder und Jugendliche, die Musik machen wollen, aber noch nicht so recht wissen, in welche Richtung es gehen soll, berät Ilker Ersin gerne. „Wir haben hier eine E-Gitarre, eine Akustik-Gitarre, einen E-Bass, ein Schlagzeug, ein Keyboard und Mikrofone für den Gesang inklusive Karaoke zum Ausprobieren da“, sagt Ersin. „Alles in bester Qualität.“ Da finde jeder seine Passion, bevor er oder sie dann natürlich Stunden bei einer offiziellen Musikschule braucht.
Licht, professionelle Boxen: All das ist Teil des Sessionraums, alles gespendet von privaten Unterstützern und Firmen. Ilker Ersin kooperiert mit dem Jugendtreff „Lazarett“. Josef Merrath ist als Unterstützer deshalb immer an seiner Seite, auch Stadtrat Martin Hufnagel hat als Jugendbeauftragter bei der akustischen Ausgestaltung mitgeholfen.
Noch vor kurzem haben die Klänge im Sessionraum ziemlich gehallt – logisch bei einem Kellerraum aus Beton und mit Heizungsrohren. Doch mittlerweile hängen schwarze Vorhänge und kleine Akustikplatten, die nicht nur optisch etwas hermachen. Ilker Ersin stellt sich vor das Bühnenpodest und klatscht. Ein dumpfer Sound, kein großer Hall mehr. Der Musiker strahlt.
Genau das wollte er erreichen, damit es nicht allzu laut wird. Schließlich ist nicht zuletzt Oliver Grüner, Schlagzeuger der Band „Bulletdrop“, für seinen harten Anschlag bekannt. „Ich bin hier locker 15 bis 20 Stunden die Woche“, sagt Ilker Ersin. Umbauten, Verschönerungen, die ersten Workshops. Bequeme Chillcouches sucht man hier übrigens vergeblich – eigentlich unüblich für so einen Bandraum. Aber der Neustädter weiß, was er tut: „Ich will es hier drin nicht zu gemütlich haben. Sonst lümmeln sich alle rein und keiner macht mehr was“, sagt Ersin und lacht. Beim Berufsmusiker spricht da wohl die Erfahrung.
Eigentlich hätte auch ein Getränkeautomat für die flüssige Musikerversorgung aufgestellt werden sollen. Merrath und Ersin haben bei Frankenbrunnen sogar einen locker gemacht, aber der hat dann den Treppenabgang nicht runtergepasst. „Die 300 Kilo bekommst du leider nicht in den Keller – zu viert, keine Chance.“ Trotzdem danken sie für die Spendenbereitschaft.
Und dann hat der Herr des Sessionraumes noch einen Traum: ein kleines Studio. „Dafür brauchen wir eigentlich nur einen günstigen Rechner und ein Programm.“ Zwar nehmen sich die Bands jetzt schon teilweise mit dem Handy auf, die Qualität sei da aber eher so mittelprächtig. Mit mehreren Kanälen wäre viel mehr möglich, dann könnten auch Workshops beispielsweise nur mit dem Sänger stattfinden, der Rest der Band wird eingespielt.
Die Nische hinten würde sich dafür prächtig eignen, Ersin hat sie in seinem Kopf quasi schon umgebaut. Bands, Fotografen, Karaoke, Videos für soziale Medien: All das könnte sich Ilker Ersin für die Zukunft im Sessionraum vorstellen. „Alles, was wir dafür brauchen, ist da.“
Wer Interesse an einer Nutzung des Sessionraums hat, darf sich per E-Mail beim Jugendtreff Lazarett (Josef.merrath@neustadt-aisch.de) oder bei Ilker Ersin (mail@ilker-ersin.com) melden.