Seit vielen Jahren gibt es in Dinkelsbühl eine Gruppe, die sich dem Boule-Spiel verschrieben hat. Im Stadtpark vor dem Musikpavillon ließen die Spieler bisher ihre Kugeln rollen. Leider war dies in jüngster Zeit nicht mehr möglich. Grund ist die dortige neue Bestuhlung, die mit EU-Fördermitteln finanziert wurde.
Eine Auflage, um an den Zuschuss zu kommen, waren Schienen, auf denen die Sitzgelegenheiten gesichert werden können. „Das ist wichtig, damit die Stühle nicht wegrutschen“, erklärt der Behinderten- beauftragte der Stadt Dinkelsbühl, Willi Piott. Im Lauf des ersten Halbjahres sollten dort deshalb Holzleisten im Boden installiert worden, an denen die Stühle festgeschraubt werden können.
Dies ist bisher jedoch noch nicht geschehen. „Das ist mir auch erst letzte Woche aufgefallen. Ich ging davon aus, dass die Stühle bereits befestigt wurden, da das ja Voraussetzung für die Förderung war“, so Piott. Der zweite Vorsitzende des Seniorenbeirats werde deshalb schnellstmöglich Kontakt mit dem Bauhof aufnehmen.
Für die Boule-Spieler ändert das jedoch nichts an der Tatsache, dass sie aufgrund der Holzschienen den Platz vor dem Musikpavillon nicht mehr für ihre Sportart nutzen können. Zusammen mit dem Seniorenbeirat wurde nach einer Ausweichfläche gesucht.
Zunächst habe man sich auf ein Areal in der Nähe der Neuen Promenade und des Segringer Tors geeinigt. „Wir hatten eine Ortsbegehung und waren der Meinung, dass sich dieser Standort sehr gut eignen würde“, erklärt Piott. „Allerdings waren die Boule-Spieler damit nicht zufrieden und die Pläne wurden wieder verworfen.“
Es wurde also weiter nach einer Ersatzfläche gesucht. „Es sollte zentral liegen, Toiletten sollten in der Nähe sein und das Licht sollte passen. Schnell waren wir uns dann einig, dass der Platz hinter dem Musikpavillon entlang der Stadtmauer perfekt geeignet ist“, betont Wilhelm Reu, der Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Dinkelsbühl.
Die Bahn soll laut Auskunft aus dem Rathaus im nächsten Frühjahr gebaut werden. „Dieses Jahr findet dort ja wieder der Weihnachtsmarkt statt, deshalb machen wir das erst danach“, erklärt Stadtpressesprecherin Laura Krehn. Die Kosten der vier mal 15 Meter großen Bahn schätzt Wilhelm Reu auf zirka 3000 Euro.
Wie der Vorsitzende weiter mitteilt, gibt es in Dinkelsbühl rund 3600 Senioren. „Das sind zirka 25 Prozent der Bevölkerung.“ Der Seniorenbeirat habe sich deshalb als Ziel gesetzt, verschiedene Angebote in Dinkelsbühl zu schaffen, die der Gesundheit dienen. Hervorzuheben ist hier das Gradierwerk, das sich ebenfalls im Stadtpark befindet und vor knapp einem Jahr in Betrieb ging. Insgesamt habe es allerdings mehrere Jahre gedauert, bis das Projekt letztendlich im September 2022 realisiert werden konnte.
„Wir haben hier in unserer Region viele Menschen mit Atemwegserkrankungen. Viele sind dann nach Bad Windsheim oder Bad Kissingen gefahren. Das ist eine weite Strecke. Deshalb wollten wir unbedingt etwas hier bei uns vor Ort anbieten“, erklärt Reu. So sei die Idee für das Gradierwerk entstanden. Der Aufbau besteht aus einem Holzgerüst, das im Inneren mit Schwarzdornzweigen – auch als Schlehenreisig bekannt – gefüllt ist.
Das Prinzip ist ganz einfach: Salzhaltiges Wasser, die sogenannte Sole, wird aus einem unterirdischen Tank nach oben gepumpt, erklärt der Seniorenbeiratsvorsitzende. Der Salzgehalt des Wassers beträgt dabei zwischen sechs und zehn Prozent. Das Reisig wird dann von oben mit der Sole beträufelt und das Wasser fließt zurück in den Tank. Der Kreislauf beginnt also immer wieder von Neuem.
Während des Verdunstens lösen sich kleinste Tröpfchen der Sole und reichern die Umgebungsluft an. Das leicht feuchte, salzhaltige Klima, welches hierbei entsteht, sei mit dem Reizklima des Meeres vergleichbar. „Das kann die Beschwerden von Asthmatikern sowie bei Heuschnupfen und Allergien deutlich lindern“, betont Reu. „Auch ortsansässige Physiotherapeuten können das Angebot mit ergänzenden Atemübungen für ihre Patienten nutzen.“
Rund 140.000 Euro hat das Gradierwerk samt Pavillon gekostet, wovon 60 Prozent mit Fördermitteln finanziert wurden.
Vor kurzem hat der Seniorenbeirat in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule einen Gesundheitsspaziergang angeboten, bei dem die verschiedenen gesundheitsfördernden Angebote in Dinkelsbühl besucht und vorgestellt wurden. Startpunkt war am Fitnessparcours oberhalb des Rothenburger Weihers. An verschiedenen Stationen können sich dort Jung und Alt fit halten. Auf Tafeln werden die Übungen erklärt. Wie auf einem Schild zu lesen ist, ist die Anlage dank verschiedener Spenden finanziert.
Neben dem Fitnessparcours und dem Gradierwerk machte die Gruppe auch an der Kneippanlage an der Alten Promenade Halt. Laut Reu wird das Angebot von den Menschen, vor allem von Touristen, sehr gut angenommen. Eine weitere Kneippanlage befindet sich im Mutschachwald, diese sei aber immer wieder von Vandalismus betroffen.