Ein Lückenschluss auf dem Radweg von Leutershausen nach Ansbach | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 28.05.2025 15:18

Ein Lückenschluss auf dem Radweg von Leutershausen nach Ansbach

Radfahrer, aufgepasst! In der Bahnunterführung bei Wiedersbach wird es ein bisschen eng auf dem Radweg. 20 Zentimeter fehlen dort zur Normbreite. Schilder und Linien mahnen zu Vorsicht. Gegen die nach langem Hin und Her realisierte Lösung hatte sich das Staatliche Bauamt zunächst beharrlich gesträubt. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Radfahrer, aufgepasst! In der Bahnunterführung bei Wiedersbach wird es ein bisschen eng auf dem Radweg. 20 Zentimeter fehlen dort zur Normbreite. Schilder und Linien mahnen zu Vorsicht. Gegen die nach langem Hin und Her realisierte Lösung hatte sich das Staatliche Bauamt zunächst beharrlich gesträubt. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Radfahrer, aufgepasst! In der Bahnunterführung bei Wiedersbach wird es ein bisschen eng auf dem Radweg. 20 Zentimeter fehlen dort zur Normbreite. Schilder und Linien mahnen zu Vorsicht. Gegen die nach langem Hin und Her realisierte Lösung hatte sich das Staatliche Bauamt zunächst beharrlich gesträubt. (Foto: Wolfgang Grebenhof)

Befahrbar ist er schon seit einiger Zeit, offiziell eingeweiht wurde er erst jetzt: Der neue Radwegabschnitt zwischen Wiedersbach und Hannenbach, ein Lückenschluss auf der Verbindung zwischen Leutershausen und Ansbach. Doch die Schlüsselfrage bleibt offen: Wie geht es ab Lengenfeld weiter? Bürgermeister Markus Liebich hat da eine Idee.

Aktuell kann man von Leutershausen bis Straßenwirtshaus durchgängig einen Radweg benutzen. Über die Fortsetzung bis Lengenfeld südlich der Staatsstraße 2246 herrscht Einigkeit, erste Gespräche mit Grundstückseigentümern hat es gegeben. Aber wie geht es von diesem Dorf aus einmal weiter bis Schalkhausen? Darüber streiten die beiden Nachbarstädte seit Jahren. Ansbach will eine Trasse nördlich der Bahnlinie, am Scheerweiher entlang, auf teils schon bestehenden Wegen. Leutershausen bevorzugt wie auch das Staatliche Bauamt eine Wegführung im Süden, nah an der Staatsstraße. Für Alltagsradler, also etwa Berufspendler, wäre das die sicherere und bequemere Variante, so die Argumentation.

Fachbüro für eine neue Blickweise

Die Fronten schienen zuletzt verhärtet. Nun hat Leutershausens Rathauschef einen neuen Vorstoß gemacht mit dem Vorschlag, ein Fachbüro für Verkehrsplanung zu beauftragen, um einen neutralen „Blick von außen“ auf die Problematik zu werfen. Diese Idee sei in Ansbach auf offene Ohren gestoßen, so Liebich am Rande der Radweg-Einweihung. Ihm sei wichtig, dass die Experten dann gleich auch „den ÖPNV mitdenken“, sagte der Bürgermeister mit Blick auf die Bushaltestellen Hohenmühle und Dornberg. Zudem warb er für eine für Radfahrer sichere Lösung für die Ortsdurchfahrt von Lengenfeld.

Liebich gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich die beiden Städte in der Radwegfrage „einen Schritt aufeinander zu bewegen“. Denn das Fahrrad spiele eine bedeutende Rolle in der Verkehrswende. Das Thema werde „unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen“. Der Bürgermeister zitierte Landrat Dr. Jürgen Ludwig, der 2023 gesagt habe: „Es kommt immer stärker ins Bewusstsein, dass der erste Griff an den Lenker gehen sollte und nicht ans Lenkrad.“ Ziel im Landkreis Ansbach sei es, immer mehr Menschen zu ermutigen, das Rad nicht nur in der Freizeit zu nutzen, sondern auch für den Weg zur Arbeit.

Notwendigkeit laut Heinrich Schmidt unbestritten

Rund die Hälfte des Kohlendioxid-Ausstoßes im Landkreis entfalle auf den Mobilitätsbereich, so Liebich: „Deshalb setzen wir uns dafür ein, den Radverkehr zu stärken, um unsere Umwelt zu schützen und die Lebensqualität in Stadt und Land zu verbessern.“ Dazu brauche es sichere und qualitativ hochwertige Radwege, denn der Weg zur Arbeit sollte schnell und bequem sein.

Heinrich Schmidt, Leitender Baudirektor des Staatlichen Bauamtes Ansbach, stieß ins selbe Horn. Auch dieser Lückenschluss sei ein „Meilenstein“ und ein wichtiger Beitrag zur Verkehrssicherheit, aber auch zur Förderung einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Mobilität im ländlichen Raum. Der Freistaat Bayern setze konsequent auf den Ausbau eines flächendeckenden und sicheren Radwegenetzes, um „Autofahrer möglichst oft auf den Sattel zu bringen“. Die Notwendigkeit eines durchgehenden Radweges von Leutershausen nach Ansbach sei „unbestritten“.

Kosten von rund 635.000 Euro

Zum nun eingeweihten Teilstück erläuterte Schmidt, es umfasse im zweiten Bauabschnitt rund 380 Meter Strecke mit einer Breite von 2,50 Metern. Weil im Bereich der Bahnunterführung bei Wiedersbach die Staatsstraße leicht nach Süden gerückt werden musste, um im Norden Platz für den Radweg zu schaffen, summierten sich die Baukosten inklusive einer Versickerungsmulde mit 45 Kubikmetern Fassungsvermögen und einem 130 Kubikmeter großen Rückhaltebecken auf rund 635.000 Euro brutto.

Als Nadelöhr erwies sich die Bahnunterführung, an der die Trasse lange Zeit zu scheitern drohte. „Geht nicht, weil zu eng“, lautete zunächst die Einschätzung im Staatlichen Bauamt, das nach Alternativrouten suchte.

Ein Provisorium für sehr lange Zeit

Nicht zuletzt der Beharrlichkeit des damaligen Stadtratsmitgliedes Ernst Wachmeier aus Hannenbach ist es zu verdanken, dass der Radweg nun doch neben der Straße unter die Bahnlinie passt – wenngleich 20 Zentimeter schmäler als die Normbreite von 2,50 Meter und deshalb mit Schild und Trennlinie als Gefahrstelle markiert.

„Wir leben mit einem Provisorium, bis die Bahn eine neue Brücke baut. Aber das werden wir nicht erleben“, schilderte der Behördenchef, wie man sich um die Vorschriften gedrückt hat. Im Staatlichen Bauamt habe das für viele kontroverse Diskussionen gesorgt.

„Glücklich sind wir nicht damit, denn das ist nicht ganz gefahrlos“, sagte Schmidt: „Aber in der Summe ist es wahrscheinlich der beste Weg.“ Nun komme es an dieser Stelle besonders auf die gegenseitige Rücksicht der Radfahrer an.


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
north