Ein Kraftwerk in Leutershausen dreht sich der Sonne entgegen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.06.2023 09:00

Ein Kraftwerk in Leutershausen dreht sich der Sonne entgegen

Geradezu winzig wirkt Tüftler Gerhard Schwab neben dem Photovoltaik-Segel in seinem Garten, das sich selbstständig nach der Sonne ausrichtet. Der Maschinenbauer hat die Technik selbst verfeinert. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Geradezu winzig wirkt Tüftler Gerhard Schwab neben dem Photovoltaik-Segel in seinem Garten, das sich selbstständig nach der Sonne ausrichtet. Der Maschinenbauer hat die Technik selbst verfeinert. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Geradezu winzig wirkt Tüftler Gerhard Schwab neben dem Photovoltaik-Segel in seinem Garten, das sich selbstständig nach der Sonne ausrichtet. Der Maschinenbauer hat die Technik selbst verfeinert. (Foto: Wolfgang Grebenhof)

Im Garten der Familie Schwab in Leutershausen steht ein ungewöhnliches Objekt. Es folgt vollautomatisch der Sonne und erzeugt so deutlich mehr Strom, als eine fest montierte Photovoltaikanlage produzieren könnte. Doch bis es soweit war, standen mehrere bürokratische Hürden im Weg.

30 Quadratmeter messen die 15 Solarmodule insgesamt, 6,15 Kilowatt/Peak leisten sie. Früh richtet sich die Anlage nach Osten aus, wo die Sonne aufgeht. Dann folgt sie ihr den Tag über, dreht und neigt sich vollautomatisch, sodass sie immer möglichst rechtwinklig zum großen Energiespender am Firmament steht. Damit erzielt sie eine Stromausbeute, die 38 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liege, sagt Gerhard Schwab.

Der 65-Jährige ist ein Tüftler. Er hat die schwenkbare Technik, deren Komponenten überwiegend aus Slowenien kommen, selbst installiert und in vielen Punkten verfeinert. Auch die Steuerung, die unter anderem auf Satellitensignale zurückgreift, musste der erfahrene Maschinenbauer modifizieren. „Ich habe niemanden gefunden, der mir die Anlage baut“, sagt er. Bei einer Windgeschwindigkeit von 144 Stundenkilometern würde sich das Solar-Segel flach legen, zur Sicherheit. Doch soweit kam es noch nie.

456 Euro Strafe bezahlt

Mit ihrer Photovoltaik-Installation am Weißdornweg sind Gerhard Schwab und seine Frau Doris autark. Das Sonnenkraftwerk speist einen – ebenfalls selbst konstruierten – Batteriespeicher im Keller. Elektrizitäts-Überschuss fließt nicht nur ins öffentliche Stromnetz, sondern auch ins eigene Elektroauto. Die Energiewende – im Garten der Schwabs steht ein Beispiel dafür, wie sie funktionieren kann.

Doch dafür wurde die Familie zunächst einmal bestraft. 456 Euro musste sie bezahlen, weil die für rund 25.000 Euro installierte Anlage ohne Genehmigung aufgestellt wurde. Was nicht beabsichtigt war, wie Gerhard Schwab beteuert. Er habe zuvor im Rathaus angefragt und gesagt bekommen, dass PV-Anlagen bis 30 Quadratmeter antragsfrei seien. Doch das gilt nur für fest montierte Dach-Module. Ein Missverständnis, offenbar. Mit einem frei stehenden, beweglichen Apparat hatte bei der Anfrage wohl niemand gerechnet.

Ausschuss in einem Dilemma

Das Sonnenfang-Segel war längst im Testbetrieb, als sein Erbauer Post vom Landratsamt bekam: Er habe einen Schwarzbau im Garten, und der müsse weg. Schwab reichte einen Bauantrag nach, doch den schmetterte der Bauausschuss des Stadtrates ab. Nicht etwa, weil die Anlage auf Missfallen stieß. Das Gros der Gremiumsmitglieder äußerte sich positiv zu dem Objekt und seiner Intention.

Doch der Ausschuss sah sich in einem Dilemma. Er hat es sich zur Linie gemacht, nachträgliche Bauanträge generell nicht mehr zu billigen – auch dann nicht, wenn Projekte eigentlich genehmigungsfähig wären. Denn allzu oft wird erst gebaut und dann gefragt. Diesen Wildwuchs will die Stadt eindämmen.

Landratsamt erteilte das Placet

Konsequenterweise musste das Gremium auch Schwabs schwenkbare Photovoltaik ablehnen – obwohl sie eigentlich auf Zustimmung stieß. Das letzte Wort habe aber ja ohnehin das Landratsamt, und das werde dann schon den Segen erteilen, hieß es im Ausschuss pragmatisch.

So kam es letztlich auch. „Die Verweigerung des Einvernehmens erfolgte rechtswidrig“, schrieb die Landkreis-Behörde den Schwabs. Die froh sind, nun endlich ganz legal ihren Beitrag zur Energiewende leisten zu dürfen.


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
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