Ein knappes Nein für den Ausbau der Haltestelle in Demansfürth | FLZ.de

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Ein knappes Nein für den Ausbau der Haltestelle in Demansfürth

Weder barrierefrei, noch besonders einladend: Mit der aktuellen Bushaltestelle sind die Demantsfürther nicht so wirklich zufrieden. Ein kleiner Busbahnhof wurde nun von den Räten allerdings abgelehnt. (Foto: Johannes Zimmermann)
Weder barrierefrei, noch besonders einladend: Mit der aktuellen Bushaltestelle sind die Demantsfürther nicht so wirklich zufrieden. Ein kleiner Busbahnhof wurde nun von den Räten allerdings abgelehnt. (Foto: Johannes Zimmermann)
Weder barrierefrei, noch besonders einladend: Mit der aktuellen Bushaltestelle sind die Demantsfürther nicht so wirklich zufrieden. Ein kleiner Busbahnhof wurde nun von den Räten allerdings abgelehnt. (Foto: Johannes Zimmermann)

In Uehlfelds Ortsteil Demantsfürth (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) soll die Bushaltestelle barrierefrei ausgebaut werden. Dann könnten Fahrzeuge den kleinen Busbahnhof künftig von beiden Richtungen anfahren. Aber braucht ein Dorf wie Demantsfürth so etwas überhaupt? Darüber entspann sich eine Debatte im Gemeinderat. Friederike Wio sprach von einem „Schildbürgerstreich“, Udo Schmidt unterstellte „mangelhafte Planung“.

Was war passiert? In Demantsfürth soll zum Abschluss der Dorferneuerung die Bushaltestelle am Ortsrand barrierefrei ausgebaut werden. So weit, so unspektakulär. Vorgesehen sind allerdings nicht nur Angleichungsmaßnahmen im Umfeld, sondern auch Kasseler Borde – und davon gleich zwei, an zwei Seiten der „Insel“, damit Busse die Haltestelle aus beiden Richtungen bequem anfahren können. Daneben soll ein Pavillon für Unterschlupf bei schlechtem Wetter sorgen. Ein kleiner Busbahnhof sozusagen.

Beim Preis mussten die Ratsmitglieder tief Luft holen

Das Thema ist nicht neu und stand bereits in einer vorangegangenen Sitzung auf der Agenda. Als die Räte den Preis gesehen haben, mussten sie aber tief Luft holen: Fast 170.000 Euro für den barrierefreien Busbahnhof und einen Pavillon? „Da wird einem schier schlecht“, befand Vize-Bürgermeister Gerhard Winkler. Geht es nicht günstiger?, wollten die Räte wissen. Planer Frieder Müller-Maatsch bohrte nach, stellte alle Zahlen auf den Prüfstand und erreichte ein Einsparpotenzial von 12.000 Euro. „Die Einsparungen sind ein Witz“, fand nun Angelika Stierhof.

Der Bushaltestellen-Ausbau soll als letztes Dorferneuerungsprojekt vonstatten gehen. Entsprechend würde das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Zuschüsse geben und auch eine ÖPNV-Förderung steht in Aussicht. Rund 108.000 Euro würden also aus den Töpfen fließen, „nur noch“ gut 60.000 Euro müssten aus dem Gemeindesäckel kommen. Aber auch das glättete die Wogen kaum.

Bessere Ausstattung als in Metropole Berlin?

„Die Förderungen sind ja letztlich auch die Steuergelder der Bürger“, betonte Stierhof. „Wir hätten dann in einem Dorf wie Demantsfürth zwei barrierefreie Bushaltestellen. Ich war neulich in Berlin und habe keine einzige mit Kasseler Bord gesehen.“

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Auch Friederike Wio zweifelte den Sinn und Zweck der Maßnahme an, sprach von einem „Schildbürgerstreich“. Ihres Wissens fahren die Busse den Ort bislang alle von der B470 an. Ihr sei keine Linie bekannt, welche den Busbahnhof aus dem Dorf anfährt, auch wenn eine solche Linie im Fahrplan steht. Dieser Bus fahre aber nie, behauptete Wio. „Wir planen hier eine zweite Bushaltestelle für einen Fahrplanfehler.“

Vor-Ort-Termin mit Polizei und Behörden

Dem widersprach Müller-Maatsch. Es habe einen Vor-Ort-Termin mit Polizei und Behörden gegeben, da seien auch Buslinien-Betreiber dabei gewesen. „Die haben das klar gesagt.“ Bürgermeister Detlef Genz betonte zudem: „Wir machen die Bushaltestelle nicht nur für jetzt, sondern für Jahrzehnte.“ Mit der ÖPNV-Wende gebe es bald vielleicht mehr Linien oder bestehende würden verändert. Dann sei man gerüstet.

Winkler blickte auf die Vergangenheit: Das Dorferneuerungsverfahren laufe seit Jahren. Die Kosten für den Bushalte-Ausbau seien aber erst jetzt aufgeploppt. Er fürchtete, wenn das Ratsgremium nun dagegen stimme, werfe das die Pläne um Jahre zurück; womöglich gebe es sogar keine Möglichkeit mehr, eine geförderte ÖPNV-Haltestelle zu bauen. „Ich werde schweren Herzens diesem Schildbürgerstreich zustimmen. Wir kommen aus der Nummer nicht mehr raus. Sonst haben wir gar nichts.“

Die Verkehrswende schaffen

Udo Schmidt plädierte ebenfalls dafür, nach vorne zu schauen. „Wir müssen die Verkehrswende schaffen.“ Dafür brauche es auch Kasseler Borde, Stichwort Barrierefreiheit. Im Demantsfürther Fall sprach er allerdings von einer „mangelhaften Planung, das müssen wir noch mal intern besprechen“. Dagegen verwehrte sich Müller-Maatsch ausdrücklich.

Er habe vom Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft, ALE-Vertreter Werner Heindl, einen Anruf bekommen, mit den Worten: „Ich hab das Geld, wir müssen das jetzt machen.“ Entsprechend habe sein Büro alles Nötige in Bewegung gesetzt und die Planung nach den Vorgaben der Behörden umgesetzt.

Die Kosten seien seit Oktober im Dorferneuerungsvorstand bekannt, in dem auch Genz sitze. Und: „Wir haben dann in Demantsfürth eine Bushaltestelle, die alle Fahrbewegungen abdeckt.“ „Für mich gehört eine Bushaltestelle in die Ortsmitte“, befand Leonhard Dümmler. Da spielten aber die Busbetreiber nicht mit, weil sie durch das Dorf fahren müssten, so der Planer. „Die kämpfen um jede Minute.“

Gremium will künftig miteinbezogen werden

Christian Zwanzger plädierte dringend dafür, solche Maßnahme künftig von Anfang an mit dem Gemeinderat abzustimmen. „Dann wäre manche Planung vielleicht anders gelaufen.“ Norbert Stoll ergänzte: „Wir sind die, die zahlen müssen.“

Acht Räte stimmten schließlich gegen den kleinen Demantsfürther Busbahnhof, sieben dafür. Abgelehnt. Eine Demantsfürtherin bat in der Bürgerredezeit nach der Sitzung darum, dann wenigstens den Bestand ein bisschen herzurichten: „Es muss was gemacht werden. Wir können da alle nichts dafür.“

Investition von rund 95.000 Euro

Gegen eine Stimme durchgewunken wurde hingegen der barrierefreie Ausbau in Voggendorf, für rund 95.000 Euro, davon sind Zuwendungen von gut 48.000 Euro zu erwarten. Kritik gab es, dass dieser Schritt nicht gleich mit der eigentlichen Dorferneuerung passiert ist. „Das ist wirklich traurig“, fand Marco Nehmeier. Friederike Wio betonte: „Ich finde die Bushalte gut, ich bin nicht allgemein gegen Bushaltestellen.“

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