Lange Autoschlangen rund um Triesdorf sind das erste Anzeichen: Es ist Johannitag. Am Sonntag war es wieder soweit. Die Sommerveranstaltung der Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Mittelfranken im Landkreis Ansbach lockt Branchenprofis, Prominenz und eine breite Öffentlichkeit.
Bundes- und Landtagsabgeordnete, Kommunalpolitiker, Vertreter der bäuerlichen und industriellen Landwirtschaft mit dazugehörigen Branchen sowie Unternehmen – und mit der Bayerischen Milchprinzessin Verena Wagner aus dem Oberallgäu sogar ein gekröntes Haupt – gaben sich am Sonntag in Triesdorf ein Stelldichein. Die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) erging sich in ihrer Festrede in Lobeshymnen.
Der Bildungsstandort Triesdorf habe die Bedeutung eines „Silicon Valley“, sei „die Keimzelle für Innovationen“ und der Johannitag ein „Festtag und Hochamt in der Region“. Außerdem sei die Bildungseinrichtung „ein starker Partner“ für ihr Landwirtschaftsministerium. Sie wusste, was das Publikum gern hören wollte und sprach „ein Hoch auf Triesdorf“ aus. Als genussvolles Gastgeschenk bekam sie Spirituosen aus der Triesdorfer Brennerei überreicht.
Der mittelfränkische Regierungspräsident Peter Daniel Forster (CSU) machte deutlich, dass „ohne Moos nichts los ist“ und der Bezirk weiter in die Infrastruktur (Gästehaus, Mensa mit Begegnungszentrum) investiert, um die Attraktivität von Tagungen, Seminaren und Erwachsenenbildung zu steigern.
Bauernpräsident Günther Felßner (CSU), ein ehemaliger Triesdorfer Absolvent, schwärmte von der Bildungseinrichtung als „Stern des Südens“, den die Ministerin „besonders zum Strahlen gebracht“ habe. Die Erfolge des grünen Standortes für Forschung, Lehre und Praxis drückte Felßner in einem „1:0 für Triesdorf“ aus. Bei so viel Lob schaut Direktor Markus Heinz, ein in Triesdorf ausgebildeter Agrarmanager, „sehr positiv in die Zukunft“, wie er sagte.
Aktuell besuchen 3200 junge Menschen und damit eine steigende Zahl das Bildungszentrum Triesdorf in zehn verschiedenen Schulen und der Hochschule Weihenstephan–Triesdorf. Insgesamt sind dort über 600 Mitarbeiter an allen Einrichtungen beschäftigt, um die Aus- und Fortbildung zu unterstützen.
Die Hauptthemen des Johannitages sind landwirtschaftliche Urproduktion, Lebensmittel, Ernährung, Umweltschutz und regenerative Energien wie Photovoltaik, Biomasseheizungen und Biogas. Sowohl der Vollerwerbslandwirt als auch der Landwirt im Nebenerwerb wird themenbezogen angesprochen.
Die Schlepperausstellung machte moderne Technik greifbar: von der Bodenbearbeitung über die Aussaat bis hin zur Ernte, aber auch die mechanische und chemische Unkrautregulierung sowie die organische Düngung. Im Pflanzenbau und Versuchswesen beschäftigt man sich als Folge des Klimawandels und der daraus resultierenden Wasserknappheit mit der Züchtung von Kichererbsen, weißen Lupinen und Sommerweizen. Die Vorzüge der Lupinen konnten die Besucher bei einer Kostprobe Lupinenkaffee trinken.
Triesdorfer Produkte waren im Hofladen vor Ort und am Verkaufsautomaten zu erwerben. Eier, Milch und Fleisch werden zum Teil eigenverwertet. Ansonsten erfolgt die Vermarktung über die Molkerei, beziehungsweise über den Viehhandel und den nächstgelegenen Schlachthof. Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten halten aktuell 130 Milchkühe, 90 Zuchtsauen sowie in der Geflügelhaltung 1250 Legehennen und 350 Zuchttiere, darunter das Triesdorfer Landhuhn, rebhuhnfarbige Italiener und Sundheimer.
Ein Besuchermagnet am Johannitag ist auch die Schafhaltung. Die Herde umfasst 250 Mutterschafe. Besonders die Schur der Schafe und die Verwertung der Wolle zog das Publikum an. Die in der Tierzahl größte Einheit der Landwirtschaftlichen Lehranstalten ist die Imkerei, die mit ihren 150 Völkern die imkerliche Ausbildung in Mittelfranken sowie die Zuchtarbeit von Königinnen unterstützt.
Auch Fachvorträge zu Projekten der ländlichen und kommunalen Entwicklung am Beispiel der Stadt Ornbau und der Gemeinde Neusitz beinhaltete der Johannitag. Neu in diesem Jahr präsentierten sich hauswirtschaftliche Verbände und Institutionen am Weißen Schloss. An einem Festtag dürfen ein gutes Essen und Angebote für Kinder nicht fehlen. Jung und alt kamen auch in dieser Sache voll auf ihre Kosten.
Wir waren mit der Kamera dabei: Unsere Bildergalerie zum Johannitag 2024.